Tepco Aktie: Zocker spielen mit dem Leid von Menschen

Die Tepco-Aktie hat nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima deutlich zugelegt. Die Zocker spielen mit dem Leid der Menschen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Gestern konnten Sie lesen, dass der Kurs der Tepco-Aktien des Energiekonzerns Tepco, Betreiber des Katastrophen-Kernkraftwerks in Fukushima, deutlich im Kurs zugelegt hat.

Hintergrund der Bericht in einer Zeitung, dass die Belastungen auf Grund der Atommeiler-Katastrophe auf 24 Milliarden US-Dollar begrenzt würden.

Tepco Aktie: Einordnung der Gewinne

Bevor ich zu meiner Einschätzung dieser Kursgewinne komme, kurz eine Einordnung. Die auch in Deutschland gehandelte Tepco-Aktie notierte Ende 2009 noch über 26€. Vor der Katastrophe in Japan stand sie immerhin noch bei 18,50€.

Danach stürzte sie ab auf unter 3,00€ und verbuchte gestern den Kurssprung aufcirca 4,25€, entsprechend +13%. Das hat also nichts mit Investition zu tun, sondern ist Zockerei.

Tepco Aktie: Atom-GAU auf maximal hoch gestuft

Gleichzeitig mit diesem Kursgewinn der Tepco-Aktie wurde der Atom-Unfall auf die maximale Stufe 7 der Skala, also auf einen Super-GAU, hoch gestuft.

Natürlich ist das nur ein Sprachgebrauch von Betreibern des Werkes und Politkern, die endlich zugeben, was man lange vermutete.

Und doch hat diese Aussage tragische Bedeutung für die betroffenen Menschen. Es wird endgültig klar, dass dieser Unfall noch Jahrzehnte lang dramatische gesundheitliche bis lebensbedrohliche Folgen für die betroffenen Menschen haben wird (wie in Tschernobyl).

Die Aussagen eines gnadenlosen Zockers

In einem Börsenforum fand ich unter anderem die folgenden Aussagen rücksichtsloser Zocker, die sich auf die Kursentwicklung und das „Drumherum“ der Tepco Aktie beziehen.

Ich setze immer meinen kurzen Kommentar unter die jeweilige Original-Aussage der „gnadenlosen Zocker“:

Zocker: Hab mir gestern einen Turbo-Call für einen Kleckerbetrag geholt. Ich hoffe, das fallende Schwert hatte den Boden schon erreicht. Zumindest ist die Kursentwicklung heute erfreulich.

„Das fallende Schwert“ des GAU wird noch vielen Menschen sehr viel Leid bringen. Der Boden ist noch nicht erreicht.

Zocker: Krass, ich glaub, ich hab zum ersten Mal in meinem „Börsenleben“ was richtig gemacht mit dem Einstieg beim Tepco-Zertifikat.

Wenn das alles ist, was dieser Zocker glaubt, in seinem Börsenleben richtig gemacht zu haben, sollte er aufhören.

Zocker: Es war viel zu schön um wahr zu sein – wollte einfach den Gewinn einfahren

„Viel zu schön, um wahr zu sein“, und das vor dem Hintergrund der Bilder aus Japan und der Einstufung des GAU auf die maximale Höhe. Schreckliche Wortwahl.

Zocker: wie gehabt….no risk…no fun….nur den Mutigen gehört die Welt….. oder nur die Harten kommen in den Garten.

„No risk .. no fun“, die Arbeiter im Atommeiler haben „risk“, aber eher weniger „fun“.

Zocker: Das ist das Spannende und gleichzeitig das Schreckliche daran. Jeden Morgen gibt’s die Überraschung, in welche Richtung sich wohl der Kurs entwickelt.“

Aha, jetzt weiß ich, was hier „das Schreckliche“ ist – Kursverluste (nicht 20.000 Tote).

Aber ist ja scheinbar auch „spannend“: Verlieren weitere 10.000 oder 50.000 Menschen ihre Heimat, steigen Puts im Wert – und das wird hier offensichtlich als spannende Börsenwelt bezeichnet.

Meine Einschätzung zu den Aussagen

Ich vermute, dass die gnadenlosen und rücksichtslosen Schreiber normale Menschen sind, wie man so schön sagt, „wie der Mann auf der Straße“. Ich hoffe es zumindest. Aber die Sprache ist mindestens gedankenlos – eher verroht, gnadenlos und rücksichtslos.

„Da musst Du Dein Gehirn einschalten“, sagte letztens mein kleiner süßer 6-jähriger Enkel zu mir, als ich seine Fischertechnik-Bausteine nicht schnell genug zusammenstecken konnte.

Diesen Ratschlag „Gehirn einschalten“ gebe ich hiermit an die gnadenlosen Zocker weiter, denn da scheint Bedarf zu bestehen.

Zum guten Schluss: Am heutigen Tag, genau vor 228 Jahren, also am 14.04.1783, wurde in Berlin das Schauspiel „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing uraufgeführt.

Nathan der Weise sagt an einer Stelle: „Kein Mensch muss müssen.“

Stimmt, sage ich da. Diesen Müll der gnadenlosen Zocker muss niemand mitmachen und ich distanziere mich ausdrücklich davon. So schön die Börse ist, es gibt Ecken, die stinken fürchterlich.

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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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