Tesla Aktie: Trotz guter Zahlen stürzt Elektroautohersteller ab

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Der Elektroauto-Pionier glänzt mit hervorragenden Quartalszahlen. Doch die Aktien-Flüsterer hatten mehr erwartet. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Die Entwicklung des kalifornischen Elektroautobauers Tesla ist eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen. Als Firmengründer Elon Musk im Jahr 2003 erstmals seine Idee eines einzig und allein durch Strom angetriebenen Pkw vorstellte und von der Aufnahme einer Serienproduktion sprach, erntete er nicht mehr als ein mitleidiges Lächeln.

Doch 2008 war es dann soweit, der Tesla Roadster wurde dem breiten Publikum vorgestellt und traf auf den Nerv des Zeitgeistes. Die Stars und Sternchen der kalifornischen Internet- und Filmszene hatten ein neues Spielzeug, der Tesla Roadster wurde zum „must have“, die geplanten Stückzahlen wurden um ein mehrfaches überschritten.

Aber den Unternehmensgründern um Elop Musk war klar, der Roadster war und ist ein Nischenprodukt. Will man in die Breite wachsen, muss ein familientaugliches Fahrzeug her.

Gesagt, entwickelt und produziert, seit Mitte 2012 steht das Model S in den Verkaufsräumen und spricht mit seinen bis zu 7 Sitzen vor allem junge wohlhabende Familien an. Seit einigen Monaten ist der Tesla Model S auch in Deutschland verfügbar, Stückpreis ab 72.000 €.

Sprung auf den europäischen Markt soll die Absatzzahlen treiben

Mit dem Erfolg der Elektroautos Made by Tesla stiegen neben den Absatzzahlen auch die Erwartungen der Langzeitanleger unter den Börsianern. Sie waren es, die nach dem Börsengang zu 17 US-$ im Juni 2010 dem Unternehmen bedingungslos die Treue hielten und dafür mit Kurs-zuwächsen auf bis zu 194 US-$ belohnt wurden.

Und glaubt man den Gründern um Elop Musk, soll dies nur der Anfang einer weiteren, wunder-baren Geldvermehrung sein. Denn mit dem Sprung auf die europäischen, vor allem aber auf den deutschen Markt, soll die Nachfrage nochmals deutlich gesteigert werden und die jahrelange Verlustzone endlich verlassen werden.

Die gezielt geschürten Erwartungen, die Tesla Motors in den vergangenen Quartalen immer wieder aufs Neue erfüllen konnte, riefen auch im Vorfeld der Veröffentlichung der Zahlen zum

3. Quartal 2013 die Spekulanten auf den Plan.

Getrieben von zahlreichen Analystenschätzungen, die offiziell den Quartalsabsatz mit 5.500 verkauften Pkw, hinter vorgehaltener Hand allerdings Zahlen zwischen 6.000 und 7.000 Stück flüsterten, setzte in den letzten vier Handelstagen eine regelrechte Kursrally ein. Der Aktienkurs stieg um stattliche +18,2% und markierte bei 181,43 US-$ sein neues Wochenhoch.

Der Fluch der Flüsterschätzungen

Und dann kam sie, die Stunde der Wahrheit, Tesla Motors legt seine Zahlen auf den Tisch. Und die waren wirklich nicht von schlechten Eltern. Der Quartalsumsatz lag mit 431 Millionen US-Dollar neunmal so hoch wie im Vorjahreszeitraum, der Verlust konnte von -111 Millionen auf -38 Millionen Dollar eingedämmt werden, der Pkw-Absatz lag mit 5.500 Stück exakt auf der Prognose des Unternehmens.

Alles Bstens, sollte man da meine. Doch unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen ging es für die Tesla-Aktie heftig bergab. Um knappe -11% fiel der Aktienkurs und zeigt wieder einmal die Macht der sogenannten „Flüsterschätzungen“.

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Sie vermögen es, geschickt eingesetzt, Aktienkurse bereits vor der Bekanntgabe offizieller Bilanzzahlen nach oben, aber auch nach unten zu manipulieren. Haben die Flüsterer Recht, haben die frühen Vögel den Wurm gefangen, sprich den Kursgewinn vor allen anderen realisiert. Und das bereits, bevor die Börsen am nächsten Tag öffnen, dem außerbörslichen Handel sei Dank.

Liegen sie aber wie im Falle Tesla daneben, kommt Panik auf, man wirft die Papiere um fast jeden Preis auf den Markt. Und so sinkt der Aktienkurs bereits gestern Abend außerbörslich deutlich auf aktuell 158,40 US-$.

Der Kursverfall findet sich allerdings noch nicht im offiziellen Point&Figure-Tageschart der Tesla Motors Inc. wieder, hier werden ja zur Charterstellung nur die jeweiligen offiziellen Tagesschluss-kurse herangezogen.

Wie sich die Chartsituation darstellt, sofern sich die Kursverluste der Nacht im heutigen Handels-verlauf manifestieren, habe ich Ihnen per Hand in den Point&Figure-Chart eingezeichnet, bitte achten Sie auf die letzte rote O-Säule.

Tesla-Chart 06-11-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Hier sehen Sie es, der Kursabschlag verändert die Lage bedenklich. Das letzte Point&Figure-Kaufsignal (grüner Kreis) wird damit in Frage gestellt, ein weiterer Kursrückgang um nur noch 6,40 US-$ trennt die Aktie vom Wechsel in ein Point&Figure-Verkaufssignal mit einem Kursziel im Bereich um die 112,00 US-$.

Eine gefährliche Lage, in der sich Tesla aus Sicht des Point&Figure-Trading nun befindet, denn bis zum nächsten Point&Figure-Kaufsignal bei 182,00 US-$ ist es von hier aus jetzt ein weiter Weg.

Ob es für die Anlegern und vor allem den Investmentfonds, die bislang der Jahresrally (+422%) hinterhergeschaut haben, sinnvoll ist, sich auf diesem Niveau einzudecken, muss alleine ihrer Entscheidung überlassen werden.

Für uns Point&Figure-Trader allerdings ist klar, bei Tesla Motors besteht aus charttechnischer Sicht für uns kein akuter Handlungsbedarf.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.