Telekom Italia liefert sich Bieterkampf mit Telefonica

EU flags waving in front of European Parliament building. Brussels, Belgium

Um die brasilianische Vivendi-Mobilfunktochter GVT ist ein Bieterkampf entbrannt. Telekom Italia und Telefonica wollen ihre Marktpräsenz erhöhen.

Der französische Medienkonzern Vivendi ist aktuell dabei sein Portfolio neu auszurichten. Dazu verkauft Vivendi verschiedene Beteiligungen aus dem Mobilfunkbereich. Im ersten Quartal konnten die Franzosen bereits einen Anteil am französischen Mobilfunk-Unternehmen SFR für gutes Geld verkaufen.

Dank eines Bieterkampfes zwischen Numericable und Bouygues konnte Vivendi einen zweistelligen Milliardenbetrag erzielen. Jetzt ist erneut ein zweistelliger Milliardenbetrag möglich.

Denn Vivendi will die Südamerika-Tochter Global Village Telekom (GVT) versilbern und erneut liefern sich zwei Interessenten einen heißen Bieterkampf.

Beide Unternehmen kennen Wichtigkeit des Brasilien-Geschäfts

Im Ring stehen Telekom Italia und die spanische Telefonica. Den ersten Schritt ging Telefonica. Anfang August kündigte der Mobilfunkkonzern eine 8,9 Mrd. $ schwere Offerte an.

Dies rief die Italiener auf den Plan, die eine höhere Gegenofferte in Aussicht stellten. Heute Morgen war es dann soweit: Telekom Italia bot 9,2 Mrd. $ für die Vividendi-Tochter. Das Unternehmen kündigte an, GVT mit dem eigenen Südamerika-Geschäft, TIM Brazil, verschmelzen zu wollen.

Beide Unternehmen sind tief im brasilianischen Markt verankert. Telefonica hat 95 Mio. Kunden in Brasilien und Telekom Italia 73,5 Mio. Der Markt gilt für die europäischen Telekom-Unternehmen als sehr guter Wachstumstreiber, da in den hart umkämpften Heimatmärkten die Margen unter Druck stehen.

Telefonica reagiert auf Gegenofferte prompt: Aufstockung auf 9,8 Mrd. $

Es dauerte nicht lange, da reagierte Telefonica auf die höhere Gegenofferte. Das ursprüngliche Angebot wurde um 900 Mio. auf 9,8 Mrd. $ aufgestockt. Finanziell betrachtet hat Telefonica damit wieder die Nase vorn und der Spielball liegt bei Telekom Italia.

Wie Sie aus früheren Berichten wissen, ist die finanziell überlegene Offerte jedoch nicht immer der Sieger eines Bieterkampfes. Wenn zum Beispiel der Übernahme-Kandidat (oder der Verkäufer) bedenken hat, dass der Deal an den Wettbewerbsbehörden vorbei kommt, dann kann auch eine unterlegene Offerte gewinnen.

In diesem Fall könnte die Wettbewerbsbehörde für Telefonica ein Problem werden. Denn das Unternehmen ist über eine Holding-Gesellschaft auch an Telekom Italia beteiligt und könnte einem zusätzlichen Kauf von GVT nur unter Auflagen freigeben, die den Wert mindern.

Um Bedenken auszuräumen, will Telefonica daher die Beteiligung an Telekom Italia reduzieren.

Eine weitere Krux ist der zweitgrößte brasilianische Telekom-Konzern OI. Dieser kündigte gestern an, Investmentbanken mit der Prüfung beauftragt zu haben, ob der Kauf der Telekom Italia-Tochter TIM sinnvoll wäre. Wenn der Preis stimmt und Telekom Italia die Tochter verkauft, dürfte das Interesse an GVT verflogen sein.

Vorentscheidung in den kommenden Stunden?

An der Börse reagierten die Aktienkurse der beteiligten Unternehmen auf die jüngsten Entwicklungen leicht positiv. Zwar liegen derzeit alle Aktien im Minus, doch können sie sich ein Stück weit dem sehr schwachen Gesamtmarkt entziehen.

Gut möglich, dass es morgen zu größeren Schwankungen kommt. Denn die verbesserte Telefonica-Offerte ist nur bis Morgen gültig. Wenn Vivendi annehmen will, dann bleiben nur noch wenige Stunden.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.