Thyssen Krupp: Der Absturz der Traditionsaktie

Auf Sicht eines Jahres hat Thyssen Krupp noch mehr als die Commerzbank an Wert verloren. Was steckt hinter dem Absturz der Traditionsaktie? (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Beim Blick auf die aktuellen DAX-Verlierer taucht eine Aktie fast täglich auf den vorderen Plätzen auf: Thyssen Krupp.

Der größte deutsche Stahlproduzent stand an den vergangenen 20 Handelstagen 14mal auf der Seite der Verlierer.

Allein im Mai hat der DAX-Wert 25% an Wert verloren. Das ist schon ein dramatischer Verlust – vor allem wenn man bedenkt, dass der DAX mit 7% Minus auch schon eines der schlechtesten Ergebnisse seiner Geschichte eingefahren hat.

So tief wie in diesen Tagen notierte die Thyssen Krupp Aktie zuletzt im Oktober 2003. Was steckt also hinter dem Absturz, der schon ein Jahr andauert? Immerhin hat die Aktie seit einem Jahr fast zwei Drittel an Wert verloren. Damit rangiert die Thyssen Krupp Aktie sogar noch vor der Commerzbank.

Das Unternehmen steht eben von zwei Seiten unter Druck. Zum einen sind es die Befürchtungen über eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums. Davon wird die Stahlindustrie in den meisten Fällen sehr früh getroffen. Zum anderen sind es unternehmenspezifische Probleme – vor allem im Ausland.

Dieser Mix hat den Abwärtstrend auf jeden Fall beschleunigt. Und auch die Zahlen zum zweiten Quartal 2011/2012 (Stichtag 31. März 2012) waren alles andere als überzeugend. Unterm Strich blieb so ein Verlust von 587 Mio. Euro.

Beim operativen Gewinn brach das Ergebnis von Thyssen Krupp um mehr als 80% auf nur noch 76 Mio. Euro ein. Immerhin gelangen Thyssen Krupp einige Lichtblicke, wenn auch nicht im klassischen Stahlgeschäft. Doch beim Aufzuggeschäft und auch im Großanlagenbau und der Autozuliefersparte hellte sich das Bild wieder auf.

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An den Finanzmärkten wird Thyssen Krupp aber als reiner Stahlwert betrachtet. Sicherlich steht dieses Geschäft inklusive dem Handel mit einem Umsatzanteil von 55% im Fokus. Und auch viele der aktuellen Probleme resultieren aus dem Stahlgeschäft.

Aber um genau das zu ändern, ist Thyssen Krupp Vorstandschef Heinrich Hiesinger dabei, unrentable und unpassende Geschäftszweige zu verkaufen. Mit dem Erlös soll dann die Technologiesparte gestärkt werden, die es aktuell schon auf einem Umsatzanteil von immerhin 38% bringt.

Nach Kursabsturz ist Thyssen Krupp sehr niedrig bewertet – jetzt also einsteigen?

Insofern ist kann man das aktuell niedrige Kursniveau auch als Chance betrachten. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das kommende Geschäftsjahr wird die Thyssen Krupp Aktie nur mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,4 gehandelt.

Dabei haben die Analysten ihre Erwartungen in den vergangenen Monaten sogar schon deutlich nach unten angepasst: Im Durchschnitt erwarten die Analysten nur noch einen Gewinn pro Aktie von 1,59 Euro. Das entspricht einer Prognosesenkung von fast 45% innerhalb von nur sechs Monaten.

Aktuell ist die Thyssen Krupp Aktie ganz klar eine Wette auf eine bessere Zukunft. Die zentrale Frage lautet dabei: Schafft der Vorstand den Verkauf der Problemsparten und die Stärkung der Technologiesparte?

In einigen Monaten werden wir wissen, ob es sich bei der Thyssen Krupp-Aktie um ein fallendes Messer handelt oder ob es echte Chancen für den Turn-Around gibt. Klar ist nur: Die Zeit für einen Einstieg drängt noch nicht.

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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.

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