Tesla in finanziellen Schwierigkeiten?

Die Tesla-Aktie wird schon seit Jahren kontrovers diskutiert. Neue Nahrung für die Skeptiker lieferte das Unternehmen jetzt selbst. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Lange Zeit galten die Papiere von Tesla als Hoffnungsbringer für die Elektromobilität. Dabei eilten die Anteilsscheine von einem Rekord zum nächsten. Doch die Euphorie ebbte zuletzt deutlich ab und die Stimmung fiel zu Beginn der Woche auf einen neuerlichen Tiefpunkt. Schuld daran hat ein schon recht seltsamer Schritt von Tesla:

Tesla will Geld von Zulieferern zurück

Nachdem Unternehmenschef und Tech-Milliardär Elon Musk noch im Frühjahr einen Aprilscherz über finanzielle Schwierigkeiten bei Tesla gemacht hatte, gab es zum Wochenauftakt eine Meldung, die nicht mehr als Scherz aufgenommen werden kann: Tesla hat seine Zulieferbetriebe gebeten, einen Teil der seit 2016 geleisteten Zahlungen zurückzuerstatten.

Dieser Schritt sei entscheidend für die Fortführung des Geschäfts sowie als Unterstützung bei Teslas Bemühen, profitabel zu werden, und wird zudem als Investition in die Zukunft des Unternehmens dargestellt. An der Börse wurde diese Nachricht als Verzweiflungstat des Unternehmens gewertet und die bisherigen Aussagen, wonach der Konzern im dritten und vierten Quartal schwarze Zahlen schreiben werde, ad absurdum geführt.

Vielmehr dürfte sich die „Tradition“, wonach Tesla seit Gründung noch nie einen Jahresgewinn erzielt hat, fortsetzen. Zumal der holperige Produktionsstart des Hoffnungsträgers Model 3 zuletzt enorm viel Geld verschlungen hat.

Positive Meldung zu Beginn des Monats

Noch Anfang des Monats gab es Berichte, die für Zuversicht sorgten: So sei es in der letzten Woche des zweiten Quartals erstmals gelungen, mehr als 5.000 Exemplare der neuen Produktlinie des Model 3 fertigzustellen. Dafür hatte Tesla eine weitere Montagelinie neben der Fabrik in Fremont in einem großen Zelt einrichten lassen.

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Die Frage ist nun, ob der Autobauer diese Produktionsrate dauerhaft halten kann. Musk schrieb, im kommenden Monat könnten es sogar 6.000 Autos werden.

Warten auf die Quartalszahlen

Etwas mehr Klarheit, wohin der Weg von Tesla führt, dürften die Quartalszahlen bringen, die am 1. August vorgelegt werden. Sollten diese positiv ausfallen und der Ausblick bestätigt werden, so könnte es wieder nach oben gehen. Bei einer weiteren Enttäuschung, dürfte der Trend in die andere Richtung zeigen.

Die Tesla-Aktie bleibt ein heißes Eisen

Bisher hat die Tesla-Aktie auf die (ungewöhnliche hohe) Menge schlechter Nachrichten kaum reagiert. Allerdings kann die Stimmung auch jederzeit gegen Tesla kippen. Nur wenn dem Unternehmen endlich gelingt, klare operative Fortschritte zu erzielen, kann die ambitionierte Bewertung gerechtfertigt werden.

Daher eignet sich die Aktie nur für sehr risikobereite Anleger, die von einer großen Zukunft von Tesla überzeugt sind. Ich mag zwar die Autos von Tesla, lasse mich jedoch nicht davon in meiner Einschätzung zur Tesla-Aktie beeinflussen. Und bei der Aktie stimmt aus meiner Sicht das Chancen/Risiko-Verhältnis nicht ganz.


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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.