Thyssenkrupp Aktie fliegt aus dem Dax

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Ende einer Ära: Mit Thyssenkrupp muss noch in diesem Monat ein Gründungsmitglied den Dax verlassen. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Es ist das Ende einer Ära: Nach 31 Jahren fliegt Thyssenkrupp aus dem Dax, noch in diesem Monat muss der traditionsreiche Industriekonzern aus dem Ruhrgebiet seinen Platz im Leitindex räumen. Nachrücken wird der Triebwerkshersteller MTU.

Das Vorgängerunternehmen Thyssen zählte 1988 zu den Gründungsmitgliedern im Dax und zählte seither ununterbrochen zu den 30 wertvollsten Unternehmen des Landes. Doch damit ist nun Schluss, zum 23. September steigt die Aktie in den MDax ab.

Fehlinvestitionen in Übersee, gescheiterte Tata-Fusion

Der Niedergang des Aktienkurses ist nicht erst seit gestern im Gange, der Abschied aus dem Dax kommt daher nicht gänzlich überraschend. Die Probleme waren teilweise hausgemacht, viel zu lang hat sich der Konzern mit Stahlwerken in Brasilien und den USA herumgeschlagen, die sich als klare Fehlinvestitionen erwiesen.

Die angestrebte Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata wurde von den Wettbewerbshütern der Europäischen Union verhindert. Die ursprünglich geplante Konzernaufspaltung wurde daraufhin abgesagt, stattdessen verordnet sich Thyssenkrupp derzeit eine Umstrukturierung inklusive Stellenabbau, um Kosten zu sparen und perspektivisch wieder profitabler und somit für Anleger attraktiver zu werden.

Thyssenkrupp Aktie: Gesundschrumpfen im MDax?

Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass sich die Thyssenkrupp Aktie im MDax wird erholen können. Auf Jahressicht hatte sich der Kurs des Papiers nahezu halbiert, wenngleich die Aktie nach Bekanntwerden des Indexwechsels wieder stärker gefragt war und am Donnerstag kräftig zulegen konnte. Mit etwas mehr als 11 Euro bewegte sich das Papier jedoch in etwa auf dem Niveau, das Analysten zuletzt mehrheitlich für angemessen hielten.

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Relevant wird der Dax-Abstieg zudem mit Blick auf die zahlreichen Indexfonds, die den Dax in seiner Zusammensetzung nachbilden und die nun entsprechend umschichten müssen. Dieser Effekt dürfte den Kurs zumindest zeitweise belasten.

Verkauf der lukrativen Aufzugsparte an Kone?

Diskutiert wird bei Thyssenkrupp zurzeit auch über einen Verkauf des Tafelsilbers: Nachdem die Abspaltung der schwächelnden Stahlsparte per Fusion mit Tata gescheitert ist, versucht das Essener Unternehmen nun, sein Aufzuggeschäft zu veräußern. Neben einem Börsengang ist auch ein Verkauf an einen Konkurrenten denkbar.

Ein Interessent hat sich auch schon gefunden: Der Chef des finnischen Aufzughersteller Kone wird mit den Worten zitiert, ein Kauf der Aufzugsparte von Thyssenkrupp würde für sein Unternehmen „perfekt passen“.

Möglicher Bieterwettstreit beflügelt Aktienkurs

Darüber hinaus wurden von Seiten des Thyssenkrupp-Konzerns jedoch noch weitere potenzielle Interessenten angeschrieben, darunter die Aufzughersteller Schindler, Otis und Hitachi sowie diverse Finanzinvestoren.

An der Börse kamen die Pläne jedenfalls gut an, der Kursanstieg am Donnerstag war nicht zuletzt auf die Meldung über die Verkaufsabsichten hinsichtlich der Aufzugsparte zurückzuführen. Im Gegensatz zum Stahlgeschäft wirtschaftet der Bereich hochprofitabel – ein Verkauf könnte Schätzungen zufolge bis zu 15 Millionen Euro in die seit Jahren klammen Kassen des Ruhrkonzerns spülen und damit spürbar zur Sanierung beitragen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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