Tesla: Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen!

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Ist die von Elon Musk getwitterte Privatisierungs-Idee seines Unternehmens Tesla ernst zu nehmen? (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Die Social Media-Plattform Twitter entwickelt sich immer mehr zum Sprachrohr Einzelner, wie wir von US-Präsident Donald Trump regelmäßig vorgeführt bekommen. Auch Elon Musk, Vorstandschef von Tesla Inc. (Ticker TSLA), „zwitschert“ gerne und häufig:

Musk ist zweifellos ein Visionär. Doch bei seinem jüngsten „Twitter-Gewitter“ präsentierte er der Öffentlichkeit wohl eher (s)einen Wunschtraum:

Der Konzernchef kündigte an, er habe eine „gesicherte Finanzierung“, um Tesla zu einem Preis von 420,00 USD je Aktie zu privatisieren, also von der Börse zu nehmen. Die „wahrhaften“ Tesla-Freunde könnten dann weiterhin am Erfolg des Unternehmens partizipieren.

Die Tesla-Aktie explodierte daraufhin am Dienstag um rund +11% auf knapp 380,00 USD. Der Handel in der Aktie musste zeitweilig ausgesetzt werden.

Wir werden heute mal diese „Vision“ etwas genauer unter die Lupe nehmen. Und natürlich schauen wir auch auf die Charttechnik, um zu sehen, ob sich ein Einstieg in Tesla lohnt.

Zur Vorgeschichte

Um die Motivation hinter Elon Musks „Gezwitscher“ zu verstehen, müssen wir ein wenig zurückschauen:

Der Hersteller von Elektrosportwagen sieht sich seit Monaten harscher Kritik von Marktbeobachtern ausgesetzt. Allerdings lieferte der Konzern dafür auch regelmäßig selbst die Munition:

Immer wieder verfehlte Tesla die eigenen – vor allem von Elon Musk gerne publikumswirksam hoch angesetzten – Ziele bei den Quartals- und den Produktionszahlen. Bis heute hat es der Konzern nicht geschafft, „schwarze Zahlen“ zu schreiben.

Das führte dazu, dass die Marktteilnehmer den Tesla-Ankündigungen zunehmend misstrauten. Die Aktiengesellschaft sah sich einer stark wachsenden Zahl von Short-Sellern (Leerverkäufern) ausgesetzt.

Kurzerklärung Leerverkäufe

Falls Ihnen der Begriff „Leerverkäufe“ nichts sagt: Grob formuliert ist es eine Spekulation auf fallende Kurse.

Dazu werden – meist von Hedgefonds – Anteile einer Aktiengesellschaft verkauft, die sie in aller Regel gar nicht besitzen (daher Leerverkauf). Üblicherweise leihen sich die Leerverkäufer dafür die entsprechenden Aktien von Großaktionären gegen Zahlung einer Gebühr.

Tritt die Erwartung des Leerverkäufers ein und die Kurse purzeln kräftig, dann stellen die Leerverkäufer durch den günstigeren Rückkauf der Aktien (Eindeckung der Leerverkäufe) ihren Gewinn sicher.

Leerverkäufe ärgern Elon Musk

Genau das brachte Elon Musk „auf die Palme“, wie der Volksmund sagt: Und daher nutzte er in der jüngeren Vergangenheit jede sich bietende Möglichkeit – gerne auch via Twitter – um den Leerverkäufern die Stirn zu bieten.

In meinen Augen ein ungeeigneter Weg. Andere Aktiengesellschaften – in Deutschland beispielsweise Wirecard – haben es immer wieder vorgemacht, wie man sich gegen derartige „Short-Attacken“ effizient wehrt:

Stellungnahme, veröffentlicht über die eigene Investor Relation-Plattform, in der die von den Leerverkäufern gemachten Vorwürfe und Vermutungen dezidiert widerlegt werden.

Tesla-Kursschwankungen mindern die Arbeitsqualität

Die Tesla-Aktie unterlag aufgrund der immer wieder aufflammenden Spekulationen wildesten Kursschwankungen. Die von Musk über Twitter abgesetzte „Privatisierungs-Idee“ kann also auch als erneuter Schlag gegen die Leerverkäufer interpretiert werden.

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Nach Meinung des Tesla-Chefs belasten die ständigen Kursschwankungen die die Mitarbeiter des Konzerns, allesamt Anteilseigner. Und das wieder beeinflusse deren Arbeitsqualität negativ.

Berechtigte Zweifel an der Musk-Idee

Viele Marktexperten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der Musk-Idee: Das für eine derartige Privatisierung notwendige Kapital von rund 72 Mrd. USD sei schwer und nur von mehreren Banken gemeinsam zu stemmen.

Zudem hat bislang keine Investmentbank eine wie auch immer geartete Beteiligung an einer solchen Mega-Finanzierung angedeutet oder gar gemeldet.

US-Börsenaufsicht verlangt bereits Aufklärung

Und selbst wenn Elon Musk tatsächlich über eine gesicherte Finanzierung verfügt, dann ist der gewählte Weg der Ankündigung via Twitter schlichtweg falsch:

Gemäß den Börsenregeln, denen Aktiengesellschaften unterliegen, müssen derartige Vorhaben offiziell und formell den Anteilseignern unterbreitet und der Börsenaufsicht gemeldet werden.

Genau das hat auch die SEC – die US-Börsenaufsicht Security Exchange Commission – inzwischen auf den Plan gerufen: Sie verlangt von Tesla und Elon Musk eine Erklärung des Vorgangs.

Davon einmal abgesehen, kann die Musk-Idee in einer anderen Hinsicht nicht funktionieren: Bei einer Privatisierung wird die Aktie nicht mehr börsennotiert.

Wenn Anteilseigner dann weiterhin am Erfolg des Unternehmens teilhaben möchten, ist ein späterer Verkauf allenfalls auf privater Ebene möglich.

Großinvestoren zeigen sich wenig beeindruckt

Schauen wir zum Abschluss noch auf den Chart:

Tesla: Großinvestoren zeigen sich wenig beeindruckt

Wie der blaue Kreis belegt, konnte die Tesla-Notierung dank des Kurssprungs den Abwärtstrend seit September 2017 nach oben verlassen.

Interessanterweise stoppte die Rallye exakt vor dem im selben Monat markierten Rekordhoch von 389,61 USD. Wie die Großinvestoren sich verhalten, dokumentiert Ihnen das On-Balance-Volumen (OBV) im unteren Teil der Grafik:

Diese wichtige Anlegergruppe zeigte sich nur mäßig beeindruckt von der Privatisierungs-Idee: Der seit September 2017 andauernde Abwärtstrend im OBV konnte nicht nach oben verlassen werden.

Sollte sich das Musk-„Gezwitscher“ als Fake erweisen, droht der Tesla-Aktie wohl ein gnadenloser Ausverkauf.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.