ThyssenKrupp: Durchwachsene Bilanz

Es sind keine einfachen Zeiten für die deutsche Stahlbau-Industrie.

Das zeigt sich derzeit v. a. beim Blick auf ThyssenKrupp, einst Vorzeige-Konzern der Branche und hoch angesehener DAX-Konzern. Inzwischen kämpft die Firma mit vielfältigen Schwierigkeiten.

Der Blick auf die Quartalszahlen und die Bilanz der ersten 9 Monate des noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahres unterstreichen diese Entwicklung einmal mehr.

Schon das Vorjahres-Ergebnis sah nicht besonders gut aus, doch es geht noch weiter abwärts.

Umsatz und Gewinn brechen ein

In den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres ist der Umsatz des Gesamtkonzerns im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 9% gefallen von 32,2 Mrd. € auf jetzt nur noch 29,3 Mrd. €.

Die negative Tendenz spiegelt sich in nahezu allen Geschäftsbereichen.

Dass es für die Aufzugs-Sparte etwas besser lief und diese eine Umsatz-Steigerung um rund 5% von 5,2 auf 5,5 Mrd. € verbuchen konnte, kann über die schwachen Zahlen aller anderen Bereiche nicht hinwegtrösten.

Aber nicht nur der Umsatz, auch der Gewinn schrumpft in sich zusammen. Das Konzern-Ergebnis fiel von 279 Mio. € im Vorjahres-Zeitraum auf gerade einmal 115 Mio. € zurück.

Hier lässt sich jedoch immerhin ein Lichtblick aus der Bilanz herauslesen:

Denn während die ersten beiden Quartale des laufenden Geschäftsjahres unprofitabel verliefen und Verluste verbucht werden mussten, konnten diese im 3. Quartal mehr als ausgeglichen werden.

Im Zeitraum von April bis Juni erwirtschaftete ThyssenKrupp einen Gewinn von 124 Mio. €.

Hoffen auf das Schlussquartal

Eine entsprechend positive Entwicklung erhofft sich das Management nun auch vom verbleibenden Schlussquartal.

Der Konzern bestätigte seine zuvor bereits gesenkte Jahresprognose, wonach der Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres stabil bleiben soll. Damals wurden 268 Mio. € erzielt.

Um diese Messlatte zu erreichen, müsste das 4. Geschäfts-Quartal gut 150 Mio. € abwerfen. Davon geht man in der Führungs-Etage bei ThyssenKrupp offenbar aus.

2016-08-21 ThyssenKrupp

Dieser positive Ausblick, die Verbesserung der Bilanz im 3. Quartal sowie die Tatsache, dass die schwachen Zahlen bereits erwartet worden waren, ließen die Anleger milde reagieren.

Die ThyssenKrupp Aktie konnte zuletzt sogar noch zulegen. Von einem deutlichen Kurseinbruch zu Jahresbeginn hat sich das Papier inzwischen gut erholt.

Seit Anfang des Jahres 2016 beläuft sich das Plus der Aktie auf rund 20%. Auch zahlreiche Analysten raten zum Kauf. Allerdings sollten Anleger nicht übersehen, dass noch längst nicht alle Probleme bei ThyssenKrupp gelöst sind.

Besonders alarmierend erscheint die hohe Verschuldungs-Quote, die sich zum Stichtag 30. Juni auf satte 175% des Eigenkapitals belief und zudem im Vergleich zum Vorjahr eine negative Entwicklung aufweist.

Demnach hat sich die Netto-Finanzverschuldung um 0,4 Mrd. auf 4,8 Mrd. € erhöht, während das Eigenkapital von 3,5 auf inzwischen nur noch 2,7 Mrd. € zurückgegangen ist.

26. August 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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