Teva gibt Mylan-Plan auf und übernimmt Allergans Generika-Geschäft

Der Beginn der neuen Handelswoche hatte es in sich. Nach dem tiefsten Absturz des Shanghai Composite seit 2008 (-8%), präsentierten sich auch die deutschen Indizes in Rot.

DAX und MDAX gehen 2,5% in die Knie. Investoren sind besorgt, dass die US-Notenbank FED in dieser Woche einen sehr konkreten Hinweis liefern wird, wann der Zins in diesem Jahr wieder angehoben wird.

Das macht nämlich Investitionen in riskanteren Marktregionen – wie China – weniger attraktiv und könnte das für chinesische Verhältnisse ohnehin schon geringere Wachstum weiter schwächen.

Während im DAX alle Werte abgeben müssen, hat im MDAX wenigstens ein Unternehmen ein grünes Vorzeichen: Stada. Dass der Bad Vilbelner Generika-Hersteller heute den Tag im Plus beendet, liegt aber nicht an starken Geschäftszahlen oder an einer Analysten-Hochstufung. Stada profitiert vom nächsten Milliarden-Deal in der Pharma-Branche.

Mylan zückt Giftpille und wehrt sich erfolgreich gegen Teva

Der israelische Pharma-Konzern Teva Pharmaceuticals hat heute bekannt gegeben, dass man sich mit dem britischen Konkurrenten Allergan auf den Kauf der Generika-Sparte verständigt hat. Als Kaufpreis wurden 40,5 Mrd. US-Dollar in Cash und Aktien ausgemacht.

Der Deal ist eine kleine Überraschung, denn eigentlich wollte Teva den US-Konkurrenten Mylan für etwa den gleichen Betrag kaufen. Mylan machte jedoch seit Bekanntgabe der Teva-Pläne klar, dass man lieber eigenständig bleiben wolle.

Um dem Nachdruck zu verleihen, wurde eine Giftpille ausgespielt, die eine Übernahme so gut wie unmöglich machte. Die Giftpille ist in etwa vergleichbar mit einer Kapitalerhöhung bei der ein Mylan-treuer Aktionär 50,1% der Stimmrechte erhält.

Teva-Investoren greifen nach Deal-Ankündigung und Prognose-Anhebung zu

Als Teva erkannte, dass Mylan nicht zu haben ist, kam Plan B auf. Teva schaute sich nach Alternativen um und wurde bei Allergan fündig. Gerüchteweise soll Allergan die Sparte zum Verkauf gestellt haben, nachdem das Management eine Chance witterte, von der nach Übernahme-Chancen suchenden Teva viel Geld zu bekommen.

Andere Gerüchte besagen, dass Investmentbanker die Initiative starteten. So oder so: Der Deal wird von Teva-Investoren begrüßt. Nachdem die Israelis auch noch gute Zahlen vorlegten, stieg das Papier um rund 10%.

Die Allergan-Sparte als Mylan-Ersatz zu kaufen wurde auch von Analysten begrüßt. Da nun Investoren auch nicht mehr befürchten müssen, dass Teva für Mylan einen ungerechtfertigt hohen Preis bietet, ist die Kursreaktion verständlich.

Mylan-Management muss nun beweisen, dass Teva-Angebotsablehnung richtig war

Ebenfalls positiv ist der Deal für die Allergan-Investoren. Diese zeigten sich zufrieden über den erzielten Preis und schickten die Aktie rund 7% nach oben.

Profitiert hat auch der in den USA gelistete Pharma-Konzern Perrigo. Jetzt wo Teva nicht mehr Mylan haben will, ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Mylan sich voll auf eine Perrigo-Übernahme konzentriert.

Der Druck ist groß, schließlich hat Mylan immer wieder darauf verwiesen, dass man nicht übernommen werden will, weil man mit Perrigo eine erstklassige Zukunft hat.

Perrigo will aber im Moment noch nicht übernommen werden, sodass der Mylan-Plan sehr kostspielig werden kann. Da auch die Chance weg ist von Teva gekauft zu werden, kommt die Aktie heute unter die Räder und verliert 15%.

27. Juli 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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