Technologieaktien in den USA: Große Gewinner der Krise

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Wenn wir uns den NASDAQ anschauen, sehen wir, wie beeindruckend schnell das 62er Retracement des Crashs erreicht wurde. Fast alle Kurslücken wurden geschlossen. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Crash? Welcher Crash? Als Inhaber von Technologieaktien haben Sie vermutlich die aktuelle Lage bereits gut überstanden. Klar, es ging einmal spontan nach unten, aber die Kurse bei den besten Aktien sind schon wieder in der Nähe der Allzeithochs.

NASDAQ 100 Chartanalyse

Wenn wir uns den NASDAQ anschauen, sehen wir, wie beeindruckend schnell das 62er Retracement des Crashs erreicht wurde. Kurslücken wurden geschlossen und alles ist im grünen Bereich.

Welche Titel besonders stark waren, dazu komme ich gleich noch. Denn ganz so rosig wirkt der Chart jetzt doch wieder nicht. Ja, wir stehen über der 8.565 Punktemarke, also dem 62er Retracement. Das ist eindeutig bullisch zu bewerten. Doch so ganz aus dem Schneider sind wir offenbar noch nicht. Der NASDAQ kämpft mit der Linie seit mehreren Tagen. Auch heute haben wir intraday wieder darunter notiert. Ein Wochenschlusskurs darüber wäre ein wichtiges Zeichen für die Anleger.

Sollten wir in den kommenden Tagen aber unter die genannten Marke fallen, sind auch schnell wieder Kurse um 8.200 oder sogar unter 8.000 Punkten möglich. Das 50er Retracement bei rund 8.200 Punkten stellte in der Bärenmarktrallye kein großes Hindernis dar. Das 38er Retracement war hier schon wichtiger. Im Bereich um7.800 Punkten prallten die Kurse sogar einmal wieder zurück und die Käufer mussten einen neuen Anlauf starten. Insofern wäre diese Zone auch ein mögliches Ziel, falls wir nachhaltig unter 8.565 Punkten bleiben.

Die besten US-Techaktien in der Corona-Krise

Betrachten wir nur einmal, wie die vergangenen 30 Tage liefen, so führt Tesla mit einem Plus von fast 70 Prozent das Feld klar an. Es ist schier unglaublich, wie dieser Wert bei den Anlegern gefeiert wird. Neue Technologien braucht das Land und genau darauf wird gesetzt. Alles was sich auf „disruptiv“ reimt, wird nahezu blind gekauft.

Doch nur weil alte Geschäftsmodelle mit diesem disruptiven Ansatz zerstört werden, sind sie dann auch gleich besser, nachhaltig und langfristig erfolgreich? Tesla kann es beweisen und hat das auch schon in der Vergangenheit. Spannend wird allerdings, ob ein am Boden liegender Ölpreis die E-Mobilität einbremsen kann. Oder machen wir jetzt einfach Nägel mit Köpfen und finden noch ein paar Milliarden Euro, die das Projekt Null CO2-Ausstoß auf den Weg bringen?

Neben Tesla konnte auch eBay ordentlich zulegen: Plus 45 Prozent stehen hier auf Sicht der vergangenen 30 Tage. Starbucks hat trotz Ausgangssperre 37 Prozent zulegen können, PayPal 35 Prozent und Microsoft knapp 28 Prozent.

Natürlich bleiben die Pharmakonzerne auch nicht außen vor. Regeneron Pharmaceuticals konnte auf Sicht von drei Monaten um 56 Prozent steigen und schlägt damit in diesem Jahr alle anderen Werte im NASDAQ 100. Auf Platz 2 liegt Incyte – ein Kollege aus der Pharmaindustrie mit Plus 29 Prozent.

Geht der Trend jetzt weiter?Oftmals haben die Aktienmärkte einen Boden ausbildet, wenn die Arbeitslosenzahlen in einer Krise ihren Höhepunkt erreicht hatten. Denn dann ist die Ungewissheit vom Tisch und es kann vernünftig geplant werden. Es wirkt irrational, aber der größte Feind der Börse sind mangelnde Informationen. Jetzt ist klar, dass die USA in der Spitze pro Woche 6 Millionen neue Arbeitslose melden werden. Die Summe steigt zwar, aber die Intensität nimmt ab. Damit kann man planen. Insofern steigen die Märkte auch schon seit mehreren Wochen und natürlich auch dank der FED.

Entscheidend wird jetzt sein, wie die Aktien im Höhenflug sich weiterentwickeln. Fließt dort noch mehr Geld hinein oder ziehen die Anleger ihre Gewinne ab? Sollte hier ein Dominostein fallen, kann es schnell zur nächsten Abwärtsstrecke kommen. Und wenn sogar die Techwerte wackeln, kippt der ganze Markt.

Jetzt kommt die Lockerung der Ausgangssperre mit gleichzeitiger Maskenpflicht. Vorhin beim Einkaufen waren etwa 80 Prozent der Kunden schon mit Maske unterwegs. Ich habe ehrlich gesagt noch keine gekauft. Dank Homeoffice seit mehreren Jahren hat sich für mich sowieso nicht viel geändert. Von mir aus darf sich das Thema Corona auch langsam verflüchtigen. Aber natürlich gibt es jetzt auch die Stimmen, die vor einer zweiten Welle der Infektionen warnen, weil wir jetzt die Häuser verlassen dürfen.

Letztlich weiß keiner, wie es mit Corona weitergeht und welches die Musterlösung ist. Genauso wie niemand weiß, wie die nächste Kerze im Chart aussieht. Wir können immer nur mit Wahrscheinlichkeiten spielen: Was ist in den meisten Fällen das beste Ergebnis?

Bei Corona gehen die Meinungen inzwischen genauso auseinander, wie an der Börse. Käufer trifft auf Verkäufer. Der eine glaubt, Corona ist ungefährlich und er hätte lieber seine Grundrechte wieder. Der andere geht schon seit Wochen nur noch mit Handschuhen und Masken einkaufen. Die Zukunft wird uns zeigen, wer Recht hat – genauso wie die nächste Kerze im Chart. Genießen Sie das letzte Wochenende ohne Maskenpflicht!

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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