Tesla-Beichte: Droht in wenigen Jahren die Pleite?

Tesla-Chef Elon Musk hat aus seiner Erfolgs-Strategie nie ein Geheimnis gemacht, ganz im Gegenteil:

Sehr offen hat er die Schritte kommuniziert, die seiner Ansicht nach notwendig sind, um einen Konzern mit einer innovativen Idee mittelfristig zum Erfolg zu führen.

Mit Blick auf die Elektro-Autos, die Tesla baut, funktioniert die Formel ungefähr so:

Erst muss man in ein hochklassiges Premium-Modell investieren, das sich nur wenige leisten können.

Und wenn das technologische Know-how sowie die Kapital-Ausstattung es zulassen, kann man sukzessive in günstigere Modelle für die breite Masse investieren.

Tesla setzt Maßstäbe

Gesagt, getan – genau diese Strategie verfolgt Tesla seit Jahren und das mit einigem Erfolg.

Immerhin setzen die Tesla-Autos heutzutage die Maßstäbe, an denen sich Elektro-Fahrzeuge anderer Hersteller messen lassen müssen. Dabei geht es v. a. um die Reichweite:

Während Tesla-Fahrzeuge schon heute mit 500 km Reichweite punkten können, machen Konkurrenz-Modelle noch bei etwa 200 km schlapp.

Aber Achtung: Die Betonung liegt auf „noch“. Branchen-Kenner halten den Tesla-Vorsprung nur noch für gering.

Bereits in wenigen Jahren dürften demnach auch alteingesessene Auto-Hersteller von Daimler bis Hyundai imstande sein, E-Autos mit entsprechender Reichweite serienmäßig auszuliefern.

Dann könnte sich die Medaille umkehren, zu Lasten von Tesla: Denn die großen Autobauer sind viel stärker in der Lage, auch große Stückzahlen zu produzieren.

Bei Tesla hingegen sind die Kosten hoch, die Produktions-Zeiten lang, die Margen niedrig und die Wartelisten immens.

Gewinne fährt die Firma kaum ein, selbst die intern angepeilten Verkaufsziele wurden bereits mehrfach verfehlt.

Noch hält Musk Investoren bei Laune

Es liegt allein an Visionär Elon Musk und seiner Überzeugungskraft, Investoren bei der Stange zu halten. Allerdings wirkt der Tesla-Gründer mitunter geradezu größenwahnsinnig:

Vor wenigen Tagen erst sprach er über Pläne zur Mars-Besiedelung. Bevor man in solchen Sphären denkt, sollte man vielleicht erst einmal die bereits bestehenden Auto-Bestellungen abarbeiten.

Mehrere Branchen-Insider äußerten sich zuletzt skeptisch über die Zukunft von Tesla; sogar von einer Pleite war die Rede.

Das scheint auf den 1. Blick eher unwahrscheinlich – allerdings nur so lange, wie Tesla seinen Vorsprung im Bereich Elektromobilität behaupten kann.

Nicht zuletzt durch politische Initiativen sind aber auch die etablierten Autobauer zunehmend gezwungen, alternative Antriebs-Technologien zu entwickeln und die Reichweite ihrer E-Autos zu verbessern.

Erst kürzlich hat etwa der Deutsche Bundesrat einen Zulassungs-Stopp für Verbrennungs-Motoren ab 2030 ins Gespräch gebracht.

Nur noch E-Autos ab 2030?

Allen Unkenrufen zum Trotz:

Technologisch dürfte das kein Problem sein und auch die Produktions-Kosten und somit die Verkaufs-Preise werden drastisch sinken, wenn die Technik erst einmal so weit ist.

Relevanter ist hier die Infrastruktur, etwa das Angebot an Ladestationen. Die allerdings obliegt den politischen Entscheidungsträgern, nicht den Autobauern.

Fazit

Noch hat Tesla bei den E-Autos zwar die Nase vorn, doch die Konkurrenz schläft nicht.

Werden Reichweite und Ladezeiten optimiert – und davon ist in den kommenden Jahren auszugehen – und gehen die ersten BMW und Co. mit E-Antrieb in die Serien-Produktion, wird Tesla sich kaum an vorderster Front behaupten können.

Es sei denn, das Unternehmen punktet bis dahin selbst mit neuen Ideen. Die Mars-Besiedelung dürfte allerdings eher nicht der rettende Anker sein…

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21. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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