Telenor und DNA: Die Karten auf dem skandinavischen Telekommunikationsmarkt werden nach Milliardendeal neu gemischt

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Telenor schluckt Rivalen DNA für 1,5 Milliarden Euro und setzt mit der Übernahme auf den finnischen Telekommunikationsmarkt (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Das Übernahmekarussell dreht sich munter weit und macht auch vor dem skandinavischen Markt nicht halt. Gestern hat der norwegische Telekommunikationsriese Telenor einen milliardenschweren Zukauf bekanntgegeben. Der Konzern will mit DNA die Nummer drei im finnischen Telekommunikationsmarkt schlucken und damit seine Marktposition massiv ausbauen.

Die Reaktion der Anleger fiel eindeutig aus. Die Aktie des Objekts der Begierde zog direkt auf 20,90 Euro an und kletterte damit auf das Niveau der Übernahmeofferte. Die Papiere von Telenor verzeichneten hingegen leichte Kursverluste.

Telenor im Portrait

Mit mehr als 150 Millionen Mobilfunkverträgen ist Telenor einer der weltweit größten Mobilfunkanbieter. Die Gesellschaft operiert in zwölf Märkten sowie über die Beteiligungsgesellschaft VimpelCom Ltd. zusätzlich in 17 weiteren Märkten. Der Konzern verfügt über eine starke Präsenz in Mittel- und Osteuropa sowie Asien und eine führende Position in den nordischen Mobil-, Breitband- und TV-Märkten.

Zum Portfolio gehören unter anderem Telekommunikations-, Daten und Mediaservices. In Schweden, Dänemark und Norwegen sind zudem Festnetztelefonie sowie Breitbandinternetverbindungen, TV- und Satellitenrundfunk verfügbar.

Telenor schielt auf Wachstumschancen in Finnland

Jetzt will Telenor den finnischen Wettbewerber DNA schlucken und damit die Position in dem attraktiven Wachstumsmarkt in Finnland entscheidend stärken. Laut dem Teleonor-Firmenboss Sigve Brekke zählt der finnische Mobilfunkmarkt zu den am schnellsten wachsenden Mobilfunkmärkten in Europa. Neben dem erheblichen Wachstum in den letzten drei Jahren haben die finnischen Verbraucher zugleich die größte Datennachfrage in der gesamten Region.

Nach Angaben der OECD beträgt das durchschnittliche finnische Mobilfunkdatenabonnement massive 15 GB pro Monat, was beispielsweise Großbritannien und Frankreich, wo der durchschnittliche Vertrag 2,6 und 3,6 GB pro Monat beträgt, deutlich in den Schatten stellt.

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Zwei Altaktionäre geben ab

Jetzt will Telenor mit 54% die Mehrheit finnischen Telekommunikationsnetzbetreiber DNA übernehmen. Als Kaufpreis zahlt der Carrier 20,9 Euro je Aktie in bar oder insgesamt 1,5 Mrd. Euro (14,4 Mrd. Norwegische Kronen). Verkäufer der DNA-Anteile sind die beiden Großaktionäre Finda Telecoms Oy und PHP Holding Oy, die 28,3 bzw. 25,8% der Aktien besitzen.

DNA – die Nummer Drei

Durch die Übernahme erhält Telenor eine starke Position im Bereich Festnetz und Mobilfunk in Finnland. DNA ist der drittgrößte Mobilfunkbetreiber in Finnland, der zweitgrößte Festnetzanbieter und die Nummer eins im Kabelfernsehmarkt. Zuletzt kam die Firma auf einen Marktanteil in Finnland von 28%. Damit liegt DNA hinter Telia (28%) und Elisa (39%).

Im vergangenen Geschäftsjahr ging bei DNA ein Jahresumsatz von 911,8 Millionen Euro durch die Bücher. Unter dem Strich blieb dabei ein Gewinn von 102,2 Millionen Euro hängen, was einer Gewinnspanne von 11,21% entspricht.

Wachstum und Synergien

Der Schritt nach Finnland passt zur Strategie des Unternehmens. Telenor will sich von Randgeschäften trennen und auf Zukunftsmärkte fokussieren. Neben zusätzlichem Wachstum soll der Deal aber auch Kostensynergien bringen. Einschließlich Einsparungen bei den Roaming-Gebühren sollen jährlich 200 Millionen Norwegischen Kronen (rd. 20,8 Mio. Euro) an Kosten gespart werden.

Closing im dritten Quartal erwartet

Finanziert werden soll die Transaktion übrigens aus bestehenden Barreserven und Kreditlinien. Damit dürfte allerdings die Verschuldung stark ansteigen. Medienberichten zufolge wird sich die Verschuldung auf das 1,3-Fache des operativen Ergebnisses (EBITDA) erhöhen. Für Sie zum Vergleich: Aktuell liegt der Faktor bei 0,4. Sollten die Behörden und Aktionäre zustimmen, dann dürfte der Deal im dritten Quartal des laufenden Jahres über die Bühne gehen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.