Tesla-Aktie: Elektroauto-Pionier greift mit neuem Modell deutsche Premiumhersteller an

Ende März war es jetzt soweit. Der Pionier der Elekroautos, Tesla Motors aus Kalifornien, hat sein vor langer Zeit gemachtes Versprechen endlich eingelöst. Mit dem neuen Model 3 greift der US-Konzern die deutsche Oberklasse wie Mercedes, BMW und Audi frontal an.

Denn das neue Gefährt ist abgasfrei, sportlich und mit seiner großen Reichweite durchaus massentauglich. Der Aktienkurs des Start-Ups hat bereits im Vorfeld heftig reagiert. Nach einem Kurszuwachs von 65% seit Mitte Februar beläuft sich der Börsenwert mittlerweile wieder auf stolze 31 Milliarden Dollar.

Was von dem neuen Modell zu erwarten ist und wie die mittelfristigen Perspektiven zur aktuellen Börsenbewertung des Unternehmens passen, werde ich Ihnen jetzt näher analysieren.

Sportwagen mit enormer Reichweite

Die Eckdaten sind auf den ersten Blick beeindruckend. Die Reichweite des neuen Gefährts liegt bei mindestens 300 Kilometer mit nur einer Batterieladung. Auch der offizielle Einstiegspreis von umgerechnet rund 31.000 Euro dürfte so manchen Rivalen ins Schwitzen bringen.

Dabei wird der für den Endkunden relevante Preis noch deutlich niedriger liegen. Denn in vielen Ländern wird der Kauf von Elektroautos durch Subventionen attraktiver gemacht. Das Auto soll Tesla entscheidend dabei helfen, 2020 satte 500.000 Autos im Jahr zu produzieren. Im vergangenen Jahr waren es gut 50.000.

Tesla setzt auf Schnellladesäulen

Eins der grundsätzlichen Probleme von Elektroautos, nämlich der Ladeprozess, wird von Tesla offensiv angegangen. Der Konzern setzt auf ein dichtes Netz an Schnellladesäulen, die er an Autobahnen aufgebaut hat.

Für die beiden Fahrzeugmodelle, die Limousine S und den SUV X ist das Nachtanken aktuell sogar kostenlos. Ob dies für den neuen Flitzer „Model 3“ auch gilt, ist noch abzuwarten.

Tests in weltgrößter Batteriefabrik sollen im Frühjahr starten

Unterdessen zieht der Konzern die weltgrößte Batteriefabrik in der Wüste von Nevada hoch. Die Fabrik soll die Kosten für die Batterien um 30% reduzieren und die Produktionssteigerungen ermöglichen. Insgesamt kostet die Anlage den US-Konzern rund 2 Milliarden Dollar.

Der Testbetrieb ist für das Frühjahr 2016 geplant, zum Jahresende will Tesla gemeinsam mit dem Partner Panasonic die Serienproduktion von Batteriezellen beginnen. Im Endausbau soll das Werk die heutige weltweite Produktion von Lithium-Ionen-Batterien verdoppeln.

Lithium könnte Engpass werden

Der hohe Bedarf nach Lithium könnte allerdings den Wettlauf um den Rohstoff weiter befeuern – die Preise je Tonne des Metalls sind zuletzt deutlich gestiegen. Umso wichtiger ist es für Tesla, sich den Rohstoff über langfristige Lieferverträge zu sichern. Doch genau hierin könnte das Problem liegen.

Denn nach der missglückten Übernahme der auf Lithium spezialisierten Firma Simbol Materials ist nicht ganz klar, woher der Autobauer seine Rohstoffe beziehen wird. Zwar bestehen Lieferverträge mit zwei Minenbetreibern, diese können aber laut informierten Kreisen größere Mengen erst ab 2020 liefern. Für die Eröffnung der Gigafactory wäre dies deutlich zu spät.

Verluste türmen sich auf

So aussichtsreich die Langfristperspektiven auch sein mögen, von kurzfristigen Gewinnen fehlte bislang jede Spur. Zwar stiegen die Umsätze auf zuletzt knapp über 4 Milliarden Dollar, aber Tesla operiert tief in der Verlustzone. Seit 2010 verbrannte die Firma immerhin über 2 Milliarden Dollar. Alleine im letzten Geschäftsjahr türmten sich Verluste von 889 Millionen Dollar auf.

Für dieses Jahr sehen die Analysten allerdings die Trendwende kommen. Im Schnitt erwarten die Experten einen Gewinn je Aktie von 1,16 Dollar. Damit ergibt sich ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 183. Für 2017 prognostizieren die Analysten dann mit einem Gewinn je Aktie von 2,96 Dollar einen regelrechten Gewinnsprung.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit wird ein gutes Stück von dem Erfolg des dritten Modells abhängen. Vor dem Hintergrund der hohen Unsicherheit und des starken Kursanstiegs ist die Tesla-Aktie aber nichts für schwache Nerven.

4. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rene König. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt