Tesla: Der Rückzug vom Rückzug

Tesla-Chef Elon Musk kündigte am Wochenende den Rückzug vom Börsenrückzug an. Lesen Sie hier die Details und Hintergründe. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Vor zweieinhalb Wochen habe ich Ihnen hier im Schlussgong von überraschenden Börsenrückzugsplänen des amerikanischen Elektro-Auto-Herstellers Tesla berichtet. Hier noch einmal die Chronologie der Ereignisse, bevor ich gleich auf die neuesten Entwicklungen eingehe:

Am 7. August hatte Tesla-Chef Elon Musk über den Kurznachrichtendienst Twitter folgende aufsehenerregende Nachricht verbreitet: „Am considering taking Tesla private at $420. Funding secured.“

Das bedeutet frei übersetzt: Ich denke darüber nach, Tesla für 420 US-Dollar je Aktie von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung ist gesichert.

Daraufhin schoss die Tesla-Aktie um rund 10% nach oben, bis der Handel mit der Tesla-Aktie einige Zeit später vorübergehend eingestellt wurde. Später teilte Musk mit, dass das Börsenumfeld Tesla zu turbulent geworden sei und dass man als börsennotiertes Unternehmen wilden Schwankungen des Aktienkurses ausgeliefert sei, was eine große Ablenkung für alle sein könne, die für Tesla arbeiten. Darüber hinaus sorge die Pflicht, Quartalszahlen zu veröffentlichen, für enormen Druck.

Mit dem Börsenrückzug solle ein Umfeld geschaffen werden, in dem Tesla am besten arbeiten könne, hieß es in einem Schreiben von Tesla.

Die jüngsten Entwicklungen

Nachdem Musk bereits in den ersten Tagen nach seinem aufsehenerregenden Tweet verbal etwas zurückruderte, folgte am vergangenen Wochenende der komplette Rückzug vom Börsenrückzug. „Ich glaube es ist der bessere Weg, dass Tesla an der Börse bleibt“, so Musk.

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Zwar sollen die meisten Aktionäre, mit denen Musk sprach, auch im Falle eines Börsenrückzugs gewillt gewesen sein, bei Tesla investiert zu bleiben, doch er sei darum gebeten worden, Tesla nicht von der Börse zu nehmen, da ein liquider Handel über die Börse besser für die Aktie sei. Darüber hinaus sei ein Börsenrückzug komplexer als gedacht.

Stattdessen will Musk sich nun darauf konzentrieren, das Model 3 im großen Maßstab zu produzieren und Tesla profitabel zu machen. Der Tesla-Chef hatte schon vor einiger Zeit angekündigt, dass Tesla im 3. Quartal Gewinne erzielen würde. Ob dies tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten.

Nach dem Rückzug vom Börsenrückzug hat Musk jedoch nach meiner Einschätzung einiges an Glaubwürdigkeit verspielt und die operative Entwicklung von Tesla wird zukünftig womöglich etwas kritischer beäugt als in der Vergangenheit.

Bislang hatte der Rückzug nur zur Folge, dass die Tesla-Aktie weiter an Boden verlor und inzwischen bereits rund 17% unter dem Stand vom 7. August notiert. Es droht aber auch noch ein juristisches Nachspiel: Stephen Crimmins, ein langjähriger Mitarbeiter der US-Finanzaufsicht SEC, sagte, dass Musks Rückzieher von den Privatisierungsplänen ein Hinweis darauf sein könnte, dass er keine belastbare Finanzierungsbasis für sein Vorhaben hatte.

Daher werde die SEC ihre Untersuchung nun erst recht fortführen. Tesla-Chef Musk droht dabei eine Anklage wegen Marktmanipulation. Denn er hatte mit seinem Tweet den Kurs der Tesla-Aktie deutlich nach oben bewegt, vor allem, weil er ankündigte, dass die Finanzierung des Börsenrückzugs gesichert sei. Gab es diese gesicherte Finanzierung nicht, darauf deutet derzeit einiges hin, droht eine Anklage. Ob Musk dann noch Chef von Tesla bleiben kann, ist fraglich.

Fazit: Elon Musk hat mit Tesla einen Wegbereiter der Elektro-Mobilität geschaffen. Die operativen Erfolge bleiben jedoch bisher aus und Musk scheint die Übersicht verloren zu haben. Ein klarer fundamentaler Wert der Tesla-Aktie ist aktuell nicht zu berechnen. Daher sollten Value-Anleger die Aktie meiden.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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