Tesla-Aktie: Produktions-Ziele nur Utopie?

Ziemlich genau 1 Jahr liegt sie jetzt zurück, die Präsentation, die die gesamte Automobil-Industrie auf den Kopf stellen könnte:

Elon Musk, Chef des US-Elektro-Autobauers Tesla, stellte damals seine neueste Vision einem breiten Publikum vor: das Model 3.

Anders als die beiden luxuriösen Vorgänger-Modelle S und X handelt es sich bei dem Model 3 um eine erschwinglichere Variante; der Einstiegs-Preis liegt bei 35.000 Dollar.

Ein komfortables E-Auto für die Massen soll es sein, zugleich aber jede Menge Hightech bieten und sich deutlich abheben von Konkurrenz-Produkten etablierter Autohersteller.

Gut in der Zeit

Im Herbst sollen die ersten Fahrzeuge vom Band laufen.

Die Produktion soll ab dann stetig ausgebaut werden von zunächst 1.000 Autos pro Woche auf 5.000 pro Woche bis zum Ende des Jahres.

Bis Ende 2018 sollen dann 10.000 Fahrzeuge wöchentlich produziert werden.

Würde es wirklich dazu kommen, hätte Tesla bis Ende 2018 satte 430.000 Fahrzeuge des Typs Model 3 gebaut – ein ambitioniertes Ziel und typisch für Musk, der nicht gerade dafür bekannt ist kleine Brötchen zu backen.

Beobachter zweifeln dennoch an der Fähigkeit des Unternehmens, diese hochgesteckten Ziele realistisch zu erreichen, v. a. im genannten Zeitrahmen.

Insbesondere verglichen mit den bisherigen Produktionszahlen wirken die angepeilten Ziele utopisch. Bislang schafft Tesla gerade einmal 2.000 Fahrzeuge pro Woche, und man baut ja immerhin schon ein paar Jahre.

Zudem hat Musk auch in der Vergangenheit schon öfter Zielvorgaben ausgegeben, die letztlich nicht oder erst mit großer zeitlicher Verzögerung erreicht werden konnten.

Eine gewisse Großspurigkeit ist man also von ihm schon gewohnt.

Tesla-Aktie: Anleger begeistert

Anlegern ist das sowieso egal, sie glauben an den Firmenchef und seine Visionen, an den Konzern und seinen Erfolg:

Allein im vergangenen Monat ist die Tesla-Aktie um mehr als 15% in die Höhe geschossen, auf Jahressicht liegt das Plus aktuell bei rund 25%.

285 € oder 295 Dollar kostete die Aktie in dieser Woche, Analysten bescheinigen dem Papier jedoch noch deutliches Aufwärts-Potenzial.

Für Aufsehen sorgt neben den gewohnt ambitionierten Zielen auch die unkonventionelle Entwicklungs- und Produktionsweise, die Tesla beim Model 3 an den Tag legt:

Ungewöhnliche Produktionsweise bringt Erfolg

Gerüchten zufolge hat will man einen Entwicklungsschritt überspringen und auf die Herstellung einer Beta-Version verzichten.

Stattdessen sollen die ersten paar tausend Fahrzeuge an Tesla-Mitarbeiter ausgeliefert werden.

Das Interesse der Belegschaft ist groß: Während die Vorgänger-Modelle für viele noch unerschwinglich waren, stehen sie beim Model 3 nun Schlange.

Das Konzept, sie zuerst zu beliefern, ist genial:

Tesla bringt damit einerseits eine gewisse Wertschätzung gegenüber seinen Beschäftigten zum Ausdruck, die vor allen anderen in den Genuss kommen, ein Model 3 fahren zu dürfen.

Andererseits können auf diese Weise mögliche „Kinderkrankheiten“ von den Experten selbst zeitnah erkannt und ausgebessert werden, während die Produktion für die Massen erst nach und nach anläuft.

Das spart am Anfang Zeit und mittelfristig womöglich Geld, weil teure Rückruf-Aktionen vermieden werden können – eine klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Tesla

7. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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