ThyssenKrupp Aktie: Es wird eng für Hiesinger

Für Hiesinger könnte der Tata-Deal das letzte große Projekt bei ThyssenKrupp werden. Er gilt als angezählt – die Aktie steigt. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Heinrich Hiesinger ist angezählt. Der Chef des im Ruhrgebiet ansässigen Industriekonzerns ThyssenKrupp wird es in den kommenden Wochen mit dem aktivistischen US-Investor Paul Singer zu tun bekommen.

Dessen Hedgefonds Elliott hat gerade bestätigt, ein größeres Aktienpaket an ThyssenKrupp erworben zu haben, das sich jedoch noch unterhalb der meldepflichtigen Grenze bewegt. Dennoch dürfte es nun ungemütlich werden für Hiesinger – noch ungemütlicher als bisher, denn Gerüchten zufolge ist die Absetzung des Vorstandschefs eines der erklärten Ziele auf der Agenda des Investors.

Hiesinger steht von vielen Seiten unter Druck

Singer zweifelt demnach offenbar an der Fähigkeit Hiesingers zur strategischen Neuausrichtung des Großkonzerns. Der ThyssenKrupp-Chef plant die Abspaltung des Stahlgeschäfts, das mit den Europaaktivitäten des indischen Konkurrenten Tata Steel fusioniert werden soll.

Dieser Schritt hatte in den vergangenen Monaten bereits öffentlich für Furore gesorgt und selbst hochrangige Politiker auf den Plan gerufen, denn Arbeitnehmervertreter befürchten durch die Zusammenlegung Einschnitte auf deutscher Seite. Hiesinger geriet unter Druck.

Dem schwedischen Großinvestor Cevian, mit 18 Prozent zweitgrößter Anteilseigner, geht das alles nicht schnell und nicht weit genug. Cevian fordert eine Zerschlagung von ThyssenKrupp, was Hiesinger jedoch ablehnt. Trotz der Konfrontation bestreiten die Schweden, mit Elliott gemeinsame Sache gegen den Vorstandschef zu machen – rund um den Einstieg von Singers Hedgefonds war spekuliert worden, Cevian könnte hier seine Finger im Spiel haben, um mit einem schlagkräftigen Partner an der Seite effektiver gegen Hiesinger vorgehen zu können.

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ThyssenKrupp Aktie legt kräftig zu

Wie wenig offenbar auch die Anleger dem Konzernlenker zutrauen, wurde am Verlauf des Aktienkurses erkennbar: Seit Bekanntwerden des Einstiegs von Elliott hat die ThyssenKrupp Aktie einen deutlichen Sprung nach oben gemacht um zeitweise rund 10 Prozent. Zwar setzten kurz darauf erste Gewinnmitnahmen ein, doch die kurzfristige Kauflaune der Aktionäre, sobald die Aussicht darauf steigt, Hiesinger loszuwerden, spricht Bände.

Am Ende könnte sein Schicksal ausgerechnet an dem umstrittenen Tata-Deal hängen. Geht das Geschäft, wenn auch mit einigen Monaten Verzögerung, im Sommer reibungslos über die Bühne und wirft Erfolge für ThyssenKrupp ab, könnte Hiesinger das neue Spielräume und womöglich zumindest eine zeitliche Schonfrist einbringen. Scheitert der Deal, wären seine Tage an der Spitze des Traditionsunternehmens jedoch wohl gezählt – spätestens dann, muss man sagen, denn Elliott ist nicht gerade zimperlich.

Für Hiesinger kommt der Einstieg des neuen Großinvestors zur Unzeit, wird er doch in seiner Position dadurch nicht unerheblich geschwächt, und das ausgerechnet in der heißen Phase der Tata-Verhandlungen.

Analysten sehen unterdessen durchaus weiteres Kurspotenzial für die ThyssenKrupp Aktie: Zahlreiche Kaufempfehlungen sehen das Papier perspektivisch bei 30 Euro und mehr. Zuletzt war die Aktie für rund 23 Euro zu haben.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.