Tesla springt auf ein neues Allzeithoch – und die Leerverkäufer bluten

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Tesla springt auf ein neues Allzeithoch. Und die Leerverkäufer bluten. Doch wie geht es nun weiter? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Für den Fall, dass Sie gerade nicht vor Ihrem Computer sitzen oder über ein Elefantengedächtnis verfügen: Am 31. Mai vergangenen Jahres notierte die Tesla-Aktie bei 185,16 US-Dollar. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele den Glauben an die Fähigkeit des Unternehmens verloren, jemals eine wettbewerbsfähige Produktionsfähigkeit aufbauen zu können, aus der Cashflows erwirtschaftet werden, mit denen die zum damaligen Zeitpunkt exorbitante Bewertung der Aktie gerechtfertigt werden hätte können.

Und heute? Am vergangenen Freitag schloss die Tesla-Aktie bei 478,15 US-Dollar, 158,2% höher als noch im Mai. Die Aktie zählte damit zu den erfolgreichsten Wertpapieren des Jahres 2019. Auslöser der Kursrally war ein Interview, das Firmengründer Elon Musk der renommierten New York Times gegeben hat und in dem er über die Privatisierung des Unternehmens sprach, also darüber, „sein“ Unternehmen von der Börse zu nehmen.

Der größte Gewinner der Rally

Von den Folgen seines Interviews profitierte Elon Musk am meisten. Nicht nur, weil er als einer der Firmengründer schon vor dem Interview mit 33,8 Mio. Aktien größter Einzelaktionär des E-Auto-Pioniers war. Sondern auch, weil er in der Zwischenzeit medienwirksam weitere Aktien in einem Gesamtwert von mehr als 30 Mio. US-Dollar über die Börse und aus Aktienoptionsprogrammen erworben hat und damit den Kritikern jeden Wind aus den Segeln nahm.

Aus einer Analyse des Wirtschaftsmagazins Fortune, die Ende vergangener Woche veröffentlicht wurde, geht hervor, dass sein Vermögen in den vergangenen acht Monaten um insgesamt 10,1 Milliarden US-Dollar angestiegen ist. Ohne Einbeziehung anderer Vermögenswerten weist Musk – bezogen auf den Wochenschlusskurs von 478,15 US-Dollar – inzwischen ein Vermögen von 16,3 Milliarden US-Dollar auf.

Und die Verlierer?

Wo Gewinner sind, muss es auch Verlierer geben. Im Fall von Tesla finden sich diese im Lager der Leerverkäufer. Die Idee hinter dem Leerverkauf von Aktien ist, dass Anleger Gewinne durch den Verkauf von Aktien machen, die sie gar nicht besitzen, sondern sich zuvor geliehen haben. Sind die Kurse anschließend wie erwartet eingebrochen, kauft sie der Leerverkäufer über die Börse zurück und gibt sie dem Verleiher – zuzüglich einer Leihgebühr – zurück. Wenn die Aktienkurse jedoch wider Erwarten steigen, verlieren die Leerverkäufer Geld, weil sie die Aktien nur zu höheren Kursen zurückkaufen können. Theoretisch ist die Höhe der Verluste damit unbegrenzt.

Gerade der Fall Tesla war von Anfang an von massiven Leerverkäufen geprägt. Daten von Bloomberg zufolge waren im Jahr 2011 mehr als 70% der im Streubesitz befindlichen Tesla-Aktien leerverkauft. Im Zuge der Kursrally der vergangenen Monate ist die Leerverkaufsquote auf 27,5 Millionen Stück Aktien oder 15,3% aller ausstehenden Aktien abgesackt.

Was auf den ersten Blick wenig aussieht, offenbart auf den zweiten Blick immer noch eine ungeheure Dynamik. Denn jeden Dollar, den die Tesla-Aktie in der vergangenen Woche auf ihrem Weg zum Allzeithoch angestiegen ist, hat die Leerverkäufe 27,5 Millionen US-Dollar gekostet. Unter dem Strich hat die vergangene Woche den Leerverkäufern Verluste etwas mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar eingebracht.

Was bei einigen Leerverkäufern Margin Calls ausgelöst haben dürfte, also einen dezenten Hinweis der Regulierungsbehörde, dass die Leerverkäufer mit ihren Positionen so schief liegen, dass ihnen das Schließen der Short-Position nahgelegt wird. Was wiederum zur Folge hat, dass sie die Aktien an der Börse zurückkaufen müssen. Sicherlich war ein Teil des Kursanstiegs auch auf diese Eindeckungen zurückzuführen.

Extrem hohes Risiko

Doch wie lange kann das noch so weitergehen? Bei einer derzeitigen Marktkapitalisierung von 86,2 Milliarden US-Dollar müsste Tesla in Zukunft nicht nur exorbitant hohe Wachstumsraten aufweisen, sondern auch seine Profitabilität massiv steigern. Bildlich gesprochen müsste Tesla bis zum Ende dieses Jahrzehnts nicht nur so groß sein wie VW – also den Umsatz von zuletzt rund 25 Milliarden US-Dollar auf 200 Milliarden Euro verachtfacht haben –, sondern auch so profitabel wie Ferrari: Der italienische Sportwagenhersteller konnte nach neun Monaten 2019 bei Umsätzen von 915 Millionen Euro ein Betriebsergebnis von 227 Millionen Euro erwirtschaften.

Von solchen Zahlen können andere Autobauer nur träumen. Doch Kritik an der Bewertung der Tesla-Aktie gab es in den vergangenen Jahren zuhauf – ohne dass sie Gehör fand. Was wiederum zeigt, dass jeder, der nun auf ein Fallen der Tesla-Aktie spekuliert, gute Nerven haben sollte.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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