Telekom Austria: Yesss!-Übernahme genehmigt – aber noch nicht sicher

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Die 390 Mio. Euro schwere Übernahme der Mobilfunk-Diskontmarke Yesss! aus dem Orange-Besitz, wurde ohne Auflagen vom österreichischen Kartellgericht genehmigt. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Der führende österreichische Telekommunikationsanbieter Telekom Austria kann dieser Tage einen (Teil-)Erfolg vermelden.

Die 390 Mio. Euro schwere Übernahme der Mobilfunk-Diskontmarke Yesss! aus dem Orange-Besitz, wurde ohne Auflagen vom österreichischen Kartellgericht genehmigt.

Die Genehmigung ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Noch immer kann die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), die eine vierwöchige Einspruchsfrist besitzt, den Deal durchkreuzen.

Selbst wenn die BWB keine Einwände haben sollte, bleibt die Übernahme vorerst in der Schwebe. Denn die Deal-Genehmigung hängt auch von einer anderen Übernahme ab.

Hutchison und Telekom Austria: Wenn Übernahme – dann nur im Doppelpack

Der österreichische Mobilfunkmarkt wird von wenigen großen Anbietern kontrolliert. Von Beginn an gab es Vorbehalte gegen die Yesss!-Übernahme durch die Telekom Austria.

Das Unternehmen hat im Diskont-Segment bereits den Anbieter Bob und wenn der einzige nennenswerte Konkurrent Yesss! verschwindet, ist die Marktkonzentration noch größer.

Daher ist es gut möglich, dass die BWB sich über das Urteil hinwegsetzt und den Deal untersagt.

Mit großer Aufmerksamkeit wird Telekom-Konkurrent Hutchison das Verfahren beobachtet haben. Denn das Unternehmen will Orange, die Nummer 3 im österreichischen Mobilfunkmarkt, für 900 Mio. Euro übernehmen.

Seit einem Jahr wird mit der europäischen Wettbewerbskommission gestritten, ob der Deal den Wettbewerb zum Nachteil der Kunden verzehrt.

Jetzt, nachdem das nationale Kartellgericht den Telekom-Deal genehmigt hat, steigen die Chancen, dass die für den 21. Dezember angekündigte Entscheidung zu Gunsten Hutchisons ausfallen wird.

Hinter den Kulissen wird bereits davon gesprochen, dass beide Deals planmäßig über die Bühne gehen.

Übernahme würde Telekom Austria stärken

Für die Telekom Austria ist die Yesss!-Übernahme zu begrüßen. Es ist offensichtlich, dass die Telekom im Diskont-Bereich die Marktstellung stärkt und das dürfte sich positiv auf die Geschäfte auswirken.

Nach einer Reihe von Rückschlägen könnte eine Erfolgsmeldung den seit langem unter Druck stehenden Aktienkurs stützen.

Eine echte Trendwende bedeutet der Deal jedoch nicht. Dafür muss sich erst noch die Geschäftsentwicklung in den anderen Bereichen bessern.

Aktienkurs trotz diverser Übernahme-Gerüchte auf Talfahrt

Die Telekom Austria wird immer wieder auch selbst als Übernahme-Kandidat gehandelt. Der Übernahme-Sensor hat seine Leser jedoch wiederholt vor den operativen Risiken einer Übernahme-Spekulation gewarnt – zuletzt am 8.Oktober 2012.

Wer sich den Einstieg erspart hat, kann zufrieden sein. Die Aktie hat weiter stark abgeben. Wer schon auf frühere Warnungen aus dem Vorjahr reagiert hat, konnte etwa 40% Verlust vermeiden.

Kursabsturz bedeutet nicht, dass es nicht noch tiefer gehen kann

Selbst nach dem herben Kursabsturz sollten Investoren vorsichtig sein. Mittlerweile ist die Chance auf eine Erholung des Aktienkurses zwar gestiegen, doch es bleiben mehrere Unwägbarkeiten.

Es stellt sich die Frage ob sich Anleger dem aussetzen sollten, oder ob es nicht besser ist, auf Ergebnisse zu warten, die zeigen, dass die Geschäfte nachhaltig besser laufen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das kommende Geschäftsjahr noch sehr schwierig werden.

Anleger müssen nicht bei jedem potenziellen Deal dabei sein, um mit einer Übernahme-Strategie erfolgreich zu sein.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.