Tesla: Rodungsarbeiten in Grünheide gestoppt

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Tesla trifft auf deutsche Bürokratie: Per Gerichtsbeschluss wurden die Baumfällarbeiten vorerst gestoppt. Die Baugenehmigung steht noch aus. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Im beschaulichen Grünheide prallen derzeit Welten aufeinander: Umweltschützer protestieren gegen Unternehmensinteressen, der US-Visionär Elon Musk trifft auf deutsche Bürokratie.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg hat Eilanträgen der „Grünen Liga“ zugestimmt und die bereits laufenden Waldrodungen vorerst gestoppt. Tesla hatte erst kürzlich – zur großen öffentlichen Überraschung – ein 300 Hektar großes Areal in Grünheide nahe Berlin erworben, um dort seinen ersten europäischen Produktionsstandort aufzubauen.

Rodungsarbeiten ruhen bis zur OVG-Entscheidung

Die dafür erforderlichen Waldrodungen sollen durch Umsiedlungen betroffener Tierarten sowie Aufforstung an anderer Stelle kompensiert werden, wie Tesla zusicherte. Dennoch wurden die Arbeiten nun bis auf Weiteres gestoppt. Das Gericht erachtete dies als notwendig, da andernfalls vollendete Tatsachen geschaffen würden, noch ehe über das Verfahren juristisch entschieden sei.

Mehrere Umweltverbände waren zuvor am Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) mit Eilanträgen zum Stopp der Baumfällarbeiten gescheitert und legten dagegen nun Beschwerde ein. Bis zu einer endgültigen Entscheidung über diese Beschwerde müssen die Rodungsarbeiten nun ruhen.

Es ist ein erster Vorgeschmack auf das, was noch auf Tesla zukommen könnte. Die Pläne, bereits ab Sommer 2021 mit der Produktion von bis zu 500.000 E-Autos pro Jahr für den europäischen Markt zu beginnen, erscheinen jedenfalls äußerst ambitioniert.

Deutschland ist nicht China

In China war es gelungen, die erste „Gigafactory“ außerhalb der USA innerhalb eines Jahres in Betrieb zu nehmen. Nun ist Deutschland aber nicht China. Das Reich der Mitte hat erst kürzlich unter Beweis gestellt, dass es imstande ist, bei Bedarf innerhalb weniger Wochen ein Krankenhaus mit einer Kapazität für 1.000 Patienten sprichwörtlich aus dem Boden zu stampfen. Deutschland wartet seit fast einem Jahrzehnt auf die Eröffnung eines fast fertigen, allmählich schon beinahe verfallenden Flughafens in seiner Hauptstadt.

Gerade die Nähe zur Hauptstadt und eben jenem Flughafen waren bei der Tesla-Entscheidung für den Standort Grünheide wohl nicht unerheblich. Sollte das Tesla-Werk nun schneller an den Start gehen als der Flughafen, es wäre eine weitere Peinlichkeit für Deutschland in einer sehr langen Reihe von Possen rund um den BER.

Tesla: Noch keine Baugenehmigung

Doch der Weg dorthin ist noch weit. Wer schon einmal versucht hat, in Deutschland eine Baugenehmigung zu erhalten, weiß, was da noch alles auf die Amerikaner zukommen kann. Denn eine Baugenehmigung wurde bislang noch gar nicht erteilt, mit den Rodungsarbeiten wurde von Tesla „auf eigenes Risiko“ bereits vorab begonnen.

Die Mühlen der deutschen Bürokratie mahlen bekanntlich langsam. Zu beobachten ist das immer wieder bei öffentlichen Großprojekten – allzu plastisch erinnert man sich noch an die langwierigen Verzögerungen beim Bau von Elbphilharmonie oder Stuttgart 21.

Dass die öffentliche Hand im Falle der Tesla-Fabrik nur eine zweitrangige Rolle spielt, mag für das Prozedere von Vorteil sein. Ob ein Produktionsbeginn im Juli kommenden Jahres jedoch realisiert werden kann – wir bleiben gespannt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

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