Tesla: Verblüffend schwache Absatzzahlen treiben Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn

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Tesla: Firmenboss Elon Musk muss seine Fangemeinde enttäuschen. Schwache Absatzzahlen und Probleme mit der Massenfertigung lassen Aktie in den Keller sacken. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Die Erwartungen waren hoch und wurden bitter enttäuscht. Mit den gerade vorgelegten Absatzzahlen hat der Elektroautopionier abermals seine ambitionierten Prognosen verfehlt. Da lässt sich auch nichts schönreden. Kein Wunder, dass die erste Reaktion der Anleger auf die verblüffend starke Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit so deutlich ausfiel.

Direkt nach Vorlag der Geschäftszahlen sackte der Kurs um mehr als 10% ein. Bei einem Tagesminus von mehr als 8% gingen die Papiere aus dem Rennen, womit beinahe 4 Milliarden Dollar an Marktwert ausradiert wurden.

Mieser Jahresauftakt – Absatz knickt fast um ein Drittel ein

Die Enttäuschung der Anleger war groß und das aus gutem Grund. Immerhin sackte der Absatz der Tesla-Wagen deutlich in den Keller. Insgesamt wurden mit 63.000 Fahrzeugen im ersten Quartal fast ein Drittel (-31%) weniger Elektroflitzer abgesetzt als im Jahr zuvor. Auch der Blick ins Detail sorgte nicht für Erleichterung. Vom Hoffnungsträger Model 3, mit dem Tesla die breite Masse erreichen möchte, wechselten nur 50.900 Stück den Besitzer. Sie müssen wissen: Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es noch 20% mehr.

Auch bei Luxusmodellen, der teureren Modell-S-Limousine und des Sport Utility Vehicles Modell X lief es deutlich schlechter als erwartet. Ganz unerwartet dürfte das für die Anleger aber nicht gekommen sein. Bereits im Januar hatte der Konzern seine Produktionsziele zurechtgestutzt. Vorzieheffekte dürfte es im Schlussquartal gegeben haben, weil die Kunden sich beeilten, rechtzeitig für den vollen Anreiz von 7.500 US-Dollar zu kaufen.

Förderprämien laufen aus

Für die Analysten war schnell klar: Der Absatzeinbruch ist die Konsequenz aus den auslaufenden Förderprämien in den USA, die in der Vergangenheit beim Kauf oder Umstieg auf einen Elektrowagen die Nachfrage noch befeuert hatten. Zu Ihrer Informationen: Seit dem 01. Januar wurden die Kaufanreize in den USA halbiert.

Jetzt kehrt sich der Effekt um und lässt die Absatzzahlen stärker als befürchtet in den Keller purzeln. Dennoch machen die vorgelegten Ergebnisse vor allem auch deutlich, dass die Expansion nach Europa und China kein Selbstläufer ist und die Nachfragesituation auf dem wichtigen Heimatmarkt aktuell nicht ausgleichen kann.

Tesla steht vor logistischer Herkulesaufgabe

Tesla hatte für das schwache Abschneiden eine komplett andere Erklärung und verwies auf die logistischen Herausforderungen. Der US-Konzern gilt zwar als Pionier im Elektroautobereich, kämpft aber mit den Problemen der Massenfertigung. Offenbar stellten die Bestellungen aus Europa und Asien den Konzern vor enorme logistische Probleme.

Elon Musk tritt auf die Kostenbremse

Dabei sorgte zuletzt immer wieder die verwirrende Kommunikationspolitik des Firmenchefs Elon Musk für Kopfschütteln. Zuerst sagte der CEO im Januar, dass das Unternehmen etwa 7% der Mitarbeiter abbauen würde – mehr als 3.000 Arbeitsplätze. Ende Februar verband Tesla seine Ankündigung des Basismodells 3 und Preissenkungen in seiner gesamten Produktpalette mit einem Plan, alle bis auf eine kleine Anzahl von Geschäften zu schließen, alle Bestellungen online zu verlagern und eine ungezählte Anzahl von Vertriebs- und Marketing-Mitarbeitern zu entlassen.

Wenige Tage später ruderte Musk wieder zurück. Es bleiben mehr Läden offen als geplant und die Preise werden um 3% erhöht, weil nun doch mehr Mitarbeiter beschäftigt werden. Im Februar wurden die Preise erst um 6% gesenkt.

Konzern hält weiter an sportlichen Jahreszielen fest

Trotz aller Widrigkeiten hält Firmenchef Musk weiter an seinen Jahreszielen fest. Ungeachtet des enttäuschenden Jahresauftakts sollen im Gesamtjahr zwischen 360.000 und 400.000 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden. Allerdings dürfte der US-Konzern dabei wieder in die Verlustzone rutschen. Vor diesem Hintergrund scheint ein Marktwert von 46 Milliarden Dollar kein Pappenstiel.

Damit bleibt die Aktie vorerst eine Wette, an der sich auch in den nächsten Quartalen wohl die Geister scheiden werden. Neben der Marktentwicklung, der Absatzsatzsituation, den emporstrebenden Rivalen dürften die Anleger auch gespannt sein, ob sich Musk mit seinen verwirrenden Tweets zukünftig zurückhalten wird.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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