Tesla Aktie: Tweet mit juristischem Nachspiel

Tesla von der Börse nehmen? Dieser Tweet ließ die Tesla Aktie in die Höhe schnellen – und sorgt nun für Klagen von Leerverkäufern. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Dass kaum eine Woche vergeht, ohne dass Tesla Schlagzeilen macht, daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Doch in der vergangenen Woche überschlugen sich die Ereignisse.

Auslöser war – wie so häufig in letzter Zeit – eine per Twitter abgesetzte Kurznachricht von Firmengründer und CEO Elon Musk, wonach er erwäge, Tesla von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung sei gesichert, so schloss der Tweet. Und genau das könnte Musk nun womöglich zum Verhängnis werden.

Denn der Tweet blieb nicht ohne Folgen. Zu einem Kurs von 420 Dollar je Aktie wolle er das Unternehmen von der Börse nehmen, hatte Musk getwittert – zu einem Zeitpunkt, da die Aktie gerade bei etwa 300 Dollar notierte und in der Folge dermaßen steil nach oben schoss, dass sie zeitweise vom Handel ausgesetzt wurde.

Tesla Aktie: Verdacht der Marktmanipulation

Anleger witterten immense kurzfristige Gewinnchancen, Großbanken und Anwaltskanzleien rieben sich die Hände und rechneten schon mal durch, wie viel bei einem solchen milliardenschweren Unterfangen bei ihnen hängenbleiben könnte. Und Leerverkäufer sahen rot.

Die „short-seller“, die auf fallende Kurse der Tesla Aktie gesetzt hatten, gehen nun leer aus. Davon sind ziemlich viele Investoren betroffen, denn nach den anhaltenden Produktionsproblemen mit dem ersten massentauglichen Auto, dem Model 3, und den jahrelangen Verlustgeschäften haben zuletzt etliche Marktteilnehmer auf fallende Kurse gewettet.

Tesla Aktie – Reif für die nächste Korrektur?

Tesla Aktie – Reif für die nächste Korrektur?Der Nasdaq100 im Rückblick: „Innerhalb von circa drei Wochen verlor der Technologieindex Nasdaq mehr als 800 Punkte. Diese Korrektur ist gar nicht so lange her. Genau um diese Korrekturbewegung handelt… › mehr lesen

Gerade ihnen hatte Musk in den vergangenen Monaten immer wieder den Kampf angesagt und sich öffentlich über sie verärgert geäußert. Insofern bleibt ein durchaus fader Beigeschmack bei seinem jüngsten Tweet: Was, wenn sich dahinter nichts als Taktik verbirgt, wenn eine Reprivatisierung des Unternehmens gar nicht geplant ist, sondern es nur darum ging, den Kurs der Aktie zu pushen – und damit den Leerverkäufern eins auszuwischen?

Genau dieser Verdacht steht nun im Raum, die Börsenaufsicht ermittelt, erste betroffene Investoren haben Klagen eingereicht. Das Ganze dürfte also ein nicht unerhebliches juristisches Nachspiel haben.

Twitter macht Schule

Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die Finanzierung eines Privatisierungsvorhabens tatsächlich „gesichert“ wäre, wie Musk in seinem Tweet behauptete. Ist dies nachweislich nicht der Fall, würde das den Verdacht der Marktmanipulation erhärten. Gut 70 Milliarden US-Dollar wären notwendig, um die Aktionäre auszuzahlen. Berechnungen der New York Times zufolge wäre ein Börsenrückzug jedoch auch schon für etwa 10 bis 20 Milliarden Dollar zu haben – weil dann die Anzahl der Aktionäre so gering wäre, dass die Aktie nicht mehr in der Technologiebörse Nasdaq notiert werden würde.

Wie ernst die Ankündigungen überhaupt gemeint waren, ist auch mehrere Tage danach noch völlig unklar. Verärgert zeigte man sich auf Seiten der Behörden jedoch darüber, dass die Meldung nicht über offizielle Unternehmenskanäle oder eine übliche Börsenmitteilung veröffentlicht wurde, sondern über den Twitter-Account des Firmenchefs. Dies gilt als unüblich und tendenziell unseriös, scheint aber zunehmend Schule zu machen – das Vorbild sitzt im Weißen Haus.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.