Tesla: Verhalten von Elon Musk immer skurriler

Die Anzeichen mehren sich, dass Elon Musk, schillernder Chef des US-Elektroautopioniers Tesla, kurz vor seiner Ablösung steht. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Eines kann man Elon Musk, dem Gründer, CEO und Chairman des US-Elektrowagenbauers Tesla nicht vorwerfen: Langweilig zu sein. Ganz im Gegenteil.

Nachdem er Anfang August in einem inzwischen bereits Kultstatus erreichten Tweet mitgeteilt hatte, unter Umständen sein Unternehmen von der Börse zu nehmen und die dafür notwendige Finanzierung – immerhin etwa 70 Milliarden US-Dollar – bereits gesichert zu haben, folgte Ende August, vergleichsweise kleinlaut, der Rückzug von den Rückzugsplänen. Dass dies auch daran gelegen haben könnte, dass zwischenzeitlich die Börsenaufsicht SEC den Wahrheitsgehalt des milliardenschweren Delisting überprüft hat, ist indes nur ein Gerücht.

Nur eine Personalie unter vielen

Kein Gerücht hingegen ist eine weitere Personalie. Nur vier Wochen nach seinem Amtsantritt ist der Chefbuchhalter des Unternehmens, Dave Gordon, am vergangenen Freitag bereits wieder ausgeschieden – was an der Börse heftige Kursreaktionen nach sich zog: Nicht weniger als 6,3% verlor die Tesla-Aktie im Nachgang der kurzen Meldung und schloss den freitäglichen Handel bei 263 Dollar. Von den Spitzenwerten zu Beginn der Amtszeit des 46-jährigen Gordon ist die Aktie damit bereits 120 Dollar entfernt.

In einer persönlichen Meldung an die Börsenaufsicht SEC stellte Gordon unmissverständlich klar, dass er einen „starken Glauben an Tesla, ihre Mission und ihre Zukunftsaussichten“ habe und es weder Meinungsverschiedenheiten mit dem Management noch über die Buchhaltung von Tesla gegeben habe. Als Begründung für seinen überraschenden Ausstieg gab er an, dass Tesla seit seinem Dienstantritt zu sehr im öffentlichen Rampenlicht gestanden habe, was ihm, dem ehemaligen Finanzchef von Seagate Technology, nicht behagt habe.

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Vermutlich war es diese fadenscheinige Begründung, die den Kursverfall am Freitag nochmals beschleunigte. Denn zum einen war Musk schon vor Gordons Amtszeit eine schillernde Figur, zum anderen verzichtet Gordon durch sein Ausscheiden auf ein Aktienpaket im Wert von immerhin 10 Mio. Dollar. Kein geringes Schmerzensgeld dafür, sich nicht weiter mit den Finanzzahlen von Tesla auseinander setzen zu müssen.

Ein kiffender Musk, live im Internet

Und doch hoch genug, als dass die Investoren nicht den Eindruck bekamen, das Ausscheiden Mortons könnte vielleicht doch etwas mit Meinungsverschiedenheiten über die Buchhaltungspraxis des Elektroautopioniers zu tun haben. Oder war es womöglich nur das inzwischen selbst Tesla-Afficionados spaltende Verhalten Musks, der tags zuvor während eines live ausgestrahlten Webcasts des hierzulande eher unbekannten US-Komikers Joe Rogan genüsslich an dessen Joint zog und einen zuweilen abwesenden, wenn nicht gar verwirrten  Eindruck hinterließ.

Unter Umständen müssen sich die Anleger ohnehin an die dauerhafte Abwesenheit von Musk gewöhnen. Denn dieser wurde, ebenfalls am Donnerstag, in einer Sammelklage wegen Kursmanipulation verklagt – wofür in den USA langjährige Gefängnisstrafen drohen. Kläger ist niemand geringeres als Adrew Left, seines Zeichens Firmengründer von Citron Research, einem auf Short-Selling ausgerichteten Online-Newsletter. Sollte seine Klage zugelassen werden, dürfte Musk als CEO nicht mehr zu halten sein, genauso wenig wie der Börsenkurs von Tesla.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.