Tele Columbus übernimmt Pepcom

Nach sehr hoher Übernahme-Aktivität im Frühjahr dieses Jahres ist es im westeuropäischen Telekomsektor zuletzt ruhiger gewesen.

Für Schlagzeilen sorgte in der Vorwoche der geplatzte Zusammenschuss des Dänemark-Geschäfts zwischen der norwegischen Telenor und der schwedischen TeliaSonera.

Plan war ein gleichberechtigtes Joint Venture zu gründen, was von den europäischen Wettbewerbsbehörden allerdings untersagt wurde. Die EU-Kommission will zwar grundsätzlich eine europaweite Konsolidierung, achtet jedoch auch darauf, dass auf den Weg zu europäischen Anbietern nicht nationaler Wettbewerb zu stark eingeschränkt wird.

Langfristig wird es allerdings sicherlich eine weitere Branchenkonsolidierung geben. In Europa gibt es derzeit fast 40 Mobilfunk-Anbieter – in den USA sind es gerade einmal 4.

Tele Columbus nutzt Übernahme-Chancen

Auf den deutschen Markt ist die Konsolidierung im Mobilfunk-Bereich abgeschlossen. Drei Großkonzerne sind geblieben: O2 Deutschland, Vodafone und Deutsche Telekom.

Im Kabelsektor ist unter den großen auch die Konsolidierung abgeschlossen. Nach dem Vodafone-/Kabel Deutschland-Deal sind die 3 großen verbliebenen Konzerne: Vodafone, Unity Media (Kabel BW) und Tele Columbus.

Während es für Vodafone und Unity Media schwierig sein dürfte nennenswerte Zukäufe an den Wettbewerbsbehörden vorbei zu bekommen, kann Tele Columbus noch mit Übernahmen wachsen. Und das machen die Berliner.

Kapitalerhöhung für mehr Deals

Tele Columbus gab im Juli die Übernahme von PrimaCom für 711 Mio. Euro bekannt. Der Zusammenschluss der beiden größten mittelständischen Netzbetreiber wurde als richtiger strategischer Schritt erachtet, um die Position als Nummer 3 in der Branche zu zementieren und die Wettbewerbsposition zu stärken.

Im Zuge der Übernahme kündigte Tele Columbus eine Kapitalerhöhung an. Das SDAX-Unternehmen wollte 240 Mio. Euro einsammeln, um die Einkaufstour fortzusetzen.

Aktionäre verhalten optimistisch

Wozu das Geld gebraucht wird, offenbarte Tele Columbus gestern. Für 608 Mio. Euro (inkl. Schulden) übernehmen die Berliner den Konkurrenten PepCom. Der Schritt wurde von Analysten als nächster logischer, positiver Schritt erachtet.

Die Investoren waren gestern noch nicht ganz so überzeugt. Zwar kann sich das Tele Columbus-Papier dem schwachen Markttrend wiedersetzen, für ein Plus reicht es zum Handelsschluss jedoch nicht.

Das liegt daran, dass der Deal nicht nur positiv gewertet werden kann. Auf der einen Seite ist der gezahlte Preis zwar vergleichsweise günstig, doch wird die Übernahme mit Schulden finanziert – und die Verschuldung ist nach Übernahmen im Umfang von 1,3 Mrd. Euro für das SDAX-Unternehmen nicht gerade gering.

Internationale Telekom-Konzerne könnten über Tele Columbus in den deutschen Markt einsteigen

Tele Columbus war lange Zeit selbst Übernahme-Kandidat. Eine Übernahme durch Kabel Deutschland im Jahr 2012 wurde allerdings von den Wettbewerbsbehörden untersagt.

Inzwischen gehen nur noch vereinzelt Analysten davon aus, dass es einen zweiten Anlauf für eine Übernahme durch Kabel Deutschland oder einen Vorstoß von Kabel BW geben könnte. Nach den jüngsten Zukäufen ist eine Übernahme durch einen größeren nationalen Wettbewerber aus Sicht des Übernahme-Sensors nicht zu erwarten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Tele Columbus auf europäischer Ebene kein Übernahme-Kandidat ist. Ein Einstieg über Tele Columbus in den deutschen Kabel-Markt ist sicherlich für verschiedene Telekom-Größen denkbar – zumal die Aktionärsstruktur aus Sicht des Übernahme-Sensors „Deal-affin“ ist (keine Kaufempfehlung).

15. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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