Teamviewer: Deutsche Softwarefirma schluckt Experten für Datenbrillen

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Teamviewer mit der ersten Übernahme der Firmengeschichte: Die Göppinger Softwarefirma schluckt einen Spezialisten für Datenbrillen. (Foto: II.studio / shutterstock.com)

Die anfängliche Panik der Anleger ist bereits wieder passe. Als der deutsche Softwarekonzern Teamviewer vor wenigen Tagen die erste Übernahme seiner Firmengeschichte meldete, reagierten die Aktionäre verschreckt und sorgten mit ihren Verkäufen für einen deutlichen Rücksetzer. Die Kursdelle ist mittlerweile wieder beinahe ausgebügelt. Offenbar scheinen die Anleger in dem Zukauf von Ubimax, einem Anbieter von Augmented-Reality-Lösungen für die Industrie, nun doch auch Chancen zu sehen.

Teamviewer im Portrait

TeamViewer aus Göppingen ist ein weltweit führender Software-Anbieter von Remote-Konnektivitätslösungen. Über die Konnektivitätsplattform von TeamViewer kann eine Vielzahl an elektronischen Geräten über das Internet der Dinge miteinander vernetzt werden, um die Fernsteuerung, Verwaltung und Interaktion zwischen Personen und Geräten, Personen und Personen oder Geräten und Geräten zu ermöglichen.

Das Unternehmen bietet dadurch Organisationen jeder Größe sichere Fernzugriffs-, Support-, Kontroll- und Kollaborationsfunktionen. Die modulare Architektur von TeamViewer ist cloud-basiert und wurde bereits auf mehr als zwei Milliarden Geräten aktiviert. Das 2005 gegründete Unternehmen unterhält Niederlassungen in Europa, den USA und im asiatisch-pazifischen Raum.

Übernahme soll Position in der Industrie stärken

Mit der Übernahme von Ubimax für 136,5 Millionen Euro will Teamviewer sein Dienstleistungsangebot deutlich ausweiten. Laut der Pressemeldung erweitert der Zukauf Teamviewers Produktportfolio im Großkundensegment deutlich. Der Zielmarkt für das Unternehmen soll sich so bis 2023 um 10 Milliarden auf 40 Milliarden Euro erhöhen.

Die Bremer Firma Ubimax wurde im Jahr 2014 gegründet und programmiert Software für Datenbrillen, mit denen Unternehmen ihre Mitarbeiter etwa bei Wartungsarbeiten an Maschinen unterstützen können. Diese Kompetenz bei erweiterter Realität und Künstlicher Intelligenz will Teamviewer nutzen.

Anleger sehen hohen Preis kritisch

So interessant der neue Geschäftsbereich auch sein mag, die Anleger haben zu Beginn den hohen Preis bemängelt. In der Übernahmemitteilung beziffert das Unternehmen die Summe, die Ubimax seinen Kunden in den vergangenen zwölf Monaten in Rechnung gestellt hat, auf gerade einmal 9,1 Millionen Euro. Damit zahlt Teamviewer das 15-Fache dieser sogenannten Billings. Von dem Kaufpreis sollen 85,8 Millionen Euro in bar fließen und der Rest über die Ausgabe neuer Aktien finanziert werden.

Die Ubimax-Gründer sollen noch mindestens drei Jahre am Unternehmen beteiligt bleiben, da sie auch über Aktien bezahlt werden.

Fielmann und Finanzinvestor profitieren

Zu den großen Profiteuren des Unternehmensverkaufs gehören die Optikerkette Fielmann und der Finanzinvestor Atlantic Bridge Capital. Fielman war mit seinem Beteiligungsvehikel Fielman Ventures erst vor vier Monaten bei Ubimax eingestiegen. Jetzt wurde der 10%-Anteil mit einem Aufpreis von 70% an Teamviewer weitergereicht. Der US-Finanzinvestor Atlantic Bridge war bereits seit 2016 beteiligt und hielt einen 15%-Anteil. Die restlichen 75% der Aktien verteilten sich auf die drei Ubimax-Firmengründer.

Corona-Boom lässt nach

Bei Teamviewer selbst ließ zuletzt die Pandemie bedingte Wachstumsdynamik wieder etwas nach. Die in Rechnung gestellten Umsätze (Billings) kletterten im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 45% auf 105,9 Millionen Euro. Im ersten Quartal hatte das auf Videokonferenzen und Fernwartungssoftware spezialisierte Unternehmen noch ein Plus von 75% aufzuweisen, weil viele Unternehmen ihre Mitarbeiter in der Pandemie ins Homeoffice geschickt hatten.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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