Tesla: Übernahme oder heiße Luft?

Tweets von Tesla-Chef Elon Musk sorgen für wilden Spekulationen und treiben Tesla-Aktie an. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Wenn Sie das Börsenwort des Jahres suchen, ist Twitter spätestens seit gestern ein heißer Kandidat. Nicht nur der US-amerikanische Präsident Donald Trump nutzt den Kurznachrichtendienst Twitter gerne und regelmäßig für spektakuläre Tweets (so werden die Kurznachrichten bei Twitter genannt), sondern auch der Milliardär und Tesla-Gründer Elon Musk.

Gestern setzte er den wohl spektakulärsten seiner Tweets ab und schrieb: „Am considering taking Tesla private at $420. Funding secured.“ Das bedeutet frei übersetzt: „Ich denke darüber nach, Tesla für 420 US-Dollar je Aktie von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung ist gesichert.“ Daraufhin schoss die Tesla-Aktie um rund 10% nach oben, bis der Handel mit der Tesla-Aktie einige Zeit später vorübergehend eingestellt wurde.

Angefangen hatte alles mit einem Bericht der „Financial Times“, demzufolge Saudi Arabien sich mit seinem Staatsfonds in größerem Umfang an Tesla beteiligt hätte und inzwischen 3 bis 5% der Anteile an dem Elektroautobauer halten würde. Diese Nachricht gab der Tesla-Aktie auftrieb. Später folgte dann der eben zitierte Tweet von Tesla-Chef Musk.

Weitere Details zu den Aussagen von Elon Musk

Dann folgte ein Schreiben von Tesla. Darin heißt es: „Vorweg: Eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht gefällt.“ Es soll darum gehen, ein Umfeld zu schaffen, in dem Tesla am besten arbeiten könne.

Das Börsenumfeld ist dem Unternehmen bzw. Musk wohl zu turbulent geworden. Dazu passt folgende Aussage aus dem Schreiben von Tesla: „Als börsennotiertes Unternehmen sind wir wilden Schwankungen unseres Aktienkurses ausgeliefert, die eine große Ablenkung für alle sein können, die bei Tesla arbeiten.“ Darüber hinaus sorge die Pflicht, Quartalszahlen zu veröffentlichen, für enormen Druck.

Dazu habe ich Ihnen in der vergangenen Woche erst geschrieben: Ich bin der Meinung, dass es ausreichen würde, wenn Unternehmen nur ihre Jahresbilanz und vielleicht noch ein unterjähriges Update veröffentlichen würden. Die Konzentration auf Quartalsbilanzen und die teils heftigen Schwankungen nach Veröffentlichung dieser sind nicht zielführend.

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Insofern verstehe ich Musk an dieser Stelle. Allerdings ist die Kritik von Musk an den Spekulanten, die auf den Niedergang von Tesla wetten und an der Wall Street allgemein schon etwas komisch. Schließlich hat Tesla in den vergangenen Jahren durch den Börsengang und spätere Kapitalerhöhungen viele Milliarden US-Dollar von Investoren eingesammelt, was ohne die Börse nie möglich gewesen wäre.

Viele offene Fragen

Abgesehen davon bleiben viele Fragen offen. Beispielsweise die, woher das Geld für den Börsenrückzug von Tesla kommen soll? Bei einem Kaufpreis von 420 US-Dollar je Aktie würde Tesla immerhin auf einen Wert von 82 Mrd. US-Dollar kommen. Musk ist reich, aber nicht so reich.

Rechtsprofessor John C. Coffee von der Columbia Law School sagte dem Portal Yahoo Finance, dass Musk nach seiner gestrigen Ankündigung den Nachweis erbringen müsse, dass die Finanzierung stehe. Wenn er dies nicht belegen kann, so Coffee, riskiere er einen großen Rechtsstreit. Denn dann hätte Musk den Aktienkurs mit heißer Luft nach oben getrieben. Das könnte als Marktmanipulation ausgelegt werden.

Auch ist die Frage interessant, was die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC dazu sagt, dass Musk kursrelevante Nachrichten während der öffentlichen Börsenhandelszeiten via Twitter veröffentlicht und nicht als Ad-hoc-Mitteilung an alle Investoren.

Eine weitere Frage, die ich mir stelle: Wie kommt Musk auf die in seinem ersten Tweet geäußerten 420 US-Dollar je Aktie und warum dieser Aufschlag? Damit hat er womöglich einen Börsenrückzug von Tesla unnötig verteuert. Und was passiert, wenn es nicht zum Börsenrückzug kommt und Tesla stattdessen demnächst eine Kapitalerhöhung durchführt?

Kapitalbedarf dürfte bei Tesla angesichts der laufenden Verluste demnächst jedenfalls wieder einmal vorhanden sein. Sie sehen: Es gibt in dieser Sache im Augenblick mehr Fragen als Antworten. Ich bleibe für Sie am Ball.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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