Tesla ist mehr wert als jeder andere Autobauer

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs von Tesla mehr als versiebenfacht. Ist nun das Ende der Fahnenstange erreicht? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Sie werden mir bestimmt zustimmen: Kaum ein Unternehmen polarisiert an der Börse stärker als Tesla. Aficionados gibt es auf beiden Seiten. Doch während es um die Kritiker ruhig geworden ist, konnten die Befürworter des Elektroautobauers aus dem kalifornischen Palo Alto zuletzt jede Menge Punkte sammeln. Einfach weil sie eine Aktie besitzen, die sich so entwickelt hat wie die von Tesla: Eine Kursvervielfachung von 93,81 US-Dollar zum Jahresanfang auf zuletzt 695 US-Dollar ist das, was der österreichische Staatsrechtler Georg Jellinek einst als die normative Kraft des Faktischen bezeichnete.

Aufnahme in den renommierten S&P500-Index

640,9% Kursanstieg in weniger als einem Jahr, eine Marktkapitalisierung von 658,8 Milliarden US-Dollar, alle anderen Autohersteller weit hinter sich gelassen. Jede Menge Argumente, die dafür sprechen, dass Tesla-Aktionäre in diesem Jahr alles richtig gemacht haben. Mit dem heutigen Tag wird die Tesla-Aktie überdies offizielles Mitglied des breiten US-Aktienindexes S&P 500, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst.

Da dessen Mitglieder – im Gegensatz zum Dow-Jones-Index – nach der jeweiligen Marktkapitalisierung gewichtet werden, wird Tesla dort gleich zu den Schwergewichten zählen. Was nun für die Indexabbildenden Aktienfonds und ETFs zu einer veritablen Herausforderung werden könnte, denn selten zuvor wurde ein vergleichbares Schwergewicht in den Index aufgenommen. Um Tesla mit der korrekten Gewichtung in ihrem Portefeuille zu halten, sind also erhebliche Verkäufe anderer, kleinerer Titel erforderlich.

Aufnahme nicht ohne Risiko

Doch auch für Tesla ist die Aufnahme in den Index nicht ganz risikolos. Denn nach den bevorstehenden, Indexgetriebenen Eindeckungen könnten kurzfristige Rücksetzer folgen. Dies belegt eine Studie von Research Affiliates, wonach Aktien von Unternehmen, die nach ihrer Indexaufnahme gleich zu den 100 schwersten Indexmitgliedern gehörten, in den ersten zwölf Monate nach der Aufnahme durchschnittlich 7 % an Wert einbüßten. Was bei Tesla aber eher als normale Tagesschwankung bezeichnet werden kann.

Dass es zu Rücksetzern kommt, könnte auch daran liegen, dass die Aktie so schnell gestiegen ist, dass selbst Analysten, die eine Kaufempfehlung aussprechen, ein Kursziel ausgewiesen haben, das unterhalb des aktuellen Kursniveaus liegt. Einfach weil sie es nicht schnell genug anpassen konnten. Oder wollten, denn das Bewertungsniveau von Tesla hat inzwischen aberwitzige Levels erreicht.

Aberwitzige Bewertung

So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Geschäftsjahr bei 171, das EV-Umsatz-Multiple bei 14,8. Und damit auf Bewertungsniveaus, die man zuletzt während der Technologieblase des Jahres 2000 beobachten konnte. Zum Vergleich: Traditionelle Autobauer wie Volkswagen werden mit Multiplikatoren von 7,3 bzw. 1,0 bewertet. Doch Tesla sieht sich ja weniger als Autobauer denn als Technologieunternehmen. Und doch würde ich Ihnen davon abraten, bei Tesla auf fallende Kurse zu setzen.

Denn Firmengründer und Vorstand Elon Musk tut alles, um die ambitionierten Prognosen zu erreichen. Etwa indem er eine Fabrik nach der anderen eröffnet. Zuletzt in Texas oder in Grünheide, südöstlich von Berlin, wo die erste europäische „Gigafactory“ des Unternehmens entstehen soll. Für deren Finanzierung hat Tesla nun die dritte Kapitalerhöhung des laufenden Jahres angekündigt. Bis zu 5 Milliarden US-Dollar sollen diesmal eingesammelt werden.

Damit und mit den nach neun Monaten auf der hohen Kante liegenden 14,5 Milliarden US-Dollar könnte sich Tesla auch anschicken, sich den einen oder anderen etablierten Autobauer einzuverleiben. An Renault oder Nissan, mit einer Marktkapitalisierung von 12,0 bzw. 22,1 Milliarden Euro zwei eher kleinere Autobauer, könnte sich Tesla schon mal mehrheitlich beteiligen. Es könnte also spannend bleiben bei Tesla.

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Tesla im Chartcheck. Verfall: DAX wie geplant unter 14.000 Punkte abgerechnetBis zur Amtseinführung von Joe Biden wird die Börse vermutlich eher vorsichtig agieren. Wenn das Risiko aus dem Markt ist, läuft der auch wieder normal. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz