Tesla: Wenn einem Vorstandschef der Kragen platzt

Tesla-Chef Elon Musk verliert die Kontrolle: Wie eine bizarre Telefonkonferenz einen Kurssturz auslösen kann. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Ab und zu muss sich auch ein ansonsten viel beschäftigter und sich als visionär einschätzender Vorstands-Chef wie Elon Musk in die Niederungen von uns Sterblichen bewegen. So geschehen in der vergangenen Woche, als der Gründer des Elektro-Autobauers Tesla während der Vorlage des Quartalsberichts in einer Telefonkonferenz mit seinen Anteilseignern und den noch unbeliebteren Finanzanalysten Rede und Antwort stehen sollte.

Herr zahlreicher Firmen

Für Elon Musk sind derartige Pflichtveranstaltungen ausgesprochen lästig. Viel lieber würde sich Musk um die operativen Probleme von Tesla oder der Entwicklung seiner sonstigen Projekte kümmern, darunter SpaceX, einem Raumfahrtunternehmen, SolarCity, einem Anbieter von Solarstromanlagen, Hyperloop, einem Entwickler von Hochgeschwindigkeitszügen oder Neuralink, das sich mit der Erforschung des menschlichen Gehirns auseinandersetzt).

Lästig nicht nur, weil es aus seiner Sicht nebensächlich ist, wann ein Unternehmen kein Geld mehr verbrennt und ob zur Schließung der riesigen Liquiditätslücken doch wieder eine Kapitalmaßnahme erforderlich ist, sondern auch, weil Elon Musk manche seiner Aktionäre und Multiplikatoren für minderbemittelt einstuft.

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Drastische Ausfälle ohne Respekt

Davon konnten sich die Teilnehmer der letztwöchigen Telefonkonferenz aus erster Hand selbst überzeugen. Zunächst entgegnete das Enfant Terrible der Tech-Unternehmer die Frage eines Analysten zur Kapitalausstattung von Tesla damit, dass dies die „dumme Frage eines Armleuchters (im englischen nannte er ihn „Bonehead“) sei, die einfach nur un-cool sei“, nur um auf die nächste Frage 15 Sekunden zu schweigen, sich dann bei eingeschalteten Mikrophonen über die langweiligen und trockenen Fragen zu beschweren, die ihn irgendwann noch umbringen würden. Lieber ließe er sich da noch von Privatanlegern über seinen YouTube-Kanal befragen, da würden ihm noch sinnvollere Fragen als von Kapitalmarkt-Profis gestellt.

Selbst über den Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sich Elon Musk während der Telefonkonferenz ausgelassen – ebenfalls nicht im Positiven. Auf die Anmerkung eines ihm wohlgesinnten Bloggers, der den CEO von Daimler damit zitierte, die Lastwagenbatterien von Tesla würden die Gesetze der Physik infrage stellen, entgegnete Musk, dass Zetsche einfach keine Ahnung von Physik habe. Ganz im Gegensatz zu ihm, der dieses Fach immerhin studiert habe.

Wie will Tesla die bevorstehende Liquiditätslücke schließen?

Den Gesetzen des Kapitalmarktes kann sich jedoch auch ein Elon Musk nicht entziehen. Analystenschätzungen zufolge verbrennt Tesla in diesem Jahr zwischen 2,5 und 3,0 Mrd. US-Dollar. Musk meint dagegen, bereits im dritten Quartal positive Cashflows erzielen zu können und kein frisches Kapital mehr zu benötigen. Angesichts der jüngsten, eher überschaubaren Absatzzahlen scheint sich da beim Tesla-Vorstand ein Realitätsverlust abzuzeichnen, den die Aktionäre früher oder später zu spüren bekommen werden.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.