Tesla nüchtern betrachtet

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Die Autobranche wandelt sich. Motor Nummer 1 ist Tesla. Doch ob sich die Aktie wirklich lohnt? Lesen Sie mehr! (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Sind Sie auch schon vom Hype rund um den Autobauer Tesla infiziert? Oder halten Sie wenig von der One-Man-Show von Gründer Elon Musk? Egal, wie Sie zum kalifornischen Autobauer stehen, einen nüchternen Blick auf die Zahlen haben Sie sicherlich selten gewagt. Zu oft geht es bei Tesla um Zukunftsmusik. Natürlich wird an der Börse die Zukunft gehandelt. Doch was in erster Linie zählt sind Fakten.

Wir haben für Sie bei Tesla ganz genau hingeschaut! Tesla Motors wurde 2003 gegründet und hat 2008 als erstes Unternehmen ein Automobil mit einer Batterie aus Lithium-Ionen-Zellen auf den Markt gebracht: den Tesla Roadster, der bis 2012 gebaut wurde. Die aktuelle Angebotspalette umfasst die Limousine Model S, den sportlichen Geländewagen Model X und das Model 3 für den Massenmarkt. Tesla notiert seit 2010 an der Börse.

Kunden ziehen günstiges Modell 3 vor

Nach einem profitablen 4. Quartal 2018 ist Tesla zu Beginn des neuen Jahres wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Umsatz stieg dagegen um 33%. Ausgeliefert wurden 63.000 Fahrzeuge. Das sind zwar doppelt so viel wie im Jahr zuvor, gegenüber dem 4. Quartal errechnet sich aber ein Absatzrückgang von 31%. Denn die älteren, aber hochrentablen Varianten Model S und X waren deutlich weniger gefragt.

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Für das schwache Abschneiden machte Tesla vor allem logistische Probleme verantwortlich. Viele Fahrzeuge des Hoffnungsträgers Model 3 wurden zwar im 1. Quartal auf den Weg gebracht, erreichten die Kunden aber erst im April. Entsprechend können diese Verkäufe erst im 2. Quartal als Umsätze gebucht werden. Auch im Gesamtjahr werden die langen Lieferwege wohl dazu führen, dass mehr Autos gebaut als ausgeliefert werden.

Die Begründung für den Absatzeinbruch bei den Modellen S und X überzeugte jedoch nicht. Angeblich hätten viele Kunden ihre Käufe in das 4. Quartal vorgezogen, um von der höheren E-Auto- Förderung in den USA zu profitieren. Der wahre Grund dürfte eher die Entscheidung für das günstigere Model 3 gewesen sein.

Wie Sie es mit der Aktie halten sollten

In diesem Jahr erwartet Tesla einen Absatz von 360.000 bis 400.000 Fahrzeugen. Ob der Turnaround gelingt, erscheint zweifelhaft. Tesla selbst rechnet erst im 3. Quartal wieder mit schwarzen Zahlen. Um sein Logistikproblem zu lösen, wird der Konzern neben China auch in Europa ein Produktionswerk errichten müssen. Zur Finanzierung hat sich Tesla bereits 2,7 Mrd $ am Kapitalmarkt beschafft. Bleiben Sie bei der Aktie besser an der Seitenlinie. Tesla ist uns zu heikel.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.