Thomas Cook-Aktie: Aktie des britischen Reisekonzerns hebt mit Übernahmespekulationen ab

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Übernahmegerüchte lassen Thomas Cook-Aktie abheben. Neben US-Finanzinvestoren offenbar auch Fosun als Bieter mit im Spiel. (Foto: nito / shutterstock.com)

Die Gerüchteküche kocht. Seit die Thomas Cook Group im Februar ihr Airline-Geschäft ins Schaufenster zum Verkauf gestellt hat, sind die Spekulationen in vollem Gange. Der Plan war folgender: Die Fluggesellschaften mit zusammen 103 Flugzeugen sollten veräußert werden und die Erlöse in die Digitalisierung und weitere Hotel-Investments gesteckt werden.

Doch seit dem Osterwochenende machen Spekulationen über einen Komplettverkauf des Konzerns die Runde. Die Aktionäre freuts – immerhin legte der Kurs um zwischenzeitlich 20% an Wert zu.

Weltweiter Touristik-Konzern

Bevor ich auf die jüngsten Übernahmespekulationen eingehe, möchte ich Ihnen den Reisekonzern erst einmal näher vorstellen. Thomas Cook ist ein britisches Traditionsunternehmen, das bereits im Jahr 1841 gegründet wurde.

Der Konzern ist einer der weltgrößten Anbieter von Freizeitreisen. Als Reiseveranstalter bietet die Unternehmensgruppe seinen Kunden eine vielfältige Palette bestehend aus Pauschalreisen, individuellen Reiseangeboten, Gruppen- und Firmenreisen, Life-style Urlauben, Aktivreisen, Last-Minute Offerten, Urlaubs- und Städteflügen an. Der Konzern unterhält eine Flotte von 103 Flugzeugen (im Eigenbesitz oder unter Leasing) und ist über ein Netzwerk von über 3.000 Reiseshops in 15 Ländern weltweit präsent. Zu den Hauptmarken zählen unter anderem Thomas Cook, Airtours, Sentido, Neckermann Reisen, Condor, Tjäreborg, Bucher Reisen und ÖGER TOURS.

Preisdruck und Brexit sorgen für Gegenwind

Zuletzt sorgte bei der Thomas Cook Group der internationale Preisdruck in der Reisebranche und die Unsicherheiten rund um den Brexit für kräftigen Gegenwind. Das Airline-Geschäft litt unter wieder anziehenden Kerosinpreisen sowie unter der harten Konkurrenz im Ferienflieger-Geschäft. Obendrein bremste die nachlassende Reiselust der Briten, dem wichtigsten Markt es Unternehmens.

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Zuletzt kam der hoch verschuldete Konzern nur noch auf eine Eigenkapitalquote von gerade einmal 4% und rutschte in die Verlustzone. Der Aktienkurs war ebenfalls ein wahres Trauerspiel. In 2018 schmolz der Börsenwert um über 80% zusammen.

Zahlreiche Bieter machen die Runde

Egal, ob der Konzern nun in einen Reiseveranstalter und eine Fluggesellschaft aufgespaltet wird – die Spekulationen haben den Papieren zuletzt wieder Leben eingehaucht. Von dem Fernsehsender Sky News wurden gleich mehrere Bieternamen in die Waagschale geworfen. Neben US-Finanzinvestoren wie KKR und EQT könnte demnach auch das chinesische Konglomerat Fosun Interesse an einer Übernahme haben.

Chinesen halten bereits 17%

Grundsätzlich scheint ein solcher Deal nicht auszuschließen. Immerhin hält Fosu bereits 17% aller ausstehenden Aktien. Zugleich ist der chinesische Großkonzern auch bei Club Med engagiert, hat also weitere Aktivitäten im Reisebereich. Jedoch wäre ein Deal alles andere als einfach: Der neue Besitzer des Konglomerats für die Fluggesellschaften stünde vor dem gleichen Problem wie britische Airlines im Zuge des Brexits.

Um weiterhin als EU-Fluggesellschaft zu gelten müsste Fosun nach einem Deal mehrheitlich im Besitz von EU-Bürgern beziehungsweise -Unternehmen sein. Maximal 49% dürfen von Nicht-EU-Investoren gehalten werden. Eine zügige Abspaltung der Fluggesellschaften könnte also im Interesse von Thomas Cook liegen, wenn man einen Gesamtinvestor außerhalb der EU bevorzugen wollte.

Keine genauen Informationen

Bislang handelt es sich ausschließlich um Gerüchte, die von Thomas Cook nicht kommentiert wurden. Bisher wurde immer ein Verkauf oder Teilverkauf erwähnt – neben der Option, das Airline-Geschäft auch zu behalten. Diverse Konzerne haben aber bereits Interesse bekundet. Es bleibt also spannend. Mit Sicherheit dürfte aber die Schwankungsbreite der Aktie in den kommenden Wochen deutlich erhöht bleiben.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.