Tesla-Aktie: Erste Großaufträge für neuen Elektro-LKW

Tesla hofft auf einen Erfolg des E-Trucks, für den sich jetzt auch ein deutscher Abnehmer interessiert. Die Tesla-Aktie wartet auf Impulse. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Tesla braucht Abnehmer – nicht etwa für das neuerdings verfügbare Model 3-

Das geht weg wie warme Semmeln – bzw. es würde weggehen, wenn Tesla denn liefern könnte wie versprochen.

Im 3. Quartal blieben die Auslieferungs-Zahlen mickrig und weit hinter den selbstgesteckten Zielen zurück.

Aber das wird schon, wenn die Produktion erst einmal richtig läuft, so die Lesart von Tesla-Chef Elon Musk.

Verzögerungen und Liefer-Engpässe sind nichts neues bei Tesla, und gerade deswegen braucht es neben vertrauensvollen Aktionären auch vertrauensvolle Abnehmer, v. a. für die gerade erst vorgestellten E-Trucks.

Neues Geschäftsfeld, neue Anforderungen

Im Gegensatz zu Privatkunden, die an teuren Sportwagen interessiert sind, geht es Spediteuren nicht um Prestige-Objekte oder Status-Symbole, ganz im Gegenteil:

Da wird knallhart kalkuliert und gegengerechnet.

So ein E-Truck, in der Anschaffung erheblich teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungs-Motor, muss den Diesel in der Kosten-Nutzen-Rechnung erst einmal schlagen.

Kein Problem, sagt Musk.

Denn obwohl der Truck mit Namen „Tesla Semi“ je nach Ausführung zwischen 150.000 und 200.000 Dollar kosten soll, sei er dem Diesel-Laster eben doch auch ein ganzes Stück überlegen.

Bis zu 800 km Reichweite sollen die Lastwagen haben, der Akku soll innerhalb von nur 30 Min. auf eine Reichweite von etwa 640 km aufgeladen werden können.

Für ein Netz aus Ladestationen will Tesla selbst sorgen, zumindest in den USA. Da wird so mancher potenzielle Kunde hellhörig.

Auch aus Deutschland gibt es nun die 1. Order – und die kommt, wenig überraschend, von der Deutschen Post bzw. der US-Sparte ihrer Logistik-Tochter DHL.

10 E-Trucks habe man bestellt, um sie in der Praxis zu testen, so der Bonner DAX-Konzern.

Deutsche Post: Vorreiter bei E-Umrüstung

Dass ausgerechnet die Deutsche Post sich für die E-Trucks interessiert, ist insofern nicht verwunderlich, als dass sie bereits vor Jahren damit begonnen hat, ihre Fahrzeug-Flotte auf elektrische Antriebsformen umzurüsten.

Weil damals kein Autohersteller geeignete Kleintransporter in seiner E-Flotte parat hatte und die Deutsche Post mit ihrer Anfrage auch nur auf wenig Gegenliebe stieß, ließ man sich etwas einfallen:

Um nicht auf das Vorhaben verzichten zu müssen, taten sich die Bonner mit Wissenschaftlern aus dem Umfeld der RWTH Aachen zusammen und bauten ihren „Streetscooter“ einfach selbst, zugeschnitten auf die eigenen Bedürfnisse.

Ganz nebenbei erlangte man somit eine Vorreiter-Position, inzwischen werden die Streetscooter auch an andere Interessenten verkauft.

Die Deutsche Post als Verkäufer von Kleintransportern? – Die verschlafene deutsche Autobranche macht’s möglich.

Der Bedarf an entsprechenden Fahrzeugen wird in Zukunft jedenfalls wohl eher wachsen.

Gerade für Deutschland und einigen weiteren europäischen Staaten, wo Diesel-Fahrverbote für Innenstädte derzeit heiß diskutiert werden, gilt dies.

Tesla-Aktie: Neue Impulse?

Spätestens mit dem Aus für den Diesel wird der Siegeszug des Elektrofahrzeugs wohl auch hier beginnen.

Bei den LKW könnte Tesla dann die Nase vorn haben – vorausgesetzt, die Auslieferung klappt und das Vehikel bewährt sich im Praxis-Test von DHL und Co.

Für die Tesla-Aktie wäre das jedenfalls ein erfreulicher Impuls.

Zwar notiert das Papier nach wie vor rund 50% fester als noch vor 1 Jahr, musste jedoch seit dem Jahres-Hoch im Sommer einiges an Federn lassen.

Hinzu kommt, dass Analysten allmählich den Glauben an Tesla verlieren, nachdem der Start des Model 3 erneut so holprig verlief und der Konzern weiterhin tiefrote Zahlen ablieferte.

Zuletzt kostete die Tesla Aktie etwa 265 € oder 313 Dollar.

2017-12-07 Tesla

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.