Thomas Cook Aktie: Pleite über Nacht

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Der älteste und zweitgrößte Reiseveranstalter der Welt ist pleite, die Thomas Cook Aktie ist so gut wie nichts mehr wert. (Foto: IlkerErgun / Shutterstock.com)

Die Meldung kam mitten in der Nacht – der britische Reiseveranstalter Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. Mit sofortiger Wirkung sind damit alle Flüge des ältesten Touristikkonzerns der Welt gestrichen, betroffen sind weltweit rund 600.000 Urlauber, unter ihnen auch zehntausende Touristen aus Deutschland, die nun erst einmal festsitzen.

Gigantische Rückholaktion beginnt

Anders als in Deutschland springt bei britischen Konzernen in einem solchen Falle nicht etwa eine Versicherung ein, um die Urlauber nach Hause zu holen, stattdessen ist der Staat verantwortlich. Unter dem Codenamen „Matterhorn“ sollen bereits etliche Flugzeuge in Urlaubsregionen gestartet sein, um britische Touristen heimzufliegen.

Die britische Regierung rechne mit der „größten zivilen Rückholaktion überhaupt“. Das Unterfangen dürfte einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen und bildet wenige Wochen vor dem EU-Austrittstermin eine neue Herausforderung für die Regierung in London, die zahlreiche Ressourcen in Beschlag nimmt.

Condor kommt womöglich mit blauem Auge davon

Neben den Kunden des 1841 gegründeten Reiseveranstalters sind zudem auch etwa 21.000 Beschäftigte in 16 Ländern betroffen. Welche Auswirkungen die Pleite des Mutterkonzerns auf dessen Tochtergesellschaften – etwa Neckermann Reisen oder die deutsche Urlaubsfluglinie Condor – haben wird, ließ sich am Montagmorgen noch nicht eindeutig sagen.

Aufgrund der weitgehend eigenständigen Struktur sind Flüge der Condor Airline vorerst nicht betroffen, die Maschinen starten wie geplant, wie es aus Unternehmenskreisen hieß. Kurzfristig bemüht sich die Fluggesellschaft um einen Überbrückungskredit bei der deutschen Bundesregierung.

Veränderte Urlaubstrends: Individuell im Internet statt pauschal im Reisebüro

Bereits in der Vergangenheit war Thomas Cook mehrfach knapp an der Pleite vorbeigeschlittert, zuletzt wurde das Unternehmen im Jahr 2012 durch die Unterstützung mehrerer Banken gerettet. Nun sind die Verhandlungen mit Investoren am Sonntagabend gescheitert, am Ende fehlten rund 200 Millionen Pfund, um das Geschäft zu retten.

Die Pleite trifft die Branche inmitten der gesellschaftlichen Debatte um die Sinnhaftigkeit klimaschädlicher Flug- und Kreuzfahrtreisen, die beide zum Kerngeschäft von  Thomas Cook gehörten. Die Probleme, die nun zur Pleite führten, liegen jedoch tiefer und gehen weiter zurück.

Der Konzern, der als Erfinder der Pauschalreiseangebote mit Anreise, Unterkunft und Verpflegung „all inclusive“ gilt, hat sich zu spät und nicht umfassend genug auf veränderte Gewohnheiten der Kunden eingestellt. In Zeiten des Internets wird die Urlaubsreise eben überwiegend nicht mehr per Katalog im Reisebüro pauschal gebucht, stattdessen boomen Preisvergleichsportale im Internet, über die sich die Kunden individuelle Reisepläne möglichst kostengünstig selbst zusammenstellen können.

Chaos im Urlaubsparadies

Wer bei seiner Reiseplanung dennoch auf Thomas Cook gesetzt hat, sah sich am Wochenende zum Teil mit chaotischen Zuständen konfrontiert. Berichte von Touristen aus aller Welt belegen, dass manche Hotels sie an der Abreise hinderten und Zahlungen per Kreditkarte forderten aufgrund der Befürchtung, von Thomas Cook kein Geld mehr zu erhalten. Andere Unterkünfte reagierten genau umgekehrt und setzten Thomas-Cook-Urlauber kurzerhand vor die Tür.

Verheerend gestaltet sich zudem bereits seit Wochen die Entwicklung des Aktienkurses. Die Thomas Cook Aktie, die vor einem Jahr noch immerhin 60 Cent wert war, kostete am Montag vorbörslich gerade einmal noch 4 Cent und unterbot damit noch einmal ihr jüngstes Rekordtief.

Thomas Cook Aktie wertlos – Tui Aktie alternativ interessant?

Interessant erscheint in nächster Zeit hingegen der Blick auf die Aktie des Konkurrenten Tui. Zwar hat auch dieser Anbieter mit der Entwicklung von Angebot und Nachfrage seiner Pauschalpakete zu kämpfen, könnte aber nun durch den Wegfall eines starken Wettbewerbers profitieren.

Zudem wird Tui schon seit längerem Interesse an einer Übernahme von Condor nachgesagt. Wahrscheinlicher erscheint derzeit allerdings, dass die Gläubiger den Rest des Thomas Cook-Kuchens erst einmal unter sich aufteilen werden.

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Tui Aktie verliert ein Drittel an WertDer Reiseveranstalter Tui holt Urlauber zurück und legt sein Touristikgeschäft vorläufig auf Eis. Anleger reagieren alarmiert. › mehr lesen


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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