Tesla: Short-Squeeze

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Die Aktie des US-amerikanischen E-Autobauers Tesla steigt von Hoch zu Hoch. Steckt ein Short-Squeeze dahinter? Und folgt darauf der große Absturz? (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Die aktuelle Kursentwicklung der Aktie des amerikanischen Elektro-Autobauers Tesla kann nur mit einem Wort umschrieben werden: Börsen-Wahnsinn! Es geht sehr schnell und sehr steil nach oben. Kritiker fragen sich warum, Tesla-Fans kommen in diesen Tagen nicht aus dem Schwärmen heraus.

Unter rationalen Gesichtspunkten gibt es jedoch fast nur eine Erklärung dafür, dass die Tesla-Aktie heute auch die 800-Euro-Marke übersprungen hat: ein Short-Squeeze.

Bevor ich Ihnen erkläre, was ein Short-Squeeze ist, muss ich Ihnen vorab erläutern, was Leerverkäufe sind. Zunächst einmal müssen Sie unterscheiden zwischen gedeckten und ungedeckten Leerverkäufen.

So funktionieren Leerverkäufe

Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren. Leerverkäufer verkaufen beispielsweise Aktien, die sie sich vorher etwa bei Fonds ausgeliehen haben.

Der Plan dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen und dem eigentlichen Besitzer zurückgeben. Den Differenz-Betrag zwischen Verkaufs- und späterem Rückkaufskurs streichen die Leerverkäufer als Gewinn ein.

Die Fonds machen dieses Spiel mit, weil sie die Aktien langfristig im Bestand halten wollen. Als Entschädigung für die Ausleihe erhalten die Fonds von den Leerverkäufern eine Leihgebühr.

Das, was ich Ihnen gerade beschrieben habe, sind sogenannte gedeckte Leerverkäufe. Gedeckt nennt man diese deshalb, weil der Leerverkäufer sich vor dem Verkauf der Aktien tatsächlich leihweise damit eingedeckt hatte.

Anders ist es bei ungedeckten Leerverkäufen, die gelegentlich auch als nackte Leerverkäufe bezeichnet werden: Dabei verkaufen die Leerverkäufer Papiere, mit denen sie sich zuvor nicht eingedeckt haben.

Im Extremfall könnte ein besonders pessimistischer Leerverkäufer dabei eine große Menge Aktien eines Unternehmens auf den Markt werfen, die es im Grunde genommen gar nicht gibt. Durch das große Angebot erzeugt er massiven Druck auf die Kurse, weil das Angebot dadurch künstlich erhöht wird.

So funktioniert ein Short-Squeeze

Solche Geschäfte können die Kurs-Ausschläge bei dem Basiswert (in unserem Fall: eine Aktie) drastisch beschleunigen; auch nach oben.

Denn sobald der Anleger die Aktien wieder zurückkaufen möchte oder muss, um den Leerverkauf zu beenden, treibt er den Kurs unter Umständen ungewollt in die Höhe. Das war beispielsweise im Jahr 2008 bei der Übernahme-Schlacht zwischen Porsche und VW der Fall.

Die Folge: Die VW-Aktie kostete zwischenzeitlich über 1.000 Euro (aktuell deutlich unter 200 Euro). VW war für einen kurzen Moment das teuerste börsennotierte Unternehmen der Welt. Dieses Phänomen wird als Short-Squeeze bezeichnet. Solche Deals sind möglich, weil eine Lieferpflicht für die Papiere meist erst nach Tagen besteht.

Meine Einschätzung: Ich denke es ist klug, sich in diesen Tagen von der Tesla-Aktie fernzuhalten. Ich würde hier weder auf weiter steigende noch auf fallende Kurse spekulieren. Kurzfristig ist hier fast alles möglich, wie schon der Short-Squeeze bei VW im Jahr 2008 demonstriert hat. Es gibt aus meiner Sicht deutlich bessere (weil berechenbarere) Investments.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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