Thyssenkrupp: Bietergefecht um Aufzugssparte spitzt sich zu

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Thyssenkrupp: Übernahmekrimi geht in die nächste Runde. Finanzinvestoren gegen finnischen Wettbewerber Kone. Wer wird das Rennen gewinnen? (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Im derzeit größten laufenden Übernahme-Deal in Deutschland geht es momentan richtig heiß her. Mehrere Finanzinvestoren buhlen um die Aufzugssparte des Stahl- und Industriekonzerns Thyssenkrupp. Gerade hat der finnische Aufzughersteller Kone eine 17 Milliarden Euro schwere Offerte auf den Tisch gelegt und damit die bestehenden Angebote übertrumpft.

Kone legt die Latte höher

Das Angebot über 17 Milliarden Euro dürfte für Thyssenkrupp ausgesprochen lukrativ sein. Zuletzt war der Wert der Aufzugssparte, für den auch ein Teilbörsengang als Option geprüft wurde, auf rund 15 Milliarden Euro taxiert worden. Zudem liegt die Offerte 1 Milliarde über dem Angebot der Finanzinvestoren. Aber damit nicht genug: Laut Medienberichten soll Thyssenkrupp sogar die Wahl zwischen einer Bezahlung komplett in bar oder in bar und Aktien haben.

Wer hinter Kone steckt

Kone ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Hauptsitz im finnischen Espoo, das vorwiegend auf Aufzugsanlagen, Fahrtreppen und Automatiktüren spezialisiert ist. Zuletzt lag der Jahresumsatz bei 9,07 Milliarden Euro – beim Nettogewinn erreichten die Finnen mit 841 Millionen Euro eine Gewinnspanne von 9,27%.

Hohe Synergien in Aussicht

Kone begründet sein starkes Interesse damit, dass sich die beiden Geschäfte regional ausgesprochen gut ergänzen. Zudem sollen durch einen Deal signifikante Wertsteigerungen durch Synergien und gemeinsame Produktinnovationen realisiert werden. Das dürfte aber den Gewerkschaftern der IG Metall nicht unbedingt gefallen. Sicher ist, dass im Nachgang einer Übernahme durch Kone wohl auch ein Teil der 50.000 Stellen auf den Prüfstand gestellt wird. Daher dürften die einflussreichen Arbeitnehmervertreter eher einen Finanzinvestor als Käufer bevorzugen.

Kartellamt könnte Deal ausbremsen

Darüber hinaus dürfte eine Transaktion mit den Finnen auch kein Selbstläufer werden. Bedenken Sie: Auf Grund der hohen Überschneidungen dürften sich die Kartellwächter in Brüssel den Deal mit Argusaugen ansehen. Doch Kone hat hierfür einen Plan. Damit der Deal nicht blockiert wird, agieren die Finnen in Kooperation mit dem Finanzinvestor CVC, der das Europageschäft von Thyssenkrupp Elevator übernehmen würde. Da der Genehmigungsprozess mehr als ein Jahr dauern würde, bietet Kone zudem einen Milliardenbetrag als Vorkasse an.

Rivalisierende Bieter locken hohe Wartungserlöse

Neben Kone stehen gleich mehrere Finanzinvestoren Schlange. Zu den interessierten Bietern zählt ein Konsortium aus Advent mit Cinven sowie dem Staatsfonds von Abu Dhabi und der RAG-Stiftung. Darüber hinaus bietet der US-Investor Blackstone zusammen mit Carlyle und dem Canada Pension Plan Investment Board. Ebenfalls im Rennen ist die kanadische Brookfield Asset Management mit Temasek. Ausgeschieden sind bereits Hillhouse und 3G Capital.

Dabei dürften es die Finanzinvestoren vor allem auf die stabilen Wartungserlöse abgesehen haben. Immerhin stammen rund 4 Milliarden Euro und damit rund die Hälfte der Umsätze aus dem stabilen und planbaren Geschäft mit der Instandhaltung der Aufzugsanlagen.

Thyssenkrupp kann jeden Euro brauchen

Für ThyssenKrupp und den Großaktionär Cevian, der 18% der Anteile hält, kommt der Geldfluss sehr gelegen. Je höher, desto besser. Der Stahlkonzern verbrennt in seinem operativen Geschäft nämlich ordentlich Geld. Auch auf Gesamtkonzernebene verharrte der Industriekonzern seit 3 Jahren in der Verlustzone. Entsprechend mau entwickelte sich der Börsenkurs. Seit dem 2008er Hoch haben die Papiere um 75% an Wert verloren. Mit einem Marktwert von 7,2 Milliarden Euro ist Thyssenkrupp meilenweit von seinen Glanzzeiten entfernt.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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