Tesla: Visionen ja, wirtschaftlicher Erfolg nein

Der deutsche Leitindex DAX hat heute nur knapp das Jahreshoch verpasst und nähert sich der Marke von 10.500 Punkten.

Das Jahreshoch ist in Sicht, aber das Allzeithoch aus dem Jahr 2015 ist noch weit entfernt. Dafür benötigen wir noch mehr positive Konjunkturdaten und weitere starke Unternehmens-Zahlen.

In den vergangenen Tagen habe ich hier im „Schlussgong“ mit Daimler und BMW über 2 große deutsche Autobauer berichtet, die zuletzt reihenweise gute Zahlen vorgelegt haben und zudem über gute Perspektiven verfügen.

Dennoch stehen die Aktien von Daimler und BMW seit Monaten nicht besonders hoch in der Gunst vieler Anleger. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie (z. T.) irrational.

So sieht es bei Tesla derzeit aus

Ganz anders sieht es bei dem kalifornischen US-Elektro-Autobauer Tesla aus: Tesla legte zuletzt regelmäßig schlechte und objektiv enttäuschende Zahlen vor – steht aber dennoch bei vielen Anlegern sehr hoch im Kurs.

Der Grund: Tesla – und allen voran Tesla-Chef und Unternehmens-Gründer Elon Musk – „verkauft“ eine Vision. BMW und Daimler dagegen verkaufen „nur“ Autos.

Ich halte Elon Musk für einen Visionär, der viele gute Dinge angestoßen hat. Ob er jedoch auch ein guter Unternehmer ist, daran habe ich große Zweifel.

In jedem Fall muss man ihm zugute halten, dass er es geschafft hat, die traditionellen Autobauer dazu zu bringen, sich mit alternativen Antriebs-Technologien zu beschäftigen.

Damit hat Musk ganz sicher einen Beitrag dazu geleistet, dass es zukünftig weniger CO2-Emissionen gibt als heute. Aber schafft es Musk auch, Tesla-Aktionären zu nachhaltig mehr Geld zu verhelfen? Ich jedenfalls bin davon nicht überzeugt.

Es gibt mehrere Gründe, die mich daran zweifeln lassen, dass der Konzern nachhaltigen Erfolg haben wird. Ein Grund sind die abermals enttäuschend ausgefallenen Zahlen, die Tesla vergangene Woche präsentiert hat.

Die jüngsten Zahlen im Überblick

Tesla ist im abgelaufenen 2. Quartal 2016 tiefer in die Verlustzone gerutscht. Der Verlust stieg im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum von 184,2 auf 293,2 Mio. US-Dollar. Der Umsatz legte um 33% auf 1,3 Mrd. US-Dollar zu.

Analysten hatten mit deutlich besseren Ergebnissen gerechnet. Die Anleger reagierten wegen deutlicher Produktions-Steigerungen dennoch leicht positiv. Tesla erklärte, auf gutem Kurs zu sein, im 2. Halbjahr 50.000 Fahrzeuge auszuliefern.

Zu Ihrer Einordnung: Das wäre fast so viele wie im gesamten Jahr 2015. Allerdings hat Tesla-Chef Musk zuletzt regelmäßig die eigenen Prognosen verfehlt.

Mark B. Spiegel, US-amerikanischer Hedgefonds-Manager, sagte kürzlich in einem Interview zum Thema Tesla, dass er angesichts der Probleme bei Tesla damit gerechnet hätte, dass der Aktienkurs um 100 US-Dollar hätte einbrechen müssen.

Die Belastungs-Faktoren: Tesla steht vor einer strittigen Übernahme von Solar City, einem ebenfalls hochgradig defizitären Unternehmen.

Der Konzern verfehlte bei den Quartalszahlen erneut sämtliche Prognosen wie Erwartungen und hat zudem noch Ermittlungen gegen sich laufen, wegen einiger Unfälle, die durch den Tesla-Autopiloten verursacht wurden.

Spiegel sagt im Hinblick auf die Tesla-Aktie: „Die Blase ist stabiler, als viele gedacht haben – aber sie kann jederzeit platzen.“ Dazu müssen Sie allerdings wissen, dass Spiegel auf fallende Kurse der Tesla-Aktie setzt.

Wie geht es bei Tesla nun weiter?

Wie es bei Tesla weitergeht, kann ich Ihnen nicht sagen. Es kommt darauf an, ob Tesla immer wieder frisches Geld von den Aktionären bekommt, um die Löcher in der Bilanz zu stopfen.

Die entscheidende Frage lautet: Wird Tesla profitabel, bevor die Geduld der Investoren erschöpft ist?

Daher sollten konservative Anleger einen Bogen um die Tesla-Aktie machen und stattdessen auf Aktien von traditionellen Autobauern setzen, die schon jetzt hohe Gewinne erzielen und die neben Otto- und Diesel-Fahrzeugen auch Elektro-Fahrzeuge herstellen.

Dazu zählen aus Deutschland beispielsweise BMW, Daimler und Audi.

8. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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