TecDAX: Was machen eigentlich die DAX-Brüder?

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Die langfristigen Perspektiven für den DAX sind wenig erquicklich. Wir schauen auf den Rest der DAX-Familie. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Im heutigen letzten Teil unserer Serie über die charttechnischen Perspektiven der DAX-Familie werden wir den TecDAX auf den Prüfstand stellen.

Die bisherigen Erkenntnisse waren wenig erfreulich: Sowohl der DAX, als auch SDAX und MDAX haben seit Anfang Oktober wichtige langfristige Aufwärtstrends nach unten durchbrochen.

Die daraus resultierenden Abwärtspotenziale sind durchaus heftig: Für den DAX ist ein Rückschlag von bis zu -23% möglich. Der SDAX kann zwischen -25% und -33% fallen. Beim MDAX ist sogar eine Halbierung vom aktuellen Niveau aus „drin“.

Schauen wir also auf den TecDAX.

Die TecDAX-Historie

Der TecDAX hat die wohl im wahrsten Wortsinn „bewegteste“ Geschichte: Der jüngste Spross der DAX-Index-Familie ersetzte nämlich im Jahr 2003 den aus diversen Gründen bei den Anlegern in Ungnade gefallenen NEMAX 50.

Der NEMAX 50 bildete die bedeutendsten Werte des 1997 begründeten Segments „Neuer Markt“ ab. Die Plattform zur schnelleren Kapitalbeschaffung für junge innovative Unternehmen nahm einen schnellen und steilen Aufstieg:

Innerhalb von 3 Jahren wuchs die Zahl der hier gelisteten Aktiengesellschaften explosionsartig auf mehr als 300. Zunächst wurde der NEMAX (Neuer Markt Index) eingeführt – 1999 erfolgte dann die Beschränkung auf die 50 nach Marktkapitalisierung und Börsenumsätzen größten Werte. Die restlichen Neuer Markt-Titel fanden sich im NEMAX All Share wieder.

Das gewaltige Wachstum des Segments verhalf dem NEMAX 50 zu einem märchenhaften Anstieg von 1.000 Punkten (zurückgerechnete Index-Basis) auf bis zu 9.666 Zähler im März 2000.

Das Platzen der Dot.com-Blase führte dann zu einem fast ebenso rasanten Massensterben im Neuen Markt und sorgte für einen entsprechenden Verfall des NEMAX 50. Im Juni 2003 wurde das Segment komplett geschlossen und der Index durch den TecDAX mit 30 Mitgliedern ersetzt.

Diese Maßnahmen wurden ergriffen, nachdem der (zurückgerechnete) TecDAX von 9.694,07 im März 2000 auf 306,32 Zähler im Oktober 2002 abgestürzt war.

Die Langfrist-Chart

Der nachfolgende Chart zeigt Ihnen Fall und Wiederauferstehung des deutschen Technologie-Aktien-Sektors seit 1999:

TecDAX: Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 ist noch intakt

Die erste Erkenntnis für den TecDAX ist – im Vergleich zu seinen Brüdern – erstaunlich: Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 (grüne Linie) ist intakt!

Ja, sogar der im Jahr 2014 gestartete Aufwärtstrend (blaue Linie) ist bis dato nicht nach unten durchbrochen worden. Aber – ein großes Aber:

Die Entwicklung des 14-Monats-Relative Stärke Index (RSI) lässt erwarten, dass uns genau das für den TecDAX ebenfalls ins Haus steht: Der Trendintensitäts-Indikator hat im Oktober dieses Jahres den Aufwärtstrend aus 2009 klar nach unten durchschlagen!

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Dieser Technologietitel ist (noch) ein GeheimtippDas österreichische Technologieunternehmen S&T wächst kräftig. Der TecDAX-Kandidat bewegt sich in einem stetigen Aufwärtstrend. › mehr lesen

Wie schon im MDAX gestern gesehen, findet sich auch im TecDAX eine Divergenz (Abweichung), welche sehr frühzeitig eine Trendumkehr ankündigte. Wie gesagt:

Divergenzen sprechen nur Warnungen aus – sie erlauben (leider) keine zeitliche Prognose, wann die Kehrtwende erfolgen könnte.

TecDAX: Wahrscheinliche Kursziele

Im TecDAX bieten sich 3 mögliche Szenarien an:

Die Variante mit dem geringsten Schaden wäre sicherlich ein Rücksetzer auf den langfristigen Aufwärtstrend aus 2009. Das würde einem Index-Verlust von 400 bis 500 Punkten (also bis zu -20%) entsprechen, abhängig von der Dynamik der Abwärtsbewegung.

Die beiden weiteren Szenarien würden ein Abbremsen des Index auf Unterstützungs-Niveaus von entweder 1.900 oder 1.050 / 1.100 Punkten bedeuten (Horizontalen im Chart).

Wie sehen die Großinvestoren den TecDAX?

Auch beim TecDAX schauen wir noch auf den Tages-Chart. Eingeblendet habe ich Ihnen zusätzlich wieder das On-Balance-Volumen (OBV), das Ihnen Aufschluss über das Verhalten der Großinvestoren liefert:

TecDAX: Großinvestoren steigen seit September 2018 aus

Sie sehen es selbst: Die Großinvestoren ziehen sich seit der letzten Septemberwoche 2018 aus den deutschen Technologie-Aktien zurück.

Hier kam das Verkaufssignal des OBV übrigens noch vor dem Trendbruch im Index selbst!

Fazit

Charttechnisch macht der TecDAX – zumindest auf den ersten Blick – den besten Eindruck in der DAX-Familie: Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 ist intakt – noch.

Denn der Relative Stärke Index wird seiner Eigenschaft als Frühwarn-Indikator in diesem Falle gerecht: Der RSI hat seinen eigenen Aufwärtstrend aus demselben Jahr im Oktober 2018 nach unten durchschlagen.

Auch hier droht eine Abwärtsbewegung, deren Potenzial von -20% bis -58% im Extremfall reicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Perspektiven für die Mitglieder der DAX-Familie sind alles andere als erfreulich. Falls Sie das nicht wahrhaben mögen:

In diesem Zusammenhang sei nur daran erinnert, dass sich die deutschen Aktien vom Trend der Wall Street bereits seit Juni dieses Jahres abgekoppelt haben. Die Einschätzung für den deutschen Aktienmarkt ist also nicht zwangsläufig auf US-Aktien übertragbar.

Schließlich sind die Perspektiven für amerikanische Unternehmen klar besser, als hierzulande. Nehmen Sie nun noch die politische Dimension hinzu – um nur Regierungsprobleme oder die Verschuldungsproblematik der EU zu nennen – dann bekommen die charttechnischen Prognosen ein durchaus realistisches Gesicht.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.