Thermo Fisher Scientific: Laborausstatter mit 21 Milliarden Dollar-Übernahme

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Thermo Fisher Scientific will das Auftragsfertigungsinstitut PPD für 21 Milliarden Dollar schlucken. Die Übernahme soll das Wachstum weiter ankurbeln. (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Spätestens nach der gescheiterten Übernahme von Qiagen dürfte der US-Laborausstatter Thermo Fisher Scientific auch hierzulande dem ein oder anderen Anleger bekannt sein. Nachdem der Konzern bei Qiagen nicht zum Zug kam, folgt nun der nächste Clou: Für 21 Milliarden Dollar will sich der Thermo Fisher das Auftragsfertigungsinstitut PPD einverleiben, das eng mit dem Impfstoffhersteller Moderna zusammenarbeitet.

Wer hinter Thermo Fisher Scientific steckt

Bevor wir auf das Übernahmeangebot kommen, möchte ich Ihnen erstmal die beiden Kontrahenten näher vorstellen: Thermo Fisher Scientific ist ein Unternehmen mit Sitz in Waltham, USA, das primär im Bereich Medizinische Geräte und Ausrüstung tätig ist. Das Unternehmen wurde im Jahr 1960 gegründet und beschäftigte zum Ende des letzten Geschäftsjahres 80000 Mitarbeiter. Operativ ist der Konzern in vier Teilbereiche aufgeteilt.

Im Geschäftsbereich „analytische Instrumente“ bietet Thermo Fisher ein breites Spektrum an Laborgeräten, Verbrauchsmaterial, Software oder Dienstleistungen an. Die Produkte können in der Forschung, während der Produktion oder im Feld beim Kunden eingesetzt werden. Das Segment der „Biowissenschaft-Lösungen“ dient hingegen dazu, neue Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Als weitere Bereiche gibt es „Laborausstattung und Dienstleistung“ und „Spezialdiagnose“. Im Letzteren stellt Thermo Fisher Lösungen bereit, mit denen Diagnosen verbessert und beschleunigt werden sollen.

Thermo Fisher bietet 24% Prämie für PPD-Anleger

Jetzt hat Thermo Fisher eine Offerte für PPD auf den Tisch gelegt. Das Gebot von 47,50 Dollar je PPD-Aktie entspricht einem Aufschlag von 24% auf den Schlusskurs vor der Übernahmemeldung. Der Kaufpreis liegt entsprechend bei 17,4 Milliarden Dollar. Zuzüglich 3,5 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten beträgt der gesamte Unternehmenswert rund 21 Milliarden Dollar. Für die Finanzierung des Deals will Thermo Fisher auf eine Mischung aus Barmitteln und Schulden zurückgreifen.

PPD – der Spezialist für die Arzneimittelentwicklung

Mit PPD setzt Thermo Fisher auf einen Spezialisten in der Arzneimittelentwicklung. Die Firma unterstützt Unternehmen bei der Arzneimittelentwicklung durch Beratung, Konzeption und Durchführung klinischer Studien sowie auch durch eine Unterstützung der Patienten. Das Unternehmen wurde beispielsweise vom Impfstoffhersteller Moderna beauftragt, die Covid-19-Studienstandorte des US-Konzerns zu betreuen. Den Markt für klinische Forschung beziffert Thermo Fisher mit rund 50 Milliarden Dollar. Zudem sei die Übernahme vor dem Hintergrund des langfristigen Wachstums interessant, so die Geschäftsführung von Thermo Fisher.

Sollte Thermo Fisher mit seinem Übernahmeversuch erfolgreich sein, dann geht ein kurzes Börsendebut zu Ende. PPD selbst kam erst im Februar letzten Jahres zu 27 Dollar an den Aktienmarkt. 2020 setzte PPD mit mehr als 26.000 Mitarbeitern 4,68 Milliarden Dollar um. Das waren 16% mehr als im Vorjahr. Am Ende blieben 154 Millionen Dollar an Gewinn hängen (vs. 48 Millionen Dollar in 2019). Für Sie zum Vergleich: Thermo Fisher selbst kam in 2020 bei einem Umsatz von 32,21 Milliarden Dollar auf einen Nettogewinn von 6,37 Milliarden Dollar.

Deal soll sich direkt positiv auswirken

Geplant ist, sofern es von den Wettbewerbsbehörden keine Einwände gibt, die Übernahme bis Ende des Jahres in trockene Tücher zu bringen. Im Anschluss rechnet Thermo Fisher auf 3-Jahressicht mit positiven Synergieeffekten von rund 125 Millionen Dollar. Beim Gewinn soll sich die Transaktion direkt positiv auswirken und 1,40 Dollar zum Ergebnis je Aktie beisteuern.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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