Telekommunikationsbranche: AT&T auf Übernahme-Jagd in Europa

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In der nordamerikanischen Marktregion sorgten im vergangenen Jahr mehrere Übernahmen im Telekommunikationssektor für Furore. (Foto: Sasin Paraksa / shutterstock.com)

In der nordamerikanischen Marktregion sorgten im vergangenen Jahr mehrere Übernahmen im Telekommunikationssektor für Furore.

Softbank übernahm für einen zweistelligen Milliardenbetrag die Kontrolle des drittgrößten Anbieters Sprint Nextel.

Die Deutsche Telekom kam bei Metro PLC zum Zug und um die kleinere Clearwire bemühten sich gleich zwei Bieter.

Lange Zeit wurde eine Marktbereinigung erwartet und 2012 kam die Übernahme-Welle. Es ist anzunehmen, dass auch 2013 im nordamerikanischen Telekommunikationssektor weitere Übernahmen folgen.

Nach dem geplatzten Deal mit T-Mobile USA: AT&T sucht Wachstums-Alternativen

Die amerikanischen Unternehmen stehen unter Druck.

Ein harter Kampf um Marktanteile ist entbrannt und die Top 4 (AT&T, Verizon, T-Mobile USA, Sprint) reagieren mit Übernahmen von kleinen Funklizenz-Inhabern und günstigen Angeboten.

Das sind Verteidigungs-Maßnahmen, um die Position zu festigen – geht jedoch auch auf die Marge. Großes Wachstumspotenzial bietet sich aufgrund der hohen Marktkonzentration nicht mehr.

Also schauen die Unternehmen nach Alternativen. AT&T, 2011 an der Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobile USA gescheitert, ist dem Wallstreet Journal zufolge aktiv auf der Suche nach europäischen Übernahme-Kandidaten.

Europäische Telekom-Unternehmen: Kein Geld für den Netzausbau

Die Marktbereinigung in den USA ist (fast) vollzogen und dem europäischen Telekommunikationsmarkt steht eine Übernahme-Welle noch aus.

Denn auf dem „alten Kontinent“ ist die Konzentration längst nicht so groß wie in Nordamerika, bietet Wachstumsspielraum und die Chance auf höhere Margen.

Zudem sind viele Anbieter hoch verschuldet und günstig zu haben.

Eine Reihe von Telekommunikationsanbietern hat bereits die Dividendenzahlungen stark reduziert, um Geld für den Ausbau des Netzes mit der neuen LTE-Technologie zu haben. Die Kurse brachen ein.

Das könnte eine Chance für die finanzstarken US-Amerikaner sein, die sich mit einem schnellen Aufbau eines LTE-Netzes von den Konkurrenten abheben würden und höhere Preise verlangen könnten.

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KPN wird als heißer Kandidat gefeiert: Doch will Slim verkaufen?

Unternehmensinsider berichten, dass AT&T den deutschen, niederländischen und britischen Markt im Visier haben.

Auch die ersten Namen sind schon gefallen: Die britische Everything Everywhere (EE)und die niederländische KPN.

Bei der niederländischen KPN ist jedoch bereits der mexikanische Telekom-Mogul Carlos Slim mit über 25% beteiligt, der nach Ansicht des Übernahme-Sensors seine Anteile derzeit nicht verkaufen würde.

Er bezeichnet sich als Langfrist-Investor und hat vielleicht sogar selbst Interesse an einer Übernahme der Niederländer.

Wahrscheinlicher ist, dass AT&T einen Unternehmensteil von KPN abkauft, wie etwa die deutsche Tochter E-Plus.

Everything Everywhere: Eigentümer signalisieren Verhandlungsbereitschaft

Ein heißerer Kandidat als KPN dürfte daher Everything Everywhere sein. Das Unternehmen, ist ein Joint-Venture von France Telekom und Deutscher Telekom.

Medienberichten zufolge sollen die beiden Eigner bereit sein, einen Teil zu verkaufen – jedoch nicht das ganze Unternehmen.

Dies hört sich schon ein wenig nach Verhandlungsbereitschaft an.

Natürlich wollen France Telekom und Deutsche Telekom in einem so frühen Stadium nicht direkt zeigen, dass sie verkaufen wollen – doch wenn der Preis stimmt, könnte AT&T bei EE zum Zug kommen. Die Eigner könnten das Geld gut gebrauchen.

Greift AT&T zu, kann die Branchenkonsolidierung beginnen

Die Übernahme-Pläne von AT&T sind noch in der Planungsphase. Es wäre keine große Überraschung wenn letztendlich keiner der beiden genannten Unternehmen das Ziel ist, oder dass AT&T von dem Plan komplett Abstand nimmt.

Eine Expansion nach Europa ist immerhin mit großen Risiken verbunden und bietet kaum Kosteneinsparungspotenzial.

Sollte AT&T jedoch zugreifen, kann schnell eine deutlichere Marktbereinigung stattfinden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auf Vorstöße von einem Konkurrenten schnell ebenfalls mit Übernahmen reagiert wird.

Gut möglich, dass die AT&T-Pläne der Auftakt einer Übernahme-Welle sind.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.