Teamviewer: Börsenaspirant mit ambitionierter Bewertung

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TeamViewer: Anleger reißen sich um die Aktien des Göppinger Börsenaspiranten. Strammes Wachstum zieht Investoren trotz hoher Bewertung magisch an. (Foto: MaximP / shutterstock.com)

Während der amerikanische Bürovermieter We Work seinen milliardenschweren Börsengang gerade mangels Investoreninteresse abblasen musste, hält der Softwarekonzern Teamviewer an seinen Börsenplänen fest. Das Göppinger Unternehmen wirbt um die Gunst der Anleger mit hohen Wachstumsraten – offenbar mit Erfolg. Der hierzulande größte Börsengang seit der Jahrtausendwende war bereits 90 Minuten nach Beginn der Zeichnungsspanne restlos überzeichnet. Vor allem angelsächsische Investoren scheinen sich um die Aktien der Softwareschmiede zu reißen.

Altaktionär Permira macht Kasse

Der Börsengang wird federführend von den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley begleitet. Insgesamt werden bis zu 84 Millionen Aktien zu einer festgelegten Preisspanne zwischen 23,50 und 27,50 Euro auf den Markt gebracht. Würde der maximale Preis durchgesetzt, könnten dem Altaktionär Permira bis zu 2,31 Milliarden Euro zufließen.

Sofern alle Aktien inklusive der Mehrzuteilungsoption bei den Anlegern platziert werden, ergäbe sich für Teamviewer ein Firmenwert von bis zu 5,5 Milliarden Euro. Damit dürfte auch im Vorfeld klar sein, wer in jedem Fall zu den Gewinnern zählt. Der Finanzinvestor Permira dürfte sich die Hände reiben. Bei der Übernahme vor fünf Jahren schluckte Permira die Firma noch für eine Bewertung von 870 Millionen Euro.

Teamviewer – Fernwartung für jedermann

Das Geschäftsmodell des Göppinger Technologieunternehmens ist so einfach wie genial: TeamViewer bietet seinen Kunden eine spezielle Fernwartungssoftware, die es ermöglicht, den Bildschirminhalt eines PCs an einen oder mehrere andere Computer weiter zu übertragen. Dieses sogenannte Screen-Sharing kann unter anderem für Videokonferenzen, Dateitransfers oder die Fernwartung wie zum Beispiel die Bekämpfung von Computerviren genutzt werden.

Dabei wird das Teamviewer-Programm von allen großen Betriebssystemen für den PC sowie das Smartphone unterstützt. Dementsprechend können mit der App von TeamViewer auch Mobiltelefone ferngesteuert werden. Während die private und nichtkommerzielle Nutzung kostenfrei verfügbar ist, muss bei kommerzieller Nutzung eine kostenpflichtige Lizenz erworben werden. Damit steht dem Anwender dann auch die gesamte Funktionsvielfalt der Software zur Verfügung.

Teamviewer – längst kein Nischenplayer mehr

Mit seiner Positionierung hat sich die deutsche Softwarefirma längst aus der Nische manövriert. Die Produkte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, was sich auch klar in den Geschäftszahlen ausdrückt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr explodierten die Umsätze regelrecht auf 258 Millionen Euro (+86%).

Seit dem Jahr 2018 hat der schwäbische Konzern die kommerzielle Nutzung der Software auf ein Abo-Modell umgestellt und seinen Fokus verstärkt auf Großkonzerne ausgerichtet. Gegenwärtig wird die Software von TeamViewer auf insgesamt 340 Millionen Endgeräten genutzt, dabei zählen sogar schon rund 80% der größten US-Unternehmen aus dem Fortune 500 zum Kundenstamm der Schwaben. Im ersten Halbjahr 2019 stiegen die Erträge auf 181 Millionen Euro bei einer traumhaften operativen Marge von 50 %.

Softwareschmiede mit satten Wachstumsraten

Auch für die Zukunft zeigt sich die Geschäftsführung des Unternehmens ausgesprochen zuversichtlich. Im laufenden Geschäftsjahr soll das Wachstum bei 37% liegen. Bis 2022 rechnen die Analysten der Bank of America mit Billings (Anm: Billings entsprechen dem Geld, das den Kunden in einer Periode tatsächlich in Rechnung gestellt wird) von rund 700 Millionen Euro. Die Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen soll bis dahin auf 60% steigen. Die Argumentation der Teamviewer-Fans: Aktuell werden erst 4,5% der Kunden über Bezahlabos bedient. Das Potenzial dürfte vor allem vor dem Hintergrund der überschaubaren Kundenakquisitionskosten entsprechend hoch sein.

Malus ist die hohe Verschuldung

Keine Frage: Das Geschäftsmodell ist, ebenso wie die Positionierung des Unternehmens, aussichtsreich. Dennoch ist die Bewertung im Rahmen des Börsengangs kein Schnäppchen. Immerhin handelt die Firma am oberen Ende der Zeichnungsspanne mit dem 13-Fachen 2020er Umsatz und dem etwa 23-Fachen des bereinigten operativen Gewinns (EBITDA). Vor allem die hohe Verschuldung sollten Investoren nicht aus den Augen verlieren. Zuletzt standen Verbindlichkeiten von netto 754 Millionen Euro in den Büchern, was in etwa dem 5-Fachen operativen Ergebnis entspricht. Da dem Konzern im Rahmen des Börsengangs keine Liquidität zufließen wird (Anm: Permira macht Kasse), dürfte es auch eine ganze Weile dauern, bis dieser Schuldenberg abgetragen ist.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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