Tesla: Ein aktueller Blick hinter die Kulissen – Teil 2

In der vergangenen Woche habe ich an dieser Stelle über den US-amerikanischen Elektro-Autobauer Tesla berichtet, der kürzlich mit der Präsentation seines neuen Modells 3 und dem riesigen Ansturm auf dieses Modell für Furore sorgte.

Für Furore sorgte auch die Tesla-Aktie in den vergangenen Jahren. Das Papier legte in den vergangenen 3 Jahren um rund 600% zu. Tesla kommt aktuell auf einen Börsenwert von rund 34 Mrd. US-Dollar. Und das, obwohl das im Jahr 2003 gegründete Unternehmen bislang noch nie einen Jahresgewinn erwirtschaften konnte. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2015 bei etwas mehr als 4 Mrd. US-Dollar.

Tesla versus Daimler

Zum Vergleich: Der deutsche Automobilriese Daimler kommt aktuell auf einen Börsenwert von rund 72 Mrd. US-Dollar und ist damit nur etwas mehr als doppelt so teuer wie Tesla. Übrigens trotz der Tatsache, dass Daimler im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 150 Mrd. Euro und einen Gewinn von 8,7 Mrd. Euro erzielen konnte.

Das bedeutet, dass Tesla (gemessen an den 2015er Zahlen) auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 8,5 kommt und Daimler auf ein 2015er KUV von knapp 0,5. Anders ausgedrückt: Gemessen am Umsatz ist Tesla aktuell 17 mal so teuer wie Daimler.

Jetzt wird der ein oder andere von Ihnen vielleicht argumentieren, dass Tesla stärker wächst als Daimler. Sie haben Recht. Während der Umsatz bei Daimler von 2014 auf 2015 „nur“ um 15% wuchs, waren es bei Tesla immerhin 26,5% Umsatzwachstum zwischen 2014 und 2015.

Doch rechtfertigt diese Differenz eine 17 Mal höhere Bewertung? Meiner Ansicht nach allerhöchstens dann, wenn Sie davon ausgehen, dass die „fetten“ Jahre bei Tesla erst noch bevorstehen. Und tatsächlich: Die könnten bei Tesla erst noch bevorstehen.

Stehen bei Tesla die „fetten“ Jahre noch bevor?

Angesichts der extrem starken Nachfrage nach dem Model 3, Teslas Mittelklasse-Fahrzeug, könnte der Elektro-Autobauer demnächst absatzmäßig in neue Dimensionen vorstoßen.

Doch erstens habe ich gewisse Zweifel daran, dass Tesla – Stand jetzt – dieser Herausforderung gewachsen ist. Denn Tesla hat in den vergangenen 4 Jahren insgesamt nur etwas mehr als 100.000 Fahrzeuge verkauft und will ab dem kommenden Jahr innerhalb recht kurzer Zeit 325.000 Vorbestellungen des Model 3 abarbeiten. Meine provokante Frage: Wie soll das gelingen?

Zweitens habe ich Zweifel daran, dass Tesla auf Sicht der nächsten Jahre einen Gewinn erwirtschaften kann. Die Produktion des Model 3 sowie der Aufbau der eigenen Batteriefabrik „Gigafactory“ werden zunächst einmal ein Vermögen kosten.

Und da Tesla sein Model 3 günstiger anbietet als beispielsweise BMW seinen 3er, glaube ich zudem nicht, dass Tesla in der Lage sein wird, auch auf längere Sicht größere Gewinnmargen mit seinem Mittelklasse-Fahrzeug zu erzielen. Die bisher erschienenen Tesla-Modelle können vielleicht größere Margen erzielen, nicht aber die aufgelaufenen Verluste aus anderen Bereichen kompensieren.

Daher rechne ich fest damit, dass Tesla auch in den kommenden 3-5 Jahren keine Gewinne erwirtschaften wird und halte demzufolge die Tesla-Aktie weiterhin für eine riskante Zukunftswette mit schlechtem Chance-Risiko-Profil und nicht für eine Investition in die Zukunft der Automobilbranche.

11. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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