ThyssenKrupp: Industriespionage durch Cyber-Attacke

Cyberkrieg – ein Begriff, der vor wenigen Jahren noch sehr nach Science Fiction und düsterer Zukunftsvision klang, ist inzwischen knallharte Realität.

Immer wieder sind Berichte zu lesen über gezielte Hacker-Angriffe, ausgeführt nicht von größenwahnsinnigen Jugendlichen aus dem Kinderzimmer.

Nein, es sind koordinierte Angriffe, die auf immenser technischer Ausrüstung und hochspezialisiertem Know-how beruhen müssen.

Das Ziel solcher Angriffe waren in jüngerer Vergangenheit öfter mal Bundesbehörden wie beispielsweise der Bundestag,  noch öfter aber trifft es Wirtschafts-Konzerne.

Die sind nicht unbedingt daran interessiert, solche Attacken in der Öffentlichkeit breitzutreten – v. a. dann nicht, wenn sie erfolgreich waren und die Sicherheits-Strukturen der unternehmenseigenen IT zu überwinden wussten.

ThyssenKrupp: Opfer von Cyber-Attacke

Nun aber wurde ein solcher Fall mal wieder bekannt:

ThyssenKrupp ist Opfer eines solchen koordinierten Hacker-Angriffs geworden – und zwar nicht punktuell und kurzfristig, sondern über Monate hinweg.

Das bestätigte der Konzern nach einem entsprechenden Bericht der „Wirtschaftswoche“.

Bereits im Frühjahr sind demnach Unbekannte in Computer des Unternehmens eingebrochen, erst nach 6 Monaten war die Abwehr erfolgreich.

Dennoch sei es den Eindringlingen gelungen, auf interne Informationen zuzugreifen.

Immerhin: Höchst sicherheitssensible Bereiche wie etwa die Rüstungs-Sparte Marine Systems oder die Produktions-IT von Kraftwerken seien von dem Angriff nicht betroffen gewesen.

Konkret wurde nicht benannt, welche Informationen abgegriffen wurden.

Industriespionage – kommt der Angriff aus China?

Die Spezialisten für IT-Sicherheit bei ThyssenKrupp gehen jedenfalls davon aus, dass es sich um einen so professionellen Angriff gehandelt hat, dass dies ohne staatliche Hilfe kaum möglich gewesen wäre.

Angesichts der Uhrzeiten geht man von Angreifern aus dem südostasiatischen Raum – oder China – aus. Allerdings, so wird betont, könnte es sich dabei auch um eine gezielt falsch gelegte Fährte handeln.

Inzwischen hat ThyssenKrupp seine Sicherheits-Maßnahmen hochgefahren und die Schutzwälle gegen Cyber-Attacken verbessert.

Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass die Angreifer es erneut schaffen können, in die IT-Infrastruktur des Konzerns einzudringen.

Versucht haben sie es auf jeden Fall auch in den vergangenen Wochen noch…

IT-Experten: ThyssenKrupp gut aufgestellt

IT-Experten attestieren dem Konzern ein sehr gutes Sicherheits-Konzept; nur 45 Tage nach dem 1. Angriff wurde dies offenbar bemerkt – bei Firmen vergleichbarer Größe dauert so etwas oft 100 Tage und mehr.

Immerhin handelt es sich bei ThyssenKrupp um einen weltweit agierenden Konzern mit tausenden Tochterfirmen und rund 150.000 Beschäftigten rund um den Globus.

Gänzlich auszuschließen sind entsprechende Attacken auch künftig nicht, weder bei ThyssenKrupp, noch bei anderen Konzernen. Aus Anlegersicht besteht jedoch kein Grund zur Panik.

Ganz im Gegenteil: Die ThyssenKrupp-Aktie zählt mit einem Plus von bislang mehr als 25% zu den Top-Werten im DAX 2016.

Daran ändert auch der Kursknick nichts, den die Aktie Ende vergangener Woche in Folge des Bekanntwerdens der Cyber-Attacke erlitten hat.

Den Rücksetzer kann sie sich leisten angesichts der Rally der vorangegangenen Wochen.

Auch Analysten sprachen zuletzt mit großer Mehrheit Kaufempfehlungen für das Papier aus – Kursziel: bis zu 30 € (Credit Suisse).

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16. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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