Tesla am Scheideweg: Die Aktie im freien Fall

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Unfall, Rückruf und ein misslungener April-Scherz: Für Tesla geht ein Horror-Monat zu Ende. Und für Elon Musk geht es um alles oder nichts. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Da hat Elon Musk, Gründer und Chef des Elektroauto-Pioniers Tesla Inc., einen echten Bock geschossen. Am vergangenen Sonntag twitterte er, dass Tesla „endgültig und vollständig bankrott“ wäre. Anschließend veröffentlichte er ein Foto, das ihn angeblich betrunken und schlafend zeigte.

Unter diesem war zu lesen, dass es ihm trotz größter Anstrengungen – wie etwa einem Massenverkauf von Ostereiern – nicht gelungen sei, so viel Geld aufzutreiben, die Pleite des Autobauers abzuwenden.

Dieser Witz ging nach hinten los

Auch wenn es sich um einen eher mäßigen Aprilscherz handelte: Der Tweet zeigte Wirkung. Nach Öffnung der Börsen am Ostermontag setzte die Tesla-Aktie den Kurssturz der Vorwochen fort und verlor weitere 6 % auf 250 Dollar. Vor nicht einmal vier Wochen hatte das Papier noch bei 350 Dollar notiert. Ein Kursverlust von mehr als 25 %.

Misslungene Scherze erkennt man am besten daran, dass sie nochmals erklärt werden müssen. Ganz offensichtlich beraten von seinen Anwälten bemühte sich Musk zu einer Klarstellung. In einem weiteren Tweet erklärte Musk: “Jetzt mal ehrlich: Es ist doch klar, dass ich keinen Aprilscherz über das Pleitegehen machen würde, wenn ich dächte, dass dies tatsächlich passieren könnte (seufz).”

Der März war für Tesla ein Horror-Monat

Bezeichnend an dem Kurskollaps war jedoch, dass genau dies die Anleger für möglich hielten. Schließlich war es nicht der Tweet allein, der die Aktionäre in Panik versetzte. Schwierigkeiten bereitete Musk zuvor ein schwerer Unfall eines seiner Autos. Der 38-jährige Fahrer eines Tesla X raste trotz eingeschalteten Autopiloten auf einer Autobahn in Kalifornien gegen einen Betonpoller. Der Wagen ging in Flammen auf, sein Fahrer verstarb später im Krankenhaus.

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Auch der Rückruf von 123.000 Model S-Autos macht dem Unternehmen zu schaffen. Nicht nur wegen der rostigen Schrauben, die als Ursache für den Rückruf genannt wurden, sondern weil es Musk immer häufiger nicht gelingt, die von ihm selbst geschürten hohen Erwartungen zu erfüllen. Nun scheinen auch noch die Produktionszahlen bei der Limousine „Model 3“ weit hinter den Erwartungen zurückzubleiben.

Schluss mit den Albernheiten

Musk hat offenbar eingesehen, dass Albernheiten der falsche Weg sind. Inzwischen findet er kämpferische Worte, um von den zähen Produktionsproblemen abzulenken: Er “schlafe nun wieder in seiner Fabrik”, erklärte er per Tweet, und dass er von seinem Chefkonstrukteur die Verantwortung für die Produktion übernommen habe.

Wenn der Vorstand sich in die operativen Geschäfte einmischt, muss es wahrlich kritisch bestellt sein. Seit seiner Gründung im Jahr 2003 hat das Unternehmen keine Gewinne erwirtschaftet. Tesla ist zudem hoch verschuldet, so hoch, dass die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit von B2 auf B3 herabgestuft hat. Damit wird jede weitere Kapitalaufnahme deutlich teurer für Tesla.

Gehen Sie stets nüchtern an eine Aktie heran

Wenn Sie an der Börse erfolgreich sein wollen, müssen Sie persönliche Neigungen ausschalten. Auch ich bin ein Fan von Tesla – vom Auto, wohl bemerkt. Dem E-Auto gehört die Zukunft. Ob dies auch für die Tesla-Aktie gilt, wage ich zu bezweifeln.

Denn auch die Alleinstellungsmerkmale von Tesla, die Elektrifizierung von Autos und das autonome Fahren, werden mehr und mehr traditionellen Autoherstellern übernommen. Von Unternehmen, die aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen in der Lage sind, mit Lieferkette und Produktion umzugehen. Etwas, das Tesla erst noch beweisen muss. Nein, wenn man nur die Fakten berücksichtigt, sieht es für die Tesla-Aktie bedrohlich aus.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.