Thailand: Inflation ist dort ein Sonderfall

Thailand: Die Inflation geht hier nach ihren ganz eigenen Regeln vor. Alles zum 'Sonderfall Thailand' erfahren Sie hier. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Ich schlage die Zeitung auf, und die Nachrichten erschrecken mich: Hunger-Revolten überall in der Welt.

Der Grund: Steigende Lebensmittelpreise. Weizen, Reis – alles wird teurer, überall, ohne Unterschied.

Wenn ich im Supermarkt mehr Geld für Milch oder Brot ausgeben muß, dann ist das zwar ärgerlich, aber machbar. In anderen Ecken der Welt sieht das anders aus. Thailand ist ein Sonderfall.

Kerninflationsrate in Thailand steigt moderat

Die Inflationsrate in Thailand stieg im ersten Quartal 2008 auf 5%. Das ist ein hoher Wert, der Vorjahreswert lag bei 2,4 Prozent.

Die Kaufkraft nimmt bei privaten Haushalten und Unternehmen gleichermaßen ab.

Die Preise in Thailand sind vor allem seit vergangenem Dezember kräftig gestiegen: Die Thais müssen im Jahresvergleich 41 Prozent mehr für Schweinefleisch berappen.

Hühnerfleisch kostet 19,5 Prozent mehr, Eier und Milchprodukte 13,9 Prozent, Früchte und Gemüse 10 Prozent.

Klar, dass auch die Spritpreise durch die Decke gehen. Die Autofahrer im Königreich legen ein Viertel mehr auf den Tresen als noch vor einem Jahr. Ein Glück, dass die Kerninflationsrate um lediglich 1,7 Prozent gestiegen ist.

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Sie wissen, dass bei dieser Kennzahl die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise einfach heraus gerechnet werden. Über diese Idee der Kerninflation lässt sich natürlich streiten.

Thailand: Inflation und Kerninflationsrate

Für Börsianer ist die Kerninflationsrate wichtig, denn die Notenbanken orientieren sich lieber an diesem Wert.

Da die Kerninflationsrate in Thailand moderat ausfällt, sieht sich die thailändische Notenbank momentan nicht im Zugzwang, die Zinsen zu senken.

Börsenwelt rechnet mit sinkenden Zinsen

Die Notenbank in Thailand wird mittelfristig die Zinsen wieder senken – und zwar mindestens auf das Niveau der amerikanischen Leitzinsen.

Die resultierende Inflation werden die Währungshüter genau wie ihr Vorbild in Washington gerne in Kauf nehmen. Wirtschaftswachstum darf also ruhig etwas kosten, nämlich die Kaufkraft der Bürger.

Die Thailänder werden sich daran gewöhnen müssen, dass die Preise weiter oben bleiben.

Daran wird auch die ausgewiesene Kerninflationsrate nichts ändern. Doch bei allem Ärger der Konsumenten über den Kaufkraftverlust – Aktieninvestoren profitieren.

Schließlich sind niedrige Zinsen noch immer das beste Börsenbenzin. Und vielleicht können die guten Kurse die Kaufkraftverluste der Thailänder ja wieder wettmachen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.