Tesla als Gradmesser der Übertreibung: Wann platzt die Tech-Blase?

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An psychologischen Marken bei den Kursen werden immer wieder Gewinne mitgenommen. Das kann bei Tesla auch die 2.000 US-Dollar sein. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Es wäre keine richtige Börsenwoche, wenn Tesla nicht an einem Tag über 10 Prozent steigen würde. Das ist gestern passiert. Heute ging es per Aufwärtsgap noch einmal höher. Warum auch nicht? Die Kurse lagen heute bereits über 1.920 US-Dollar. Anfang des Jahres waren wir übrigens noch bei 425 US-Dollar.

Tesla Chart mit Fibonacci Extensionen

Schauen wir uns den Tageschart an und projizieren wir mögliche neue Ziele, fällt uns sofort der Bereich bei 1.370 US-Dollar auf. Dort machte die Rallye in den letzten Wochen eine Pause, setzte zweimal an dieser Marke auf und zündete danach die nächste Rakete.

Das war die 161 Prozent Extension aus der letzten Bewegung. Bei 1.999 US-Dollar liegt übrigens die 261 Prozent Extension. Dieses Ziel kann demnach vermutlich bald erreicht werden. Alles andere wäre schon komisch.

Oder können Sie sich vorstellen, dass die großen Tech-Werte im NASDAQ plötzlich fallen? Wo kämen wir denn da hin? Nachdem Tesla in einer Woche 30 Prozent zulegen konnte, soll jetzt auf einmal Schluss sein? Wirklich nicht!

Die 2.000er Marke wird also sehr wahrscheinlich noch angesteuert. Ist doch auch ein schönes Ziel! Wenn wir allerdings in die Vergangenheit schauen, sindrunde Summen oft ein Bereich, in dem Kurse nach unten abprallen.

Aktien crashen nach runden Marken

Starten wir doch einfach gleich bei Wirecard. Da wurden im September 2018 die 200 Euro pro Aktie angelaufen und prompt ging es wieder nach unten. Tesla hatte bereits vor der 1.000 US-Dollar den Anker geworfen und noch einmal Anlauf genommen.

Kennen Sie noch Tilray? Die Aktie zum Thema Cannabis notierte auch im September 2018 bei exakt 300 US-Dollar. Fast zwei Jahre später kostet sie nicht einmal mehr 10 US-Dollar. Luckin Coffee tanzt etwas aus der Reihe. Hier wurden intraday 51,38 US-Dollar erreicht. Der Tagesschluss war dann 50 US-Dollar. All das geschah im Februar diesen Jahres. Heute kostet die Aktie 2,25 US-Dollar.

Bei Solarworld war es ein ähnliches Spiel. Ende 2007, kurz vor der 70 Euro Marke und dem verkünden, Opel aufkaufen zu wollen, war Schluss. Heute ist die Aktie ein Pennystock, den aber niemand mehr dank Insolvenz haben will.

Volkswagen hat sich eine ganz besondere runde Nummer ausgesucht: die 1.000 Euro. Im Oktober 2008 verkündet Porsche, man plane die Übernahme von VW. Dank Finanzkrise waren die Aktien abgestürzt und VW damit fast bezahlbar. Innerhalb von zwei Tagen schossen die Kurse von etwas über 200 auf 1.000 Euro. Einen Tag später notierte die Aktie bereits bei 500 Euro. Eine Woche später unter 400 Euro. Auch hier war die runde Zahl etwas zu viel des Guten.

Ebenfalls prominentes Beispiel aus der gar nicht so fernen Vergangenheit: Bitcoin! Schnell noch das Haus beleihen, Kredite aufnehmen und alles in Bitcoin stecken. Genau das wurde in den USA Ende 2017 gespielt. Furchtbar für alle, die damals zusahen. Riskante Geschäfte auf Pump sind ein absolutes NoGo. Aber die Preise stiegen und stiegen. Bis sie bei 20.000 US-Dollar plötzlich nicht mehr stiegen und es runter ging. Unter 4.000 US-Dollar notierte Bitcoin etwa ein Jahr später.

Ist deshalb Tesla in Gefahr?

Nein, Wirecard ist über 100 Euro gestiegen und hat weitergemacht. Bitcoin ist über 10.000 US-Dollar gestiegen und danach weiter. Volkswagen ist über 500 Euro gestiegen und danach weiter. Das ist genau das Ding: Wir wissen nie im Vorfeld wann Schluss ist.

Was wir aber wissen: An runden Kursen werden immer wieder Gewinne mitgenommen. Das kann bei Tesla auch die 2.000 US-Dollar sein. Wir werden es in den kommenden Tagen und Woche erleben.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.