Tesla verpasst die Aufnahme in den S&P 500

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Wenn die Gewinne eines Autobauers mehrheitlich nicht aus dem Verkauf von Autos stammen: Tesla verpasst die Aufnahme in den S&P 500. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Kennen Sie auch schon die Banking-Plattform Robinhood? Populär wurde der Finanzdienstleister, auf dem Kunden nach eigenen Angaben kommissionslos handeln können, weil auf ihm recht bequem nachvollzogen werden kann, welche Aktie gerade besonders im Fokus der Anleger ist. Überraschenderweise ist der Spitzenreiter aktuell: Tesla.

Mehr als verfünffacht

Überraschend, weil die Aktie, die sich seit Jahresanfang von 83 US-Dollar auf nunmehr 418 US-Dollar mehr als vervierfacht hat, bei vielen Anlageprofis als massiv überbewertet wird. Zum Teil lässt sich diese Einstellung auch begründen, denn das Unternehmen wird bei einer Marktkapitalisierung von 390 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr gerade einmal Umsätze von 30 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Unter Einbeziehung der Verschuldung entspricht dies einem Multiplikator von aktuell 13,4, ein Wert also, zu dem Autobauer typischerweise nicht gehandelt werden.

Profitabelster Autobauer der Welt?

Fans von Tesla reden sich die Bewertung denn auch damit schön, dass sie argumentieren, Tesla sei weniger ein Autohersteller als ein Technologieunternehmen. Und weisen darauf hin, dass Tesla inzwischen sogar profitabel geworden wäre – viel früher, als dies von den Skeptikern erwartet worden wäre. In der Tat hat Tesla in jedem einzelnen der vergangenen vier Quartale operative Gewinne erwirtschaftet. Die Betriebsgewinne summieren sich in diesem Zeitraum auf bemerkenswerte 1,2 Milliarden US-Dollar – nachdem in den Jahren 2017 und 2018 kumulierte Verluste von 1,9 Milliarden US-Dollar angefallen sind.

Manche bezeichnen Tesla nun sogar als den profitabelsten Autobauer der Welt, zumindest wenn man das Betriebsergebnis je verkauften Pkw berechnet. Deshalb war es für die Tesla-Jünger auch ein Schock, dass die Aktie Ende der vergangenen Woche nicht in den renommierten S&P 500-Index aufgenommen wurde. Das Unternehmen S&P Dow Jones Indices, das für die Zusammensetzung des Index zuständig ist, bestimmt, teilte am Freitagnachmittag mit, dass der Online-Marktplatz Etsy, das Technologieunternehmen Teradyne und das Pharmaunternehmen Catalent bei seiner vierteljährlichen Neugewichtung hinzugefügt werden würden; nicht aber Tesla. Bei den Tesla-Aktionären, die die in der Erwartung einer Index-Aufnahme auf neue Höchststände katapultiert hatten, trat daraufhin Ernüchterung ein. Die Anteilsscheine verloren seit Freitag knapp ein Fünftel ihres Wertes.

Wenn Gewinne nicht aus dem Verkauf von Autos stammen

Anscheinend haben sich die Verantwortlichen für die Zusammenstellung des Indexes die jüngsten Finanzzahlen von Tesla genauer angesehen als viele Investoren, die das Papier zuvor hochgejubelt haben. Denn die jüngste Profitabilitätsverbesserung von Tesla ist zum überwiegenden Teil nicht auf den Verkauf von Autos zurückzuführen, sondern auf den Verkauf von CO2-Zertifikaten.

Ohne diese wäre Tesla wohl weiterhin defizitär. Und das wiederum spricht grundsätzlich gegen eine Aufnahme in den S&P 500 – im Gegensatz etwa zum DAX, wo mit Delivery Hero unlängst ein Unternehmen aufgenommen wurde, dessen Geschäftsmodell möglicherweise nie profitabel werden wird. So einfach ist es in den USA aber nicht: Um sich für die Aufnahme in den S&P 500 zu qualifizieren, in dem bekanntlich die 500 schwersten US-amerikanischen Titel aufgenommen werden, muss ein Unternehmen über vier aufeinander folgende Quartale profitabel gewesen sein. Tesla-Aktionäre werden also noch länger auf die Aufnahme in den renommierten Index warten.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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