Tesco verkauft seine polnischen Supermärkte

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Der britische Einzelhandels-Riese Tesco trennt sich von seinen defizitären Filialen in Polen. Käufer ist der dänische Salling-Konzern, der in Polen gute Wachstumschancen sieht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Möglicherweise wird Ihnen der Firmenname Tesco plc (plc ist englisch für public limited company; deutsch: börsennotierte Aktiengesellschaft) nichts sagen, weil das Unternehmen nicht in Deutschland aktiv ist. Dabei handelt es sich bei Tesco um die größte Einzelhandelskette Großbritanniens, die mit ihren fast 7.000 Tesco-Supermärkten in vielen Ländern vertreten ist.

Am vergangenen Donnerstag gab Tesco bekannt, dass es sich endgültig aus Polen zurückziehen wird. Bereits in den letzten Monaten hatten die Briten begonnen, einzelne Supermärkte in Polen zu verkaufen. Für insgesamt 22 Tesco-Märkte konnten die Briten einen Käufer finden und erzielten dabei einen Nettoerlös von ca. 200 Mio. britischen Pfund (GBP), was etwa 221 Mio. Euro entspricht.

Jetzt ist es Tesco gelungen, auch die noch verbliebenen Tesco-Märkte in Polen los zu werden: Die dänische Salling Group A/S (A/S ist dänisch für Aktieselskab; deutsch: Aktiengesellschaft) übernimmt 301 Tesco-Geschäfte, zwei Vertriebszentren sowie die Hauptverwaltung für einen Nettopreis von 165 Mio. GBP (etwa 182,3 Mio. Euro).

Der Übernahme-Deal hatte keinen wesentlichen Einfluss auf den Kurs der Tesco-Aktien. Diese konnten nach Bekanntwerden der Übernahmevereinbarung am 18.06. zunächst leicht zulegen (+0,7%), verloren diese Gewinne aber im weiteren Tagesverlauf wieder. Die Salling-Group ist im Besitz zweier privater Stiftungen und wird daher nicht an der Börse gehandelt.

Salling Group macht Schnäppchenkauf

Rein rechnerisch haben die Dänen mit dem Übernahme-Deal ein Schnäppchen gemacht, denn sie haben für jeden Tesco-Markt nur gut 600.000 Euro hinblättern müssen. Für die zuvor veräußerten 22 Tesco-Märkte hatten die Briten rein rechnerisch noch etwa 10 Mio. Euro je Supermarkt einsacken können.

Dieser Preisunterschied lässt sich damit erklären, dass Tesco zunächst versucht hat, seine Märkte einzeln zu verkaufen. Die Sahnestücke unter den Tesco-Filialen wurden die Briten schnell los und konnten dafür gute Preise erzielen.

Trotz aller Bemühungen blieb Tesco aber auf mehr als 300 Märkten an B-Standorten sitzen. Da kam das Angebot des dänischen Mitbewerbers gerade recht und Tesco gab seine noch verbliebenen polnischen Niederlassungen für einen Schnäppchenkurs her.

Tesco-Geschäft in Polen war defizitär

Hinzu kommt, dass die polnischen Tesco-Supermärkte nicht wirtschaftlich arbeiteten. Tesco Polska erzielte im Geschäftsjahr 2019/20 einen Jahresumsatz von 1,368 Mrd. GBP und einen Betriebsverlust vor Sonderposten von -24 Mio. GBP.

Heruntergebrochen auf die 301 Tesco-Märkte, die jetzt an Salling verkauft wurden, fällt die Bilanz noch deutlich schlechter aus: Diese Märkte erzielten einen Jahresumsatz von 947 Mio. GBP und einen Verlust vor Steuern von -107 Mio. GBP (einschließlich Sonderposten).

„Wir haben bedeutende Fortschritte in unserem Geschäft in Mitteleuropa gesehen, sehen aber weiterhin Marktprobleme in Polen“, so Tesco-Chef Dave Lewis. Der Konzern werde sich laut eigenen Angaben daher zukünftig auf seine Aktivitäten in der Tschechischen Republik, Ungarn und der Slowakei konzentrieren, wo Tesco eine stärkere Marktposition hält.

Auch die folgenden Zahlen machen den Niedergang des polnischen Tesco-Geschäfts deutlich: 2014 hat Tesco noch 455 Super- bzw. Hypermärkte in Polen betrieben. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 345 Geschäfte und schon bald wird es keinen einzigen Tesco-Markt mehr in Polen geben.

Salling verdoppelt sein Polen-Geschäft

Auch die Salling Gruppe ist seit vielen Jahren auf dem polnischen Markt aktiv. Bereits im Jahr 1995 eröffnete Salling sein erstes Geschäft unter der Bezeichnung Netto in Szczecin (Stettin). Netto Polen betreibt aktuell 386 Netto-Märkte in denen mehr als 5.000 Mitarbeiter tätig sind. Und die Geschäfte laufen gut: Polen ist laut Konzernangaben der größte Wachstumsmarkt der Salling Gruppe.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Transaktion, da wir die Präsenz von Netto in einem wachsenden Markt konsolidieren und unsere Gruppenstrategie umsetzen. Mit der Übernahme von Tesco Polen verdoppeln wir unser Geschäft in Polen und werden zu einem bedeutenden Einzelhändler in einem der größten Märkte Europas“, so Per Bank, CEO der Salling Group.

Übrigens: Salling ist auch in Deutschland mit Netto-Supermärkten aktiv. Die gut 300 Netto-Märkte der Salling-Gruppe sind vornehmlich in Nord- und Ostdeutschland ansässig und führen einen Hund im Logo. Der Hauptsitz der deutschen Netto-Kette ist in Stavenhagen, Mecklenburg-Vorpommern.

Wesentlich größer ist allerdings die Netto Marken-Discount AG & Co. KG, die in Deutschland 4.273 Netto-Märkte mit rot-gelbem Logo betreibt. Der Netto Marken-Discount ist ein Tochterunternehmen der Edeka und hat seinen Hauptsitz im bayerischen Maxhütte-Haidhof.

Wie es weitergeht

Salling will etwa 7.000 Mitarbeiter der Tesco Polen übernehmen. Die Dänen wollen die Tesco-Filialen so bald wie möglich auf das neue Konzept ihrer Netto-Läden umstellen. Dafür will Salling mehr als 224 Mio. Euro in die übernommenen Märkte investieren.

Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden, die noch in diesem Jahr erfolgen soll.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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