TDK: Milliarden-Deal im Sensor-Markt

Die Übernahme-Welle rollt ungebremst weiter:

Mit dem japanischen Traditions-Konzern TDK und dem US-Technologie-Unternehmen InvenSense könnte es jetzt den nächsten transatlantischen Deal geben.

Für über 1 Mrd. Dollar soll die Sensor-Firma den Besitzer wechseln.

Die Aktionäre von InvenSense dürfte es freuen; innerhalb der letzten 10 Tage schoss der Preis der Papiere immerhin um über 50% in die Höhe.

Bei einem Aktienkurs von 12,80 Dollar notieren die Anteilsscheine nur minimal unter dem Übernahme-Angebot von 13 Dollar je Aktie.

Knapp 20% Aufpreis zum Schlusskurs

Aber jetzt erst einmal zu den Details: Die Japaner wollen 13 Dollar in Cash auf den Tisch legen. Damit bewertet die Offerte InvenSense immerhin mit 1,3 Mrd. Dollar.

InvenSense hat seinen Hauptsitz im kalifornischen San Jose und gilt als absoluter Sensor-Spezialist.

Der Konzern kombiniert verschiedene MEMS-Sensoren (Beschleunigungs-Sensoren, Gyroskope, Kompass-Sensoren) mit integrierten Systemen für die Aufnahmen von Bewegungen und Schall sowie mit eigenen Algorithmen und Firmware.

Damit wird die Genauigkeit der Ergebnisse der Sensor-Systeme verbessert.

So überrascht es nicht, dass die Sensor-Systeme in einem weiten Bereich von Anwendungen zu finden sind, von Smartphones und Wearables über Smart-Home-Geräte und die Industrie bis zu Automobilen.

InvenSense ist dick mit Apple im Geschäft

Der größte Einzelkunde von TDK ist der Smartphone-Gigant Apple, der 11% zu den Gesamt-Erlösen beisteuert.

Bei InvenSense spielt Apple mit einem Umsatz-Beitrag von 58% im letzten Quartal sogar eine noch größere Rolle. Aber nicht nur im Geschäft mit Mobiltelefonen ist das Unternehmen aktiv.

Erst im vergangenen Monat hat InvenSense eine Zusammenarbeit mit Panasonic angekündigt.

Konkret geht es hierbei um die Entwicklung von neuen Sensor-Technologien für den Einsatz in der Automobil-Industrie.

Portfolio ergänzt sich ausgesprochen gut…..

Mit dem Zukauf baut TDK seine Position im Sensor-Markt deutlich aus. TDK hatte bereits 2008 die in München ansässige und früher zu Siemens gehörende Epcos gekauft.

Epcos war innerhalb von TDK federführend bei der Übernahme von Tronics, ebenfalls einem Sensor-Hersteller, für 50 Mio. Dollar gewesen.

Im vergangenen Jahr hat sich TDK zudem für 214 Mio. Schweizer Franken den Chip-Spezialisten Micronas einverleibt.

Mit InvenSense würde TDK selber ein noch größerer Zulieferer im Sensor-Geschäft. Das ursprüngliche Know-how von TDK liegt in Magnetbändern und Festplatten.

Über 50% des Umsatzes generiert TDK heute mit passiven Komponenten.

Mit InvenSense will TDK seine Position im Bereich Internet der Dinge, Fahrsicherheits-Sensoren und Virtual Reality stärken und von den dortigen Wachstums-Chancen profitieren.

….aber stolzer Kaufpreis

 Auch wenn die Übernahme auf Grund des technologischen Know-hows Sinn machen mag, der Kaufpreis erscheint auf den 1. Blick alles andere als günstig.

Für das kommende Jahr erwarten Analysten nämlich einen Umsatz-Rückgang auf 292 Mio. Dollar (Vorjahr: 418 Mio. Dollar), bevor die Erlöse im Jahr 2018 wieder auf 332 Mio. Dollar klettern sollen.

Hohe Investitionen und schwächere Endmärkte hatten die Geschäfte zuletzt belastet.

Zudem operiert InvenSense noch tief in der Verlustzone. Mit ersten Gewinnen rechnen die Experten in 2018. Dann könnten Profite von 12 Mio. Dollar hängen bleiben.

Damit zahlen die Japaner immerhin fast das 4-fache der in 2 Jahren erwarteten Umsätze und das 106-fache des 2018er-Gewinns.

Aktie notiert nahe am Übernahmepreis

Den Cash-Deal kann TDK locker finanzieren. Immerhin hat der Technologie-Konzern einen Bargeldbestand von 2,6 Mrd. Dollar auf der hohen Kante.

Nach dem starken Kursanstieg notiert die Aktie gerade einmal 1,5% unter dem Übernahmepreis. Damit scheinen sich die Anleger offenbar sehr sicher zu sein, dass der Deal auch durchgeht.

23. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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