Teva-Aktie: Buffett-Einstieg katapultiert Aktie in die Höhe

Teva Pharmaceuticals: Buffett-Einstieg sorgt für kräftiges Kursplus. Lesen Sie, warum der Generika-Riese eine lupenreine Turnaround-Spekulation ist (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Die guten Nachrichten hatten in den vergangenen Jahren Seltenheitswert bei der Ratiopharm-Mutter Teva Pharmaceuticals. Seit 2015 bis November letzten Jahres war die Aktie im Sinkflug und krachte von 70 Dollar bis auf 11 Dollar in den Keller. Und das mit gutem Grund. Der Preisverfall für Generika auf dem US-Markt hat Teva immer tiefer in die Krise getrieben. Zuletzt musste der Konzern sogar den höchsten Verlust der Pharmageschichte vermelden.

Dennoch hat sich der Aktienkurs zunehmend stabilisiert. Für den jüngsten Kurssprung auf knapp 21 Dollar war eine Veränderung im Aktionärskreis Ausschlag gebend. Denn mit Warren Buffett hat sich eine Investmentlegende an Teva beteiligt, der schon oft einen guten Riecher für Turnaround-Firmen bewiesen hat.

Investmentlegende steigt bei Teva ein

Wie jedes Quartal ist es spannend, wenn Top-Investoren wie Warren Buffett Ihre Beteiligungen und Veränderungen in den Aktienpositionierungen offenlegen müssen. Dies geschieht immer mit einer Verzögerung von 90 Tagen nach dem abgelaufenen Quartal in den sogenannten 13F-Filings, die für jeden Investor auf der SEC-Seite (US-Börsenaufsicht) einsehbar sind.

So hat am vergangenen Donnerstag als die Investmentlegende Warren Buffett eine neue Position in Teva Pharmaceuticals gemeldet hat und damit einen Kurssprung in der Aktie ausgelöst hat. Um schlappe 1,4 Milliarden Dollar hat sich der Marktwert innerhalb weniger Stunden erhöht. Wie ist der Einstieg zu bewerten?

Messen Sie dem Einstieg nicht zu viel Bedeutung  bei

Ohne Frage ist es ein gutes Signal, wenn sich einer der weltbesten Investoren eine bestimmte Aktie ins Portfolio legt. Sie können ja schließlich davon ausgehen, dass auch Buffett sich das Geschäftsmodell und die Perspektiven des Konzerns ebenso wie die Bewertung genau angeschaut hat. Aber Sie sollten dabei das große Bild nicht aus den Augen verlieren. Denn Buffett hat zwar 18,88 Millionen Aktien des israelischen Pharmakonzerns für 357 Millionen Dollar gekauft.

Das entspricht aber mit 0,19% nur einem Bruchteil seines Gesamtportfolios und sollte daher nicht überbewertet werden. Wenn Buffett von Aktien richtig überzeugt ist,  sind seine Positionen oft über 10% groß. So machen die Top 4 Positionen bei ihm alleine 53% seines Gesamtportfolios aus.

Teva steckt tief in der Krise

Bei all dem Optimismus um den Einstieg Buffetts sollten Sie keinesfalls vergessen, dass Teva Pharmaceuticals eine absolute Turnaround-Spekulation ist. Normal zeichnet sich die Pharmabranche durch hohe Gewinnmargen jenseits der 20%-Marke aus. Bei Teva müssen Sie solche Gewinnspannen aber lange suchen. Zuletzt beendete der Konzern bei einem Jahresumsatz von 22,4 Milliarden Dollar das Geschäftsjahr sogar mit einem satten Verlust von 16,4 Milliarden Dollar. Damit erwirtschaftete Teva den höchsten Jahresverlust, der jemals in der Pharmabranche von einem Unternehmen ausgewiesen wurde.

Auch beim Umsatz sieht es schlecht aus. Zwar lag der Jahresumsatz in 2017 um 2% über dem Vorjahr, aber ohne Zukäufe waren die Umsätze um 20% unter dem Niveau von 2015.

US-Generikamarkt sorgt für schlechte Laune

Auslöser für den hohen Fehlbetrag waren massive Wertberichtungen und Firmenwert-Abschreibungen in Höhe von rund 21 Milliarden Dollar auf Generika-Aktivitäten in den USA. Dort hatte sich Teva vor zwei Jahren mit der rund 40 Milliarden Dollar teuren Übernahme der Generikasparte von Actavis (heute Allergan) verhoben. Im Nachhinein ein Riesenfehler. Der Kaufzeitpunkt hätte nämlich kaum schlechter sein können. Direkt nach dem Deal setzte auf dem US-Markt deutlicher Preisdruck ein, der die Geschäfte der gesamten Branche schrumpfen ließ.

Massiver Jobabbau geplant

Die Situation hat sich vierten Quartal offenbar weiter zugespitzt. Die zunehmende Konsolidierung der Abnehmer wirkt sich anhaltend negativ auf die Preise aus. Zugleich sorgen erhöhte Produktzulassungen von neuen Nachahmer-Produkten (Generika) und zunehmender Wettbewerb für Gegenwind. Als wäre das noch nicht genug, ist auch der Patentschutz bei dem wichtigen Mittel Copaxone gegen Multiple Sklerose abgelaufen, was für einen starken Umsatzeinbruch gesorgt hat.

Teva versucht nun mit drastischen Maßnahmen gegenzusteuern und will sich von 14.000 Mitarbeitern trennen. Das wird auch nötig sein, denn Firmenchef Kare Schulz rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang von bis zu 17% im laufenden Geschäftsjahr. Gleichzeitig drückt die Schuldenlast (knapp 32 Milliarden Dollar) auf dem Konzern. Es bleibt also abzuwarten, was im Jahresverlauf passiert. Mit Teva hat sich Buffett jedenfalls kein einfaches Investment ins Depot gelegt.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.