Tesla: Aktionäre als Spielball

Als Aktionär erleben Sie im Börsenjahr 2015 eine Achterbahnfahrt: Der deutsche Leitindex DAX schwankt zwischen 9.800 und 12.400 Punkten. Aktuell kommt wieder die 10.000-Punkte-Marke in Sicht.

Völlig anders sieht die Lage aus, wenn Sie die Lage der Unternehmen betrachten. Diese haben im 1. Halbjahr solide Zahlen (USA; Gegenwind durch den starken US-Dollar) bis sehr gute Zahlen (Deutschland; Rückenwind durch den schwachen Euro) veröffentlicht.

Aufwärtstrend in Deutschland?

Die Unternehmenszahlen rechtfertigen die Kursschwankungen nicht, sondern sprechen speziell in Deutschland für einen Aufwärtstrend.

Aktuell fallen die Kurse aber aus 2 Gründen: zum einen aus Angst vor schwachen Konjunkturdaten (China), zum anderen aus Angst vor zu guten Konjunkturdaten (USA).

Der 2. Punkt ist kein Scherz: Positive Konjunkturdaten sind zwar gut für die Umsatz- und Gewinnentwicklung der Unternehmen, aber sie stützen auch die Angst vor Zinserhöhungen.

Das macht die Börse in diesen Tagen so faszinierend:

Egal, ob die Konjunkturdaten gut oder schlecht ausfallen – mit den passenden Schlussfolgerungen, die dann auch noch durch Medien global verbreitet werden, können daraus Gründe für oder gegen Aktien konstruiert werden.

Aktuell beschleicht mich das Gefühl, dass wir als Aktionäre nur ein Spielball sind und in eine bestimmte Richtung gedrängt werden. Die Strippenzieher wollen bestimmte Marken abarbeiten, bevor wieder die Börsennormalität einsetzt.

Wie so ein „Spiel“ konkret aussehen kann, möchte ich Ihnen heute am Beispiel einer einzelnen Aktie demonstrieren. Auch dort gibt es einen großen Spieler, der die Kugeln rollen lässt.

Eine Analyse mit Beigeschmack

Adam Jones, Analyst der amerikanischen Investment-Bank Morgan Stanley, vergleicht in einer aktuellen Studie den Elektroautobauer Tesla mit dem Fahrdienstleister Uber, über den ich hier im „Schlussgong“ zuletzt einige Male kritisch berichtet habe.

Dieser Vergleich zweier sehr unterschiedlicher Unternehmen ist aus meiner Sicht zwar abenteuerlich, jedoch noch nicht der Aufreger der Woche.

Allerdings erwartet der Morgan-Stanley-Analyst für die Tesla-Aktie in diesem Zusammenhang auch noch einen Kursanstieg um rund 90%.

Und genau diese Analyse hat einen gewissen Beigeschmack. Denn: Morgan Stanley leitet zusammen mit Goldman Sachs für Tesla eine Kapitalerhöhung, die dem Elektro-Autobauer 1/2 Mrd. US-Dollar einbringen soll.

Über diese Kapitalerhöhung habe ich an dieser Stelle bereits vor einigen Tagen berichtet.

Es ist übrigens nicht das 1. Mal, dass sich der Analyst von Morgan Stanley in engem zeitlichen Zusammenhang zu einer Kapitalmaßnahme, die die Bank im Auftrag von Tesla durchführt, positiv über die Tesla-Aktie äußert:

Bereits im Winter 2014 hatte sich der Tesla-Analyst in ähnlich positiver Weise wie aktuell zur Tesla-Aktie geäußert.

Dies geschah zeitnah zu einer Ausgabe von Wandelanleihen von Tesla, an der Morgan Stanley beteiligt war. Und die Bewertung der Wandelanleihen hängt auch vom Kurs der Tesla-Aktie ab.

Ich habe große Bauchschmerzen, wenn eine Bank bei Investoren frisches Geld für ein Unternehmen einsammelt und fast zeitgleich extrem positive Analysen veröffentlicht. Kann eine solche Analyse sachlich neutral sein?

Fazit

Ich genieße die Empfehlungen von Bank-Analysten grundsätzlich mit Vorsicht. Das heute geschilderte Beispiel zeigt Ihnen, dass Sie gut damit beraten sind, vor einer Kauf- oder Verkaufsentscheidung auch noch auf andere Informationsquellen zu setzen.

21. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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