ThyssenKrupp bleibt vorerst in der Zwickmühle

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Um seine Aufzugssparte zu verkaufen, tritt ThyssenKrupp nun in Verhandlungen mit zwei Finanzinvestoren. Die Anleger reagieren verschnupft. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Metaphern wörtlich in eine andere Sprache zu übersetzen ist in der Regel keine gute Idee. Wenn zum Beispiel die Deutschen „einen kühlen Kopf bewahren“ wollen, dann glauben die Skandinavier, „Ist i Magen“ – also Eis im Bauch – zu haben.

Kone brüskiert

Das Eis im Magen von Kone-Chef Henrik Ehrnrooth dürfte Anfang der Woche geschmolzen zu sein, als dieser telefonisch von ThyssenKrupp in Kenntnis gesetzt worden war, im Bieterrennen um die mit über 16 Mrd. Euro bewertete Aufzugssparte des ThyssenKrupp-Konzerns in die zweite Reihe versetzt worden zu sein. Finnischen Medien zufolge soll Ehrnrooth geradezu empört über die Entscheidung gewesen sein und kurzerhand verlautbaren lassen, dass für ihn der Fall endgültig erledigt sei.

Dabei hat Kone, übereinstimmenden Medienberichten zufolge, das höchste Kaufangebot abgegeben: Um fast 1,5 Milliarden Euro soll Kone das zweithöchste Angebot überboten haben. Dass Thyssenkrupp den finnischen Aufzugsanlagenbauer derart brüskiert liegt an der Angst des Essener Stahlkonzerns vor einem Veto der Europäischen Kartellbehörde.

Angst vor der Kartellbehörde

Bekanntermaßen kann es eine Weile dauern, bis von Brüssel eine endgültige Genehmigung für den Verkauf an einen strategischen Wettbewerber ausgestellt werden wird. Zeit, die ThyssenKrupp, einer der letzten industriellen Aristokraten Europas, nicht hat. Denn Thyssenkrupp braucht dringend Geld. Zum einen, weil der Konzern jedes Jahr 500 Millionen Euro an Pensionen auszahlen muss. Zum anderen, um den Abbau von 6. 000 Stellen zu finanzieren. Und den dringend notwendigen Umbau, um die verbliebenen Sparten – Stahl, Automobiltechnologie, Schiffsbau, Materialdienstleistungen, Anlagenbau – ergebnisseitig wieder auf Vordermann zu bringen.

Derweil scheint sich die Finanzlage des Unternehmens weiter zu verschlechtern: Die Ratingagentur Moody’s hat ihre Einschätzung unlängst auf „B1“ von „Ba3“ gesenkt. Die Rückstufung spiegele die weitere operative Schwächung des Unternehmens und den negativen Cashflow wider, so die Ratingagentur. Prekärer noch: Die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Erholung in den kommenden Quartalen sei gesunken.

Dringend angewiesen

Ein positives Ergebnis muss also her. Und zwar schnell. Daher hat sich ThyssenKrupp dazu entschieden, vorerst mit den beiden verbliebenen Bietern weiterzuverhandeln: Mit einem Konsortium bestehend aus Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan Investment Board und einem Konsortium aus Advent und Cinven, das vor einigen Jahren bereits bei der Übernahme des Generikaherstellers Stada zum Zug gekommen war.

Sollte eine Einigung über einen Mehrheits- oder Vollverkauf nicht zeitnah erzielt werden können, so ein Konzernsprecher am Montag, stelle ein Börsengang unverändert eine Option dar. Angabe gemäß wäre dieser ab dem Frühsommer möglich, realistischerweise jedoch wohl erst nach der Sommerpause.

Nur noch zwei Bieter im Rennen

Und auch wenn ThyssenKrupp gebetsmühlenartig angibt, eine „Wertmaximierung“ anzustreben: Fakt ist, dass nach dem Ausstieg von Kone ein kapitalkräftiger Bieter weniger im Rennen ist. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und weil als weitere Option nach wie vor ein Börsengang im Raum steht, könnte man daraus den Schluss ziehen, dass es schwer werden könnte, ausgerechnet bei den Finanzinvestoren die bisherigen Preisvorstellungen auch durchzusetzen.

Anleger sehen das offenbar genauso. Nur selten in den vergangenen 20 Jahren notierte der Kurs der Thyssenkrupp-Aktie tiefer als derzeit. Mit unter 11 Euro je Aktie hat sich der Börsenwert des Konzerns in den vergangenen beiden Jahren nach zwei Wechseln im Vorstandsvorsitz, zwei Strategiewechseln und einer Reihe von Gewinnwarnungen gedrittelt. Nein, mit dem Verkauf der Aufzugssparte wird es nicht getan sein.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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