Tesla-Aktie: Welches Potential hat der neue E-Truck?

Tesla hat einen E-Truck vorgestellt, doch Spediteure sind geiziger als Sportwagen-Käufer. Die Tesla-Aktie geht auf Richtungssuche. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Tesla hat vor wenigen Tagen seinen E-Lastwagen „Tesla Semi“ vorgestellt – und hofft nun verzweifelt auf einen Erfolg des Modells.

Den braucht es auch, denn spätestens seit es in der Produktions-Kette des Model 3 im Sommer zu Schwierigkeiten kam, steht auch die Tesla-Aktie gewaltig unter Druck.

Gerade einmal 220 Fahrzeuge dieses Typs hat das Unternehmen im abgelaufenen 3. Quartal ausgeliefert.

Nach Massenmarkt klingt das nicht, und auch die hausinternen Zielvorgaben von 1.500 Stück wurden meilenweit verfehlt.

Tesla-Aktie: Enttäuschung über Model-3-Flaute

Und so ist es auch kein Wunder, dass die Tesla-Aktie ihren Abwärtstrend seither beschleunigte.

Große Hoffnungen waren mit dem Model 3 verknüpft gewesen, das endlich den Schritt vom Nischen-Angebot im Luxus-Segment in Richtung massentaugliches, weil erschwingliches E-Auto der Mittelklasse bringen sollte.

Immer weiter hochgepeitscht wurde der Aktienkurs durch hunderttausende Vorbestellungen mit Anzahlung, die Tesla von interessierten Kunden weltweit einsammeln konnte.

Doch inzwischen flaut die Laune merklich ab, v. a. bei den Anlegern: Immer mehr Investoren wetten auf einen regelrechten Absturz der Tesla-Aktie.

Und wenn die Produktion nicht bald an Fahrt aufnimmt, muss Tesla aufpassen, seinen hart erkämpften Vorsprung vor der Konkurrenz nicht zu verspielen.

Innerhalb der nächsten Jahre planen bekanntlich auch die alteingesessenen Autobauer von BMW bis VW, ihre Fahrzeug-Flotten wesentlich stärker als bisher durch E-Alternativen aufzurüsten.

Bringt der E-Truck die Wende?

Daher setzt man bei Tesla nun also auf den E-Truck und betritt damit gänzlich neues Terrain, denn das Geschäft läuft hier anders:

Für Sportwagen und Luxus-Limousinen finden sich immer wohlhabende Abnehmer, die bereit sind, für ein solches Status-Symbol tief in die Tasche zu greifen.

Spediteure ticken da ganz anders: Coolness und Image sind ihnen weitgehend egal, für sie zählen die anfallenden Kosten: Anschaffung, Unterhalt, Reparaturen, Verbrauch – solcherlei Dinge.

Die Branche kalkuliert hart und dreht bekanntlich jeden Cent um. Daran muss sich auch Tesla erst einmal gewöhnen.

Denn natürlich trumpft der Tesla Semi auf den 1. Blick v. a. optisch auf: Front- und Seitenscheiben gehen ineinander über:

Der Fahrer sitzt nicht mehr seitlich, sondern in der Mitte, umgeben von Bildschirmen, die die klassischen Armaturen ersetzen.

Bei Tesla darf eben nichts gewöhnlich sein, man hebt sich ab. Es muss erkennbar sein, dass es sich um eine ganz besondere Marke handelt.

Tesla Semi muss sich erst noch bewähren

Doch auch die harten Fakten hat Tesla-Chef Elon Musk für die skeptischen Spediteure aufbereitet:

Die Frontscheibe soll immun gegen Kratzer sein. Bislang muss sie häufig ausgetauscht werden und stellt damit über die Jahre einen immensen Kostenfaktor dar.

Die Reichweite einer Batterie-Ladung soll für etwa 800 km reichen; die Aufladung sei in einer „längeren Pinkelpause“ möglich.

Auf den 1. Blick klingt das alles ein bisschen zu euphorisch; ein bisschen zu schön, um wahr zu sein.

Ob sich die Werte im Alltags-Gebrauch bestätigen, wird sich erst noch zeigen müssen. Doch dafür braucht es erst einmal Abnehmer für den Tesla Semi.

Anleger wissen noch nicht so recht, was sie von Musks neuester Zukunfts-Vision halten sollen.

Seit Monats-Beginn hat sich die Tesla-Aktie leicht erholt, kann sich aber noch nicht so recht für eine Richtung entscheiden.

Sie notiert mit 264 € oder 312 Dollar zwar immer noch gut 40% höher als noch vor 1 Jahr, hat sich von ihrem Jahreshoch aber ein gutes Stück entfernt.

Das hatte sie bei gut 346 € oder knapp 390 US-Dollar erreicht.

2017-11-23 Tesla

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.